Was uns Mauern erzählen können

Mauern in einem Abbruchhaus

Mein Interesse an Abbruchhäusern rührt vom vergangenen Jahr her und hat als sozialdokumentarisches Projekt (ein echtes „work in progress“ ) begonnen. Beim Fotografieren lernt man eine ganze Menge – oder bekommt zumindest Anregungen, Dinge zu lernen, mit denen man sich vorher nicht oder nur wenig auseinandergesetzt hat.

Neben den Fragen: „Wer hat hier gewohnt oder gearbeitet? Warum wird dieses Gebäude abgerissen/demoliert/erneuert/saniert [wie auch immer die Bauherren ihre Taten benennen mögen]? Was entsteht stattdessen? Wer wird hier wohnen oder arbeiten? Und wie, unter welchen Bedingungen?“ haben mich zusehends auch architektonische Aspekte beschäftigt. Mauern erzählen mitunter Geschichte(n). Es ist eine schöne Herausforderung, diese Geschichte wie auf einem Suchbild zu finden.

Ich glaube, dass man sogar auf eher zufällig aufgenommenen Fotos immer noch spannende Dinge sehen kann – etwa in der Mitte die Mauer, die offenbar Ausgangspunkt eines Deckengewölbes gewesen sein dürfte. Als ich das Foto heute „en passant“ gemacht habe, war mir das noch keineswegs klar. Erst jetzt, beim Sichten, Auswählen und vorsichtigen Nachbearbeiten sind mir diese Details aufgefallen

 

Lesetipp: Eine kleine Geschichte der Fotografie – mit großen Vorzügen

Ian Haydn Smith, Herausgeber des Curzon- und BFO-Filmmakers Magazins hat ein intelligentes und extrem nützliches Buch über Fotografie verfasst: “The short story of photography”.

“Oh nein, nicht schon wieder eine Geschichte der Fotografie!”, höre ich die Schreckensrufe mancher Leserinnen und Leser dieses Blogs. Geduld! Zunächst: Ich habe in den letzten zwei Jahren geschätzt fünf bis acht Überblicksgeschichten der Fotografie gelesen – und in jedem Buch etwas Neues entdeckt. Neue Perspektiven, Anregungen, Gedanken, die mich zum Widerspruch herausgefordert haben – langweilig war das nie. „Lesetipp: Eine kleine Geschichte der Fotografie – mit großen Vorzügen“ weiterlesen

Unsere wunderbaren Vorfahren / niaj mirindaj prapatroj

Beispiele für Linearbandkeramik, etwa 5500 v.d.Z. (Jungsteinzeit)

Im Archäologischen Park in Asparn an der Zaya kann man Rekonstruktionen urzeitlicher Behausungen besichtigen. Ich habe es sehr berührend gefunden, welche erstaunlichen kulturellen und ästhetischen Leistungen unsere armen Vorfahren vollbracht haben. Die Menschheit kommt von weit her – wir sollten alles verhindern, dass wir unser großartiges Erbe in kriegerischer oder ökologischer Barbarei vernichten.

En la arkeologia parko en Asparn sur la Zaya oni povas viziti rekonstruojn de antaŭhistoriaj loĝejoj. Mi trovis tre tuŝante la mirindajn kulturajn kaj estetikajn atingojn, kiujn niaj malriĉaj prapatroj realigis. Homaro venas de malproksime – ni devas eviti ion detrui nian grandan heredaĵon en milita aŭ ekologia barbareco.

 

 

 

 

 

 

 

Videosonntag: Die „lost places“ des Robert Bouchal

Zeitgeschichtlich Interessierte kennen Robert Bouchal als Autor und Ko-Autor von Büchern zur „verschütteten“ Geschichte, vor allem der NS-Zeit. Robert Bouchal ist Fotograf, Autor, Höhlenforscher, Pilot – die ideale Kombination für einen Jäger der „lost places“. Hier ein Beispiel für Bouchals Abenteuer (im Juni wird er übrigens im Wiener Literaturbuffet zu Gast sein).

The revolution will be photographed. Paris 1871

„The revolution will not be televised“, heißt es in einem legendären Gedicht des afroamerikanischen Lyrikers und Songwriters Gil Scott-Heron aus dem Jahr 1969/70.

Revolutionen haben die Menschen immer durch ihre mächtigen Bilder gepackt – mal für, mal gegen die Revolution. Als es noch keine Fotografie gab, waren es Gemälde, die ikonisch wurden – etwa das berühmte Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ von Delacroix (1830).

 

Delacroix, Die Freiheit …

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Ein dunkles Kapitel der amerikanischen Zeitgeschichte im International Center of Photography in New York

„Dann kamen sie, um mich zu holen: die Inhaftierung von japanischen Amerikanern während des Zweiten Weltkriegs“ („Then They Came for Me: Incarceration of Japanese Americans during World War II“) im International Center of Photography untersucht eine dunkle Episode der US-Geschichte:  im Namen der „nationalen Sicherheit“ wurden nach dem Angriff der japanischen Luftwaffe auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor am 7. Dezember 1941  120.000 rechtmäßige Bürger der Vereinigten Staaten ohne richterliche Verurteilung oder Rücksicht auf verfassungsmäßige Bestimmungen eingekerkert und/oder zwangsumgesiedelt, bloß, weil sie japanischer Abstammung waren.

Korporal Jimmy Shohara (US-Army), dessen Eltern im Internierungslager Manzanara festgehalten wurden. Die Brustspangen wurden für ausgezeichnetes Verhalten und besondere Leistungen im Pistolenschießen verliehen. Foto: Ansel Adams

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Ausstellungsbericht: The Polaroid Project in der Galerie Westlicht

Bis vor kurzem war für mich Polaroid eine bloße Erinnerung an meine Jugendzeit in den frühen 70ern. Damals war es irgendwie hipp, bei Partys oder auf Schulausflügen Sofortbilder zu schießen, die in erster Linie peinlich waren. Meist nicht sonderlich scharf, in seltsam verwaschenen Farben, aber auf jeden Fall schräge Erinnerungen an Augenblicke, die uns damals denkwürdig erschienen. Natürlich war Polaroid etwas für Angeber. Die Kameras waren gar nicht so teuer, aber die Filme…

Es war uns damals nicht gewusst, das hinter den Juxkameras ein aufregender Entwicklungsprozess stand, der 1933 begann, als der Physiker Edwin Herbert Land Polarisationsfolien entwickelte, die es ermöglichsten, in unglaublich kurzer Zeit entwickelte Papierbilder vor sich zu haben. „Ausstellungsbericht: The Polaroid Project in der Galerie Westlicht“ weiterlesen

Video: Ein paar Überlegungen zur Arbeiterfotografie (1)

Wieder einmal ein Vlog-Beitrag von mir, der sich mit meinem derzeitigen fototheoretischem Hauptthema, der Arbeiterfotografie, beschäftigt. Allerdings möchte ich das Thema aus dem „musealen“ Bereich herausholen und überlegen, wie man bestimmte Konzepte –  der „Eroberung der beobachtenden Maschinen“ etwa – in die Gegenwart übertragen könnte.