Videosonntag/Buchtipp: Cartier-Bresson, Deutschland 1945

Heute wird es sprachlich noch ausgefallener als sonst bei meinen Videosonntagen: Ein italienischer Trailer für ein in Frankreich erschienenes Buch, das es jetzt auch auf Deutsch gibt: Jean-David Morvan, Sylvain Savoia
Cartier-Bresson, Deutschland 1945, Bahoe-Books, 144 Seiten, 24,-EUR

Ein Glücksfall, wenn vier Große zusammentreffen. Da ist zunächst der 1969 in Reims geborene Grafiker Sylvain Savoia, der gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Freund Jean-David Morvan in der über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Comic-Buchhandlung BDBulle in die Welt der gezeichneten Geschichten kippt. Während Savoia seine Karriere beim Zygus-Magazin beginnt, heuert sein Freund Morvan, der eigentlich auch Illustrator werden möchte, beim Comic-Verlag Zenda an und stellt fest, dass es ohne brauchbares Szenario nicht klappt. Er wird einer der wichtigsten „Szenaristen“ der Comicszene. Séverine Tréfouël ist die Jüngste im Bunde – auch sie aus Reims, aber erst 1981 geboren. Morvan stößt auf das junge Talent, das seine ersten Schritte in die Welt der erzählenden Bilder als Buchhändlerin in der Comicbuchhandlung Bédérama gemacht hat. Gemeinsam mit Morvan wird sie 2014 drei Bände der Magnum-Serie (in Zusammenarbeit mit der legendären Bildagentur, zu deren Gründern Henri Cartier-Bresson [HCB] und Robert Capa gehörten) entwickeln.
Der bei Bahoe-Books erschienene Band „Cartier-Bresson, Deutschland 1945“ zeigt die Vorgeschichte zur Entstehung der beühmten Fotos HCBs aus Dessau nach der Befreiung des dortigen KZ.
Er ist der „vierte Große“, der eingangs erwähnt wurde.
In einer eigenen Liga spielt der Verfasser des abschließenden Essays, Thomas Tode. Der Kurator, Dokumentarfilmer und Publizist liefert in seinem fundierten Nachwort die Hintergründe zu dieser beeindruckenden Graphic Novel. Angereichert wird der Band durch die thematisch passenden Fotos von HCB – einer der großen Vorteile der Zusammenarbeit mit Magnum. Ein großartiges Buch, gleichermaßen für Freunde der Graphic Novel und der Fotografie.

Und hier der Trailer zur italienischen Ausgabe:

(Der Text dieses Blogbeitrags erscheint auch gedruckt in der Kundenzeitschrift des Literaturbuffets, der BUCHSTABENSUPPE)

Videosonntag: Here comes Billy the Kid

Er ist eine Legende der Wildwest-Geschichte: Henry McCarty oder William H. Bonney  (1859-1881), besser bekannt als Billy the Kid. Der Outlaw mit dem jugendlichen Aussehen regt bis heute die Fantasie – und die Diskussionen – an. Revolverheld und Mörder? Oder doch eher ein Opfer der Umstände, die ihn in den berüchtigten Lincoln-County-Rinderkrieg verstrickten?

Lange Zeit gab es ein einziges beglaubigtes Foto Billys – eine sogenannte Tintype, ein Unikat auf einer Metallplatte. Inzwischen sind zwei weitere Aufnahmen aufgetaucht. Hier ein Bericht darüber. Mehr zum Thema Tintype morgen!

Videosonntag: „Everybody Street“ auf Deutsch

Im Film „Everybody Street“ hat die amerikanische Fotografin Cheryl Dunn Pioniere und Meister der New Yorker Straßenfotografie aus sechs Jahrzehnten, darunter Bruce Davidson, Mary Ellen, Jill Freedman, Jeff Mermelstein und Martha Cooper porträtiert. Sie zeigt, dass diese Künstler ebenso bunt und einzigartig sind wie ihr Thema: die Stadt New York.

Der Film wurde übrigens durch crowdfunding finanziert! Viel Vergnügen und viele neue Impulse wünsche ich!

Videosonntag: Die Kalotypie – der Beginn der modernen Fotografie

Der folgende Videobeitrag beschäftigt sich kurz, aber hochinformativ, mit der von William Henry Fox Talbot (1800-1877) erfundenen „Kalotypie“ – dem ersten Verfahren, mit dem ein Positivabzug möglich wurde. Unter dem Video findet ihr ein paar „chemische“ Anmerkungen.

Bereits um 1833 entdeckte Fox Talbot, dass man mit Sonnenlicht auf einem mit Kochsalzlösung getränkten und mit Silbernitratlösung bestrichenem Bogen Papier unter Sonneneinwirkung Bilder „festhalten“ konnte. Von diesen „fotogenischen Zeichnungen“ war es ein Prozess von sieben Jahren, bis der englische Universalgelehrte zum ersten Positiv-Negativ-Verfahren fand. Beschichtetes Jodsilber-Fotopapier wurde in einem Rahmen in eine Camera Obscura eingesetzt. Legte man auf dieses Negativ ein weiters Blatt Papier, das mit Gallussäure und Silbernitrat behandelt wurde und setzte den Rahmen, in dem man das ausführte, dem Sonnenlicht aus, konnte man ein Positiv erhalten. Das war die Geburtsstunde der modernen Fotografie. „Kalotypie“ heißt übrigens übersetzt: „schönes Bild“.

Videosonntag: Ein Fotograf gegen Monsanto

Im Rahmen der Foto Wien ist die beeindruckende und aufrüttelnde Reportage des französischen Fotografen Mathieu Asselin über die (Un)Taten des berüchtigten Monsanto-Konzerns zu sehen. Hingehen, anschauen, reagieren!

Übrigens: Monsanto gehört heute zu BAYER…

Videosonntag: Der blauen Stunde auf der Spur

Manchen Besucherinnen und Besuchern sind meine Videos zu „kultur“- oder „theorielastig“. Ich habe jetzt einmal meine Beiträge durchgescrollt und gebe zu: Diese Kritik ist richtig. Andererseits gibt es so viele „technische“ Fotoblogs, mit denen ich ohnehin nicht mithalten kann, daher habe ich mir hier eine eigene Nische geschaffen. Aber: Brauchbare Praxistipps sind trotzdem spannend, und heute, wo draußen der Frühling fast schon in den Hochsommer übergegangen ist, gehen wir einmal (visuell) hinaus – und zwar zur „blauen Stunde“. Viel Spaß!

Video: Ein paar Überlegungen zur Arbeiterfotografie (1)

Wieder einmal ein Vlog-Beitrag von mir, der sich mit meinem derzeitigen fototheoretischem Hauptthema, der Arbeiterfotografie, beschäftigt. Allerdings möchte ich das Thema aus dem „musealen“ Bereich herausholen und überlegen, wie man bestimmte Konzepte –  der „Eroberung der beobachtenden Maschinen“ etwa – in die Gegenwart übertragen könnte.