Videosonntag: JR und wie er die Welt beklebt

Im Eropäischen Haus der Fotografie in Paris (Maison Européenne de la Photographie) wird zur Zeit eine große JR-Ausstellung gezeigt. Der junge Fotokünstler, oder besser: Fotoaktivist  hat seine Laufbahn mit 15 als Graffitimaler begonnen. Kein Dach, keine Wand, keine Metro war vor ihm sicher, sein Tag „JR“ prangte über der Stadt. Bis er auf einem Bahnhof eine Kamera fand und begann, seine Freundinnen und Freunde bei der Arbeit zu fotografieren, Der nächste Schritt war bedeutsam: Er vergrößerte mittels Fotokopiergeräten seine Schwarz-Weißfotos und klebte sie an die Wände. Die Hausmauern wurden seine Galerie. Dann entwickelte sich die Idee weiter, und heute ist JR mit seinen teilweise „gigantischen“ Aktionen einer, der Ungleichheit sichtbar macht – von den Favelas in Brasilien über Dörfer in Afrika bis in die indischen Armenviertel.

Der folgende Vortrag von JR ist auf Englisch – lasst euch nicht abschrecken, wenn ihr euch sprachlich nicht fit genug fühlt! Die Foto- und Videoeinspielungen machen JR und sein Werk verständlich. Seht und staunt!

Paris fotografieren

Im Rathaus von Paris ist zur Zeit eine bemerkenswerte Ausstellung zu sehen, in der 16 Fotografinnen und Fotografen neue Blicke auf die Seinetropole werfen.

Es sind Fotos von hauptsächlich jüngeren Menschen, die teilweise aus Paris stammen, teilweise zugezogen sind, oder „nur“ ein Fotoprojekt durchziehen wollten. Entsprechend vielfältig sind die Eindrücke, die in der Ausstellung vermittelt werden.

Kurz zum Schauplatz: Das Rathaus (übrigens in dieser Form erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Neorenaissancestil errichtet) ist mit der Metro bequem erreichbar, und es ist erfreulich, dass eine Ausstellung in einem derartigen historischen Ambiente bei freiem Eintritt zu besichtigen ist. Wie bei nahezu allen größeren Ausstellungen bzw. an frequentierten Plätzen muss man sich einer peniblen Taschen- und Leibesvisitation unterziehen. Es empfiehlt sich daher, ohne allzu kleinteilige Fotoausrüstung unterwegs zu sein – ich habe gestaunt, was ich so alles in meinem Fotorucksack hatte ;-).

Schwer zu sagen, welche Fotos mir am besten gefallen haben. Sehr berührend fand ich die Fotos von Quentin De Briey (der zwischen Barcelona, New York und Paris pendelt) und Porträts von Menschen in Alltagssituationen macht. Oder die Bilder von Lucile Boiron, die seit 2016 die Flüchtlingszeltstädte in Paris aufsucht und das Leben der Menschen dort im Projekt „Young Adventurers Chasing the Horizon“ dokumentiert.

Durchaus inspirierend auch die abstrakten Fotos des Deutschen Peter Tillessen. Hängengeblieben bin ich beim Porträt von Elsa aus der Serie „Belleville“ von Thomas Boivin.

Wohlgemerkt – alle Fotos sind bemerkenswert, ich kann  hier aber nur ein sehr subjektives „Best of“ bieten. Und hier geht es zu den Fotos:

https://photos.app.goo.gl/EHeVA6jAX7GNnbRQ7

Videosonntag: Ulla Lohmann – die Dame ist für’s Feuer

Am 24. und 25. November findet in Wien die Photo+Adventure statt – das Großereignis für Fotobegeisterte, mit einen Rahmenprogramm, das unerhört spannende Vorträge, Workshops und Studiogespräche bietet.

Mit dabei ist als Canon Ambassador die deutsche Fotoreporterin Ulla Lohmann, die vor allem in einem Bereich unübertroffen ist:  Der Fotografie von, ja sogar aus, Vulkanen. Gemeinsam mit ihrem Mann und dem Vulkanologen Thomas Boyer stieg sie auf Vanuatu in den aktiven Vulkan  Benbow ein und berichtete „aus dem Inneren der Erde“, umwirbelt von glühenden Lavaströmen. Darüberhinaus ist die Deutsche mit ethnographischen Reportagen über die Einwohner Papua Neuguineas in den bekanntesten einschlägigen Zeitschriften (GEO, National Geographic, Stern …)  und Fernsehsendern (BBC, ARD…) präsent. Hier, als kleiner Teaser für ihren Auftritt in Wien ein Interview, das auf der Fotokina 2018 mit ihr gemacht wurde.

 

Videosonntag: Lewis W. Hine und der Kampf gegen die Kinderarbeit in den USA

Lewis Hine (1874 – 1940) hat bewiesen: Fotografie kann die Welt verändern. Das klingt pathetisch, aber kein Fotograf vor ihm hat mit tausenden Bildern soviel bewegt wie der Lehrer und Soziologe Hine. Nach einer durch den Tod des Vaters überschatteten schweren Jugend war er für die soziale Frage aus eigener Erfahrung sensibilisiert. Das Fotografieren erlernte er autodidakt, seine Liebe galt der Dokumentation. Gemeinsam mit Schülern porträtierte er Einwanderer auf Ellis Island; ab 1906 dokumentierte er für das National Child Labour Committee Kinderarbeit in den USA – ein nationales Übel, wie er es nannte. Seine beeindruckenden Fotos, alle penibel mit Namen, Alter und oft Zitaten der Porträtierten versehene, konnten wesentlich zum ersten Gesetz gegen Kinderarbeit beitragen, das 1916 von Präsident Woodrow Wilson unterzeichnet, aber schon zwei Jahre später vom Höchstgericht aufgehoben wurde. Hine, der ab 1917 verschiedene Fotoprojekte verfolgte, geriet durch die Weltwirtschaftskrise 1929 in finanzielle Nöte. Seine Bewerbung um eine Anstellung als Fotograf für die Farm Security Agency scheiterte.  1940 starb Hine verarmt an den Folgen einer Operation in New York. Seinen fotografischen Nachlass übergab sein Sohn der Photo League.

Zwei Jahre vor Hines Tode wurde mit dem Fair Labor Standards Act theoretisch die Kinderarbeit in den USA verboten. Praktisch wurde die Landarbeit ausgenommen. In einer Petition von Human Rights Watch 2009/2010 wird darauf hingewiesen, dass mehrere hunderttausend Kinder in den USA ab dem Alter von 12 Jahren auch an Schultagen vor und nach dem Unterricht zeitlich unbegrenzt arbeiten dürfen (in anderen Branchen gibt es für Kinder ab 12 ein Zeitlimit von drei Arbeitsstunden).

Hier eine beeindruckende Dokumentation über Lewis W. Hine:

Videosonntag: Ein Film von Helen Levitt über das Leben in Harlem Ende der 40er Jahre

Zur Zeit zeigt die Albertina in Wien eine Ausstellung mit Arbeiten von Helen Levitt (1913-2009). Sie war eine der ganz Großen der Streetphotography.  Sie bewegte sich im Umfeld der New York Photo League, arbeitete seit 1938 mit Walker Evans und entdeckte bald den Film als Ausdrucksmittel.

1948 drehte sie mit dem Fotografen James Agee und der Malerin Janice Loeb einen Film über das Leben in East Harlem: „In the street“. Hier die Fassung aus dem Jahr 1952 mit Musik von Arthur Kleiner.