Was uns Mauern erzählen können

Mauern in einem Abbruchhaus

Mein Interesse an Abbruchhäusern rührt vom vergangenen Jahr her und hat als sozialdokumentarisches Projekt (ein echtes „work in progress“ ) begonnen. Beim Fotografieren lernt man eine ganze Menge – oder bekommt zumindest Anregungen, Dinge zu lernen, mit denen man sich vorher nicht oder nur wenig auseinandergesetzt hat.

Neben den Fragen: „Wer hat hier gewohnt oder gearbeitet? Warum wird dieses Gebäude abgerissen/demoliert/erneuert/saniert [wie auch immer die Bauherren ihre Taten benennen mögen]? Was entsteht stattdessen? Wer wird hier wohnen oder arbeiten? Und wie, unter welchen Bedingungen?“ haben mich zusehends auch architektonische Aspekte beschäftigt. Mauern erzählen mitunter Geschichte(n). Es ist eine schöne Herausforderung, diese Geschichte wie auf einem Suchbild zu finden.

Ich glaube, dass man sogar auf eher zufällig aufgenommenen Fotos immer noch spannende Dinge sehen kann – etwa in der Mitte die Mauer, die offenbar Ausgangspunkt eines Deckengewölbes gewesen sein dürfte. Als ich das Foto heute „en passant“ gemacht habe, war mir das noch keineswegs klar. Erst jetzt, beim Sichten, Auswählen und vorsichtigen Nachbearbeiten sind mir diese Details aufgefallen

 

Jakob Riis (1849-1914) – ein Fotograf kämpft gegen das Elend

Jakob Riis

Im Amsterdamer Muesum FOAM  ist noch bis Mitte April eine bemerkenswerte Ausstellung über Leben und Werk des aus Dänemark stammenden Pioniers der Sozialfotografie Jakob Riis zu sehen.

1870 kam der 21jährige völlig mittellos in New York an und hielt sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. 1873 fand er eine Anstellung als Reporter bei den South Brooklyn News und später als Polizeireporter bei der New York Tribune. Bereits in seinen frühen journalistischen Arbeiten wird der aktivistische, engagierte Immigrant spürbar: Es sind keine voyeuristischen Geschichten über die Außenseiter und Getretenen – er, der die Armut und die unwürdigen Lebensumstände der Menschen in der Lower East Side am eigenen Leib erfahren hat, will aufrütteln, will zeigen, welches Leid in der glitzernden Großstadt mit dem Luxus der Reichen koexistiert. „Jakob Riis (1849-1914) – ein Fotograf kämpft gegen das Elend“ weiterlesen

The revolution will be photographed. Paris 1871

„The revolution will not be televised“, heißt es in einem legendären Gedicht des afroamerikanischen Lyrikers und Songwriters Gil Scott-Heron aus dem Jahr 1969/70.

Revolutionen haben die Menschen immer durch ihre mächtigen Bilder gepackt – mal für, mal gegen die Revolution. Als es noch keine Fotografie gab, waren es Gemälde, die ikonisch wurden – etwa das berühmte Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ von Delacroix (1830).

 

Delacroix, Die Freiheit …

„The revolution will be photographed. Paris 1871“ weiterlesen

Eugene Richards – Chronist des amerikanischen Albtraums

Ein Veteran des Irakkrieges – unheilbar verstümmelt

Im Pariser „Grande Arche“, einem höchst innovativen Ausstellungsraum für Kunst und Künste aller Art, ist bis 18. Jänner 2018 eine Ausstellung von Bildern des amerikanischen Fotojournalisten Eugene Richards zu sehen. 1944 in Dorchester, Massachusetts, geboren, studierte er nach einem Abschluss in Englisch an der Northeastern University bei Minor White Fotografie. Im Rahmen eines Programms zur Bekämpfung der Armut – dem er sich unter anderem anschloss, weil er den Kriegsdienst verweigert hatte und nun in eine unsichere Zukunft blicken musste – verbrachte er eineinhalb Jahre im Osten Arkansas und gründete dort eine Lokalzeitung, die sich unter anderem mit der elenden Lage und den politischen Aktionen der schwarzen Bevölkerung, aber auch dem immer wieder auftauchenden Ku Klux Klan auseinandersetzte.

Richards hat sich den Blick für das Leiden und die Würde der Ausgestoßenen, der Verfolgten, der Gedemütigten bewahrt. Der Großteil seiner Fotos ist schwarzweiß. Es sind oft melancholische Fotos, die mit Wucht auf den Betrachter fallen.

Ein ehemaliger Sanitäter, geistig völlig desorientiert nach dem Schrecken, den er im Irak mitansehen musste

Auf der Homepage von Eugene Richards erfährt man nicht nur vieles über sein Leben, man bekommt einen Einblick in seine zahlreichen Buchveröffentlichungen. Besonders ans Herz gelegt sei allen Interessenten sein Blog, der tiefe Einblicke in das Leben der „einfachen Leute“ in Trump-Amerika ermöglicht.

Video: Ein paar Überlegungen zur Arbeiterfotografie (1)

Wieder einmal ein Vlog-Beitrag von mir, der sich mit meinem derzeitigen fototheoretischem Hauptthema, der Arbeiterfotografie, beschäftigt. Allerdings möchte ich das Thema aus dem „musealen“ Bereich herausholen und überlegen, wie man bestimmte Konzepte –  der „Eroberung der beobachtenden Maschinen“ etwa – in die Gegenwart übertragen könnte.