Was wir aus Kriegsfotos lernen können – und was nicht (1. Teil)

Im Zusammenhang mit einem Blogbeitrag über Anja Niedringhaus wurde durch einen Leserkommentar die Frage aufgeworfen, wie wir den “embedded journalism” und die Arbeit von “eingebetteten” Fotografen in modernen Kriegen beurteilen können oder sollen oder wollen.

Ich wollte mich ursprünglich ausschließlich auf eine Diskussion dieses Themas beschränken. Je mehr ich mich aber damit beschäftigt habe, umso klarer wurde mir, dass eine wesentlich grundlegendere Herangehensweise notwendig ist. Es geht darum, welches Verständnis wir (also jeder Einzelne von uns) von journalistischer Berichterstattung im Allgemeinen haben. Dieses Verständnis beeinflusst auch unser Herangehen an Pressefotos oder Fotoreportagen.

Da es sich hier um ein größeres Projekt handelt, wird dieser Beitrag in mehreren Fortsetzungen erscheinen müssen. Ich werde nach Abschluss der Serie auch eine überarbeitete PDF-Version dieses Textes auf www.complexityinaframe.com zur Verfügung stellen.

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Sehenswert: „Liebe am Werk“ über Capa und Taro

ARTE hat heute (17.4.) zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt eine sehenswerte Dokumentation über Robert Capa und Gerda Taro ausgestrahlt.

Zum Glück ist der Beitrag noch eine Zeit auf der ARTE-Mediathek zu sehen. Und noch ein Tipp: Im gleichen Format („Liebe am Werk“) gibt es am 28. April 2019 um 16.25 Uhr eine Doku über Lee Miller und Man Ray!

https://www.arte.tv/de/videos/079434-002-A/liebe-am-werk/

Videosonntag: Ein Fotograf gegen Monsanto

Im Rahmen der Foto Wien ist die beeindruckende und aufrüttelnde Reportage des französischen Fotografen Mathieu Asselin über die (Un)Taten des berüchtigten Monsanto-Konzerns zu sehen. Hingehen, anschauen, reagieren!

Übrigens: Monsanto gehört heute zu BAYER…

Videosonntag: Ulla Lohmann – die Dame ist für’s Feuer

Am 24. und 25. November findet in Wien die Photo+Adventure statt – das Großereignis für Fotobegeisterte, mit einen Rahmenprogramm, das unerhört spannende Vorträge, Workshops und Studiogespräche bietet.

Mit dabei ist als Canon Ambassador die deutsche Fotoreporterin Ulla Lohmann, die vor allem in einem Bereich unübertroffen ist:  Der Fotografie von, ja sogar aus, Vulkanen. Gemeinsam mit ihrem Mann und dem Vulkanologen Thomas Boyer stieg sie auf Vanuatu in den aktiven Vulkan  Benbow ein und berichtete „aus dem Inneren der Erde“, umwirbelt von glühenden Lavaströmen. Darüberhinaus ist die Deutsche mit ethnographischen Reportagen über die Einwohner Papua Neuguineas in den bekanntesten einschlägigen Zeitschriften (GEO, National Geographic, Stern …)  und Fernsehsendern (BBC, ARD…) präsent. Hier, als kleiner Teaser für ihren Auftritt in Wien ein Interview, das auf der Fotokina 2018 mit ihr gemacht wurde.

 

Bildfälschung: Wie in der „Krone“ ein Europaabgeordneter der Grünen in den „Schwarzen Block“ kommt

Im Rahmen meines Blogs habe ich mich immer wieder mit dem Thema der Bildfälschung beschäftigt. Im Gegensatz zur Fotomontage, bei der für den Betrachter ersichtlich teilweise kontroversielle Bilder zusammenmontiert werden, um einen bestimmten Zweck zu erreichen – Erheiterung, vertiefte Einsicht, Satire – ist die Bildfälschung nicht sofort als solche zu erkennen und soll es in den meisten Fällen auch gar nicht sein.

Die Bildfälschung ist ein Instrument der Manipulation und wird daher beispielsweise von Fotoagenturen schwer geahndet – selbst prominente Pressefotografen können innerhalb kürzester Zeit jeden Kredit verspielen, wenn ihnen Manipulationen an Bildern nachgewiesen werden. Selbst kleine Retuschen können da schon reichen, um eine Karriere ein für allemal zu zerstören „Bildfälschung: Wie in der „Krone“ ein Europaabgeordneter der Grünen in den „Schwarzen Block“ kommt“ weiterlesen

Erich Lessing (1923 – 2018)

Der bedeutende österreichische Fotograf Erich Lessing ist im Alter von 95 Jahren verstorben.

Seine Fotos vom ungarischen Aufstand 1956 sind ebenso weltberühmt wie andere Arbeiten, die er für Magnum fotografiert hat: der historische Besuch Charles de Gaulles in Algerien oder, natürlich, die Fotos von der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags.

In den 60ern Jahren begann Lessing mit einer ganzen Serie von Künstlerporträts und der Dokumentation von bedeutenden Werken der bildenden Kunst und Architektur.

Ein sehr berührende Nachruf auf Erich Lessing findet sich im Wiener KURIER, am Ende des Artikels gibt es eine ganze Reihe von Links zu Leben und Werk des Verstorbenen:

https://kurier.at/kultur/fotograf-erich-lessing-95-jaehrig-gestorben/400103219

Wir brauchen „radical stock photos“

In gar nicht so wenigen Beiträgen dieses Blogs habe ich mich mit Arbeiterfotografie – ihrer Geschichte, ihrer Theorie, ihren Protagonisten – beschäftigt. Ich werde auch immer wieder auf dieses Thema zurückkommen. Zum Glück gibt es mittlerweile einiges an Literatur, und ich will nicht bloß wiederkäuen, was andere bereits intensiv und in mühevoller Kleinarbeit erforscht haben.

„Macht Arbeiterfotografie heute noch Sinn“, „Wie könnte Arbeiterfotografie heute ausschauen“ – das sind Themen, über die ich gelegentlich diskutiert. „Gelegentlich“, weil der Interessentenkreis zu diesem Thema leider sehr begrenzt ist.

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Abbas [Attar], 1944-2018

SOUTH VIETNAM. 1973. Photographer ABBAS wears helmet and flack-jacket while covering the war.
(c) Abbas / Magnum Photos

Am 25. April 2018 starb in Paris der aus dem Iran stammende Magnum-Fotograf Abbas. Als er acht war, verließ er mit seiner Familie sein Geburtsland und siedelte sich in Frankreich an, im Alter von 20 Jahren begann er als Fotojournalist für algerische Zeitungen zu arbeiten, mit 22 erhielt er seinen ersten großen internationalen Auftrag: Für das IOC dokumentierte er die Olympischen Spiele in Mexiko 1968.

Abbas, der unter anderem für Jeune Afrique, die Agentur Gamma und dann ab 1983 ausschließlich für Magnum arbeitete, hatte eine eigene Konzeption von Fotografie. Seiner Meinung nach teilt sich die Welt der Fotografinnen und Fotografen in zwei Lager: Die einen, die mit dem Licht zeichnen, und die anderen, die damit schreiben. Ein Musterbeispiel für die erste Kategorie war für ihn Henri Cartier-Bresson. Die zweite Kategorie ist die seltenere – in sie fiel Abbas selbst hinein.  Als er zwischen 1983 und 1986 Mexiko bereiste tat er es nicht wie ein Fotograf auf der Suche nach Bildern – er ging an das Land und die Menschen so heran, als wollte er einen Roman schreiben. Return to Mexico, journeys beyond the mask war das Ergebnis dieser Reise – ein phantastischers Fotobuch, eine Art Reisetagebuch und ein konzeptionelles Manifest für seine Art, die Welt zu sehen.

Ein Projekt, das Abbas seit den späten 70er Jahren bis zu seinem Tod verfolgte, hängt eng mit seiner eigenen Biographie zusammen. Er dokumentierte die 1979 beginnende Revolution gegen den Schah im Iran und dann die theokratische Konterrevolution des schiitischen Klerus; er fotografierte in Nordirland einen Konflikt, der scheinbar entlang konfessioneller Linien verlief. In Asien um am indischen Subkontinent porträtierte er Buddhismus und Hinduismus, Lehren, die aus Unkenntnis im Westen oft als besonders friedfertig rezipiert werden. Abbas wird wohl als der Fotograf in die Geschichte des Mediums eingehen, der sich am konsequentesten mit der politischen Dimension von Religion(en) beschäftigt hat.

Allah O Akbar, a journey through militant Islam erschien 1994 bei Phaidon in London – mit unerhörter Klarsicht zeigt Abbas in diesem Buch, welche Auswirkungen ein politisierter Islam in Zukunft haben könnte. 2000 folgte Faces of christianity, und dann ein Sidestep  über den Animismus.

Abbas hat Konflikte in aller Welt dokumentiert, und er hat mit ganz wenigen Ausnahmen schwarz-weiß gearbeitet.  Eine gute Wahl für jemanden, der mit dem Licht schreibt – schwarz auf weiß.

Ich danke der Familie Abbas und der Agentur Magnum für die Erlaubnis, das Foto in diesem Beitrag verwenden zu dürfen!

 

 

Videosonntag: Der andere Blick – Fotografen und der Krieg

Lieber hätte ich heute, am ersten richtigen Frühlingssonntag der Saison, einen netten und heiteren Videobeitrag online gestellt. Aber die Umstände sind nicht so. In der letzten Woche wurde im jahrelang schwelenden Krieg in Syrien Giftgas eingesetzt (von wem auch immer); für drei mächtige imperialistische Staaten war das ein Anlass, um mit Raketen Ziele in Syrien anzugreifen (soviel ich weiß, befindet sich keiner der Angreiferstaaten im Kriegszustand mit diesem Land).

Der Krieg in Syrien wird nicht nur mit Gewehren, Drohnen und Raketen geführt, sondern auch mit starken Bildern. Daher heute ein Einblick in die Welt der Kriegsfotografen.