Videosonntag: Porträt der Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus

Vor ziemlich genau 5 Jahren wurde die weltbekannte Fotografin Anja Niedringhaus in Afghanistan ermordet. Oft wurde sie als „Kriegsfotografin“ bezeichnet, was ich deswegen ungern tue, weil das nur ein Aspekt ihrer fotografischen Arbeit war (man könnte sie genauso als „Sportfotografin“ oder „Menschenfotografin“ charakterisieren).

Ein problematischer beruflicher Aspekt wird in der Doku von Katja Deiß angesprochen: Die Rolle der „embedded journalists“. Dazu wird es demnächst einen eigenen Beitrag hier auf complexityinaframe geben.

4 Antworten auf „Videosonntag: Porträt der Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus“

  1. – Sehr martialischer Beginn am Anfang. Auch von was Krieg für die Menschen bedeutet zum dass Drachensteigen würde es unter den Taliban nicht geben. Wird sie instrumentalisiert? Tote werden gerne zu Kriegshelden gemacht.
    – Ihr Zimmer als Altar. Die Wahrnehmung auf sie als Person als Mensch wird definiert „Kriegsfotografin“ .
    – Aber sie steht auch auf der Seite ihrer Einheit, vielleicht geht das kaum anders. Posing vor der Kamera mit gefesselten Gefangenen.
    – Schwächen darf es nicht geben, hört sich für mich nach einer Soldatin an. Zurück in den Krieg, wir haben beide für unseren Beruf gebrannt. Da ist es schwer, Distanz bewahren.
    Ich bin gespannt auf das Thema „Embbeded Journalist“.

    1. Viele sehr gute und richtige Gedanken. Dahinter stecken Grundfragen wie: kann man „neutral“ über Kriege berichten? Einfach abbilden, was ist? Wie parteiisch ist der/die Kriegsfotograf/in? Vergleiche sind schwer. Aber wenn wir eine Linie ziehen von Gerda Taro, Lee Miller, Susan Meiselas zu Anja Niedringhaus – was haben diese Fotografinnen gemeinsam, was unterscheidet sie voneinander? 2003 hat die US-Army den Begriff des „embedded journalism“ geprägt. Die Arbeitsweise war nicht neu – Fotografinnen und Fotografen ziehen mit der Truppe in den Krieg. Ist aber nicht doch ein Unterschied zwischen, sagen wir, Gerda Taro an der Aragon-Front 1936, „eingebettet“ in die republikanischen Milizen, und Kriegsfotografen in Falludja 2004? Die einen ideologischen Maulkorb erhalten haben?
      Das Thema beschäftigt mich seit längerem, und ich werde, wie versperochen, dazu bald einen ausführlichen Beitrag schreiben.
      Danke jedenfalls für diesen und alle anderen substanziellen Kommentare!

  2. Ich merke gerade, daß ich beim Sehen des Beitrages der Niedringhaus unterschwellig Vorwürfe machte, daß sie doch kein guter Mensch oder aufklärerische Fotografin gewesen sei. Das ist natürlich völliger Quatsch. Die war sehr nah dran. Aber ob ihre Bilder etwas bewirken, hängt von gesellschaftlichen Bewegungen ab.

    1. Deinen Kommentar habe ich keineswegs als unterschwellige Kritik an Anja Niedringhaus verstanden. Die Frage ist ja wirklich die: Können Fotos etwas bewirken oder nicht? Sogar Susan Sontag, die „In das Leiden anderer betrachten“ pauschal gemeint hat, Bilder könnten nichts bewirken, hat das später doch relativiert. Ich glaube auch, dass Anja Niedringhaus einen durch und durch humanistischen Ansatz hatte. Umso wichtiger ist es meiner Meinung nach, die Produktionsbedingungen für Fotos aus Krisen- und Kriegsgebieten zu untersuchen. Womit wir wieder bei „embedded“ sind – und wie Fotograf_innen das teilweise unterlaufen konnten (so wie Niedringhaus).

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