Videosonntag: Fotografie – Klassenwaffe

Bis 2. Februar 2019 läuft im Pariser Centre Pompidou die Ausstellung „Photographie – arme de classe“.

Der Titel – die „Fotografie als Klassenwaffe“, also wohl für ein deutschsprachiges Publikum besser als „Die Fotografie als Waffe im Klassenkampf“ zu übersetzen – ist einem programmatischen Text des Journalisten Henri Tracol (1909-1997) entnommen, in dem dieser 1932 die Grundlagen der Fotosektion der „Association des écrivains et artistes révolutionnaires“ (Vereinigung der revolutionären Schriftsteller und Künstler) entwickelte.

Ich werden mich in einem ausführlichen Beitrag hier im Blog mit dem Thema der Ausstellung und einigen theoretischen Überlegungen dazu auseiandersetzen. Nur so viel vorab: In der Ausstellung kann man sehr schön verfolgen, wie aus einer „Sozialfotografie“, welche die Lebensumstände der ärmsten und armen Schichten abbildet (etwa die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenen Fotos von Atget), eine politisch bewusste Darstellung des Lebens der arbeitenden (und arbeitslosen) Klasse wird, die auch klare politisch-ideologische Zielsetzungen hat.

Mehr davon sieht man auch im folgenden, längeren Video, bei dem die Musik evtl. etwas „ungewöhnlich“ ist – man kann sie aber auch einfach wegklicken ;-)!

Videosonntag: Der Medienwissenschaftler Jens Ruchatz über die „Handyfotografie“

Der Medienwissenschaftler Jens Ruchatz (Universität Marburg) hat sich seit längerer Zeit mit „Handyfotografie“ beschäftigt. In diesem Vortrag geht es um einen höchst spannenden Gesamtüberblick, wobei ich Ruchatz These, dass es in der Fotografie in Wahrheit keine „Genres“ gibt, interessant finde. Natürlich geht’s um das „Selfy“ genauso wie um die zahlreiche im Netz kursierenden Fotos mehr oder minder appetitlich anzusehender Speisen ;-).Viel Spaß!

Videosonntag: Lisette Model

Ab 5. Dezember zeigt die Westlicht-Galerie in Wien eine Werkschau dreier großer Fotografinnen: Lisette Model (1901-83), Diane Arbus (1923-71) und Nan Goldin (*1953).

Die in Wien geborene Lisette Model hat einen sehr eigenwilligen Porträtstil entwickelt, viele ihrer Bilder sind moderne Ikonen geworden. Hier ein kleines Video anlässlich einer Ausstellung im Jeu de Paume in Paris. Übrigens: Der im Film erwähnte Komponist war natürlich Hanns Eisler :-)!

Videosonntag: Lewis W. Hine und der Kampf gegen die Kinderarbeit in den USA

Lewis Hine (1874 – 1940) hat bewiesen: Fotografie kann die Welt verändern. Das klingt pathetisch, aber kein Fotograf vor ihm hat mit tausenden Bildern soviel bewegt wie der Lehrer und Soziologe Hine. Nach einer durch den Tod des Vaters überschatteten schweren Jugend war er für die soziale Frage aus eigener Erfahrung sensibilisiert. Das Fotografieren erlernte er autodidakt, seine Liebe galt der Dokumentation. Gemeinsam mit Schülern porträtierte er Einwanderer auf Ellis Island; ab 1906 dokumentierte er für das National Child Labour Committee Kinderarbeit in den USA – ein nationales Übel, wie er es nannte. Seine beeindruckenden Fotos, alle penibel mit Namen, Alter und oft Zitaten der Porträtierten versehene, konnten wesentlich zum ersten Gesetz gegen Kinderarbeit beitragen, das 1916 von Präsident Woodrow Wilson unterzeichnet, aber schon zwei Jahre später vom Höchstgericht aufgehoben wurde. Hine, der ab 1917 verschiedene Fotoprojekte verfolgte, geriet durch die Weltwirtschaftskrise 1929 in finanzielle Nöte. Seine Bewerbung um eine Anstellung als Fotograf für die Farm Security Agency scheiterte.  1940 starb Hine verarmt an den Folgen einer Operation in New York. Seinen fotografischen Nachlass übergab sein Sohn der Photo League.

Zwei Jahre vor Hines Tode wurde mit dem Fair Labor Standards Act theoretisch die Kinderarbeit in den USA verboten. Praktisch wurde die Landarbeit ausgenommen. In einer Petition von Human Rights Watch 2009/2010 wird darauf hingewiesen, dass mehrere hunderttausend Kinder in den USA ab dem Alter von 12 Jahren auch an Schultagen vor und nach dem Unterricht zeitlich unbegrenzt arbeiten dürfen (in anderen Branchen gibt es für Kinder ab 12 ein Zeitlimit von drei Arbeitsstunden).

Hier eine beeindruckende Dokumentation über Lewis W. Hine:

Videosonntag: „Der Sturm auf das Winterpalais“

Ein Bild wird seit Jahrzehnten mit einem der wichtigsten historischen Ereignisse der Geschichte verbunden – das Foto, das den Sturm auf das Winterpalais des Zaren in St. Petrograd zeigt: Der Sturz der dort tagenden Provisorischen Regierung unter Kerenski bedeutete den Sieg der Oktoberrevolution 1917. Was es mit dem ikonischen Bild auf sich  hat, untersuchte eine Ausstellung in Dortmund.

55 große Fotografinnen zu entdecken!

Boris Friedewald hat in “Meisterinnen des Lichts” Porträts und Fotografien von 55 Fotografinnen aus drei Jahrhunderten zusammengestellt. Gewiss – das Buch ist keine echte Neuerscheinung, sondern die preiswerte broschierte Ausgabe eines auf seine Art bahnbrechenden Werks. Es ist der erschwingliche Preis, der dem Buch hoffentlich jetzt eine größere Verbreitung beschert. „55 große Fotografinnen zu entdecken!“ weiterlesen

Erich Lessing (1923 – 2018)

Der bedeutende österreichische Fotograf Erich Lessing ist im Alter von 95 Jahren verstorben.

Seine Fotos vom ungarischen Aufstand 1956 sind ebenso weltberühmt wie andere Arbeiten, die er für Magnum fotografiert hat: der historische Besuch Charles de Gaulles in Algerien oder, natürlich, die Fotos von der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags.

In den 60ern Jahren begann Lessing mit einer ganzen Serie von Künstlerporträts und der Dokumentation von bedeutenden Werken der bildenden Kunst und Architektur.

Ein sehr berührende Nachruf auf Erich Lessing findet sich im Wiener KURIER, am Ende des Artikels gibt es eine ganze Reihe von Links zu Leben und Werk des Verstorbenen:

https://kurier.at/kultur/fotograf-erich-lessing-95-jaehrig-gestorben/400103219

Sorry, no video :-( Aber ein kleiner Vorgeschmack auf einen längeren Essay

Wie aus meinen Blogbeiträgen der letzten Woche zu ersehen, befinde ich mich erstaunlicherweise auf Urlaub (ja, ich kenne es wirklich, das perverse „u“-Wort!). Viel Natur, viel Kultur, und eine matte Internet-Performance.

Dafür (oder daher?) Zeit, sich vertieft mit dem einen oder anderen Thema zu beschäftigen, darunter auch mit der tschechischen Fotografie.  Wie erwähnt, habe ich im Fotografie-Museum von Jindrichuv Hradec auch zwei Bücher über tschechische Fotografen erworben. Beiden liegt erfreulicherweise ein englisches Summary bei. Mit einem der beiden, Dr. Jaroslav Feyfar, setze ich mich gerade auseinander. In Kürze folgt ein längerer Beitrag über sein Leben und seine Konzeption von Fotografie. Hier als Vorgeschmack eines seiner Landschaftsfotos, vermutlich aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg.

Ein Teich bei Jilemnice

Das Fotomuseum von Jindrichuv Hradec

Wenn man vom Waldviertel auf Höhe Heidenreichstein bei Grammet die Grenze nach Tschechien überquert, gelangt man nach rund 30 Kilometer in das malerische Jindrichuv Hradec .

Dort befindet sich im 1594 gegründeten Jesuitenkolleg heute das Museum für Fotografie und moderne Bildmedien.  Das Museum soll die Öffentlichkeit mit dem Schaffen vor allen tschechischer, aber auch internationaler Fotografinnen und Fotografen vertraut machen. Gleichzeitig vermittel es tiefe Einblicke in die Geschichte der fotografischen Apparaturen und die technischen Aspekte des „Zeichnens mit Licht“.

Daneben beherbergt das hervorragend restaurierte und adaptierte Gebäude auch eine modernst ausgestattete Digitalisierungsabteilung, die für die Ausstellungen (aber auch andere Museen) analoge Bildquellen aufbereitet. Daneben gibt es eine Fachbibliothek und einen Museumsshop. Für Kinder und Erwachsene werden begleitend Workshops angeboten. Eine Dauerausstellung „Macht der Medien“, die sich neben den klassischen fotografischen Themen mit Rundfunk- und Fernsehtechnik, neuen Medien und Videokunst auseinandersetzt, rundet das Ausstellungsangebot ab.

Was waren die Highlights? Interessant sind Videoinstallationen, die Studioshootings mit Plattenkameras zeigen, oder inszenierte Fotosessions auf einem Jahrmarkt. Spannend auch die Sonderausstellung zum 100. Geburtstag der tschechischen Republik – leider sind die Beschriftungen durchwegs auf tschechisch, was für Besucherinnen und Besucher, die der Sprache nicht mächtig sind, den Genuss deutlich trübt.

Noch bis 1. 7. 2018 ist die Ausstellung „New York“ von Pavla Sojky zu sehen – sehr eindringliche Blicke auch auf die Schattenseiten einer amerikanischen Großstadt.

Im Museumsshop stellte ich wieder einmal seufzend fest: Wie wenig wissen wir doch von der Fotografiegeschichte unserer Nachbarn! Zwei Fotobücher mussten jedenfalls erworben werden – über Miroslav Tuma und Jaroslav Feyfar. Beide Fotografen werde ich in  nächster Zeit den Besucherinnen und Besuchern meines Blogs vorsstellen.