„The revolution will not be televised“, heißt es in einem legendären Gedicht des afroamerikanischen Lyrikers und Songwriters Gil Scott-Heron aus dem Jahr 1969/70.

Revolutionen haben die Menschen immer durch ihre mächtigen Bilder gepackt – mal für, mal gegen die Revolution. Als es noch keine Fotografie gab, waren es Gemälde, die ikonisch wurden – etwa das berühmte Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ von Delacroix (1830).

 

Delacroix, Die Freiheit …

Das Bild ist so im kollektiven Gedächtnis verankert, dass viele Menschen glauben, es stellte allegorisch die „Große Französische Revolution“ von 1789 dar, obwohl es der Pariser Julirevolution von 1830 gewidmet ist.

Berühmt sind bestimmte Fotos aus den russischen Revolution von 1905 und 1917 (wobei einige allerdings nicht authentisch sind). Auch die Revolutionen von 1918/19 haben fotografische Spuren hinterlassen.

Die Pariser Commune, gemeinhin datiert vom 18. März 1871 bis zum 21. Mai, dem Beginn der „blutigen Woche“, also den Massenexekutionen der geschlagenen Pariser Arbeiterinnen und Arbeiter durch die triumphierende Konterrevolution, ist die erste weitgehend fotografisch begleitete Volkserhebung der Geschichte.

Den Großteil der BIlddokumente verdanken wir dem Apotheker Hippolyte Blancard (1843 – 1924). Seine Negative befinden sich in der Sammlung der Historischen Bibliothek der Stadt Paris.  Er lichtete nicht nur die „großen Ereignisse“ ab, sondern zeigte das Leben der Menschen während des revolutionären Prozesses, der in der Nacht zum 18. März damit begonnen hatte, dass sich die Nationalgardisten am Montmartre weigerten, die von den Arbeiterinnen und Arbeitern unter großen Opfern erworbenen Kanonen an die Truppen der Regierung Thiers auszufolgen.

Das Imperium des Gangsterkaisers Napoleon war im Krieg gegen Preußen untergegangen – die politische Kaste, die ihn emporgespült hatte, nicht, ebenso wenig wie das Bürgertum, das die diktatorische Herrschaft (daher das Wort „Bonapartismus“) über die hungrigen und unzufriedenen Volksmassen durchaus goutierte.

Am 18. Jänner 1871 lässt sich Wilhelm II. im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser krönen und erhebt damit unverhüllt auch gegenüber dem Habsburgerreich einen gesamteuropäischen Führungsanspruch; zwei Monate später, am 18. Märt proklamiert das Zentralkomitee der Nationalgarde von Paris die Commune – die selbstverwaltete, egalitäre Republik der Werktätigen.

Der 18. März ist ein so emblematisches [sinnbildliches] Datum für die Pariser Commune, dass zahlreiche Fotos in den zeitgenössischen Veröffentlichungen mit diesem Darum gekennzeichnet werden.  So auch die beiden folgenden Bilder, mit denen ich bis Ende Mai immer wieder Bilddokumente der Pariser Commune vorstellen möchte.

Barrikade an der rue de la Roquette, Place de la Bastille, 18. März 1871 (beide Fotos von unbekannten Fotografen)
Barrikade am Boulevard de Puebla, Höhe von Ménilmontant, 18. März 1871

 

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