Abbas [Attar], 1944-2018

SOUTH VIETNAM. 1973. Photographer ABBAS wears helmet and flack-jacket while covering the war.
(c) Abbas / Magnum Photos

Am 25. April 2018 starb in Paris der aus dem Iran stammende Magnum-Fotograf Abbas. Als er acht war, verließ er mit seiner Familie sein Geburtsland und siedelte sich in Frankreich an, im Alter von 20 Jahren begann er als Fotojournalist für algerische Zeitungen zu arbeiten, mit 22 erhielt er seinen ersten großen internationalen Auftrag: Für das IOC dokumentierte er die Olympischen Spiele in Mexiko 1968.

Abbas, der unter anderem für Jeune Afrique, die Agentur Gamma und dann ab 1983 ausschließlich für Magnum arbeitete, hatte eine eigene Konzeption von Fotografie. Seiner Meinung nach teilt sich die Welt der Fotografinnen und Fotografen in zwei Lager: Die einen, die mit dem Licht zeichnen, und die anderen, die damit schreiben. Ein Musterbeispiel für die erste Kategorie war für ihn Henri Cartier-Bresson. Die zweite Kategorie ist die seltenere – in sie fiel Abbas selbst hinein.  Als er zwischen 1983 und 1986 Mexiko bereiste tat er es nicht wie ein Fotograf auf der Suche nach Bildern – er ging an das Land und die Menschen so heran, als wollte er einen Roman schreiben. Return to Mexico, journeys beyond the mask war das Ergebnis dieser Reise – ein phantastischers Fotobuch, eine Art Reisetagebuch und ein konzeptionelles Manifest für seine Art, die Welt zu sehen.

Ein Projekt, das Abbas seit den späten 70er Jahren bis zu seinem Tod verfolgte, hängt eng mit seiner eigenen Biographie zusammen. Er dokumentierte die 1979 beginnende Revolution gegen den Schah im Iran und dann die theokratische Konterrevolution des schiitischen Klerus; er fotografierte in Nordirland einen Konflikt, der scheinbar entlang konfessioneller Linien verlief. In Asien um am indischen Subkontinent porträtierte er Buddhismus und Hinduismus, Lehren, die aus Unkenntnis im Westen oft als besonders friedfertig rezipiert werden. Abbas wird wohl als der Fotograf in die Geschichte des Mediums eingehen, der sich am konsequentesten mit der politischen Dimension von Religion(en) beschäftigt hat.

Allah O Akbar, a journey through militant Islam erschien 1994 bei Phaidon in London – mit unerhörter Klarsicht zeigt Abbas in diesem Buch, welche Auswirkungen ein politisierter Islam in Zukunft haben könnte. 2000 folgte Faces of christianity, und dann ein Sidestep  über den Animismus.

Abbas hat Konflikte in aller Welt dokumentiert, und er hat mit ganz wenigen Ausnahmen schwarz-weiß gearbeitet.  Eine gute Wahl für jemanden, der mit dem Licht schreibt – schwarz auf weiß.

Ich danke der Familie Abbas und der Agentur Magnum für die Erlaubnis, das Foto in diesem Beitrag verwenden zu dürfen!

 

 

Buchtipp: Die hohe Schule der Schwarz-Weiß-Fotografie

Wer clevere Anregungen zur Gestaltung seiner Schwarz-Weiß-Fotos sucht, wird bei John Walmsleys „Hoher Schule der Schwarz-Weiß-Fotografie“ fündig. Profis bitte ich um Nachsicht – sie werden vieles ohnehin schon wissen, was hier präsentiert wird. Andererseits – neben den technischen Hinweisen sind die Kapitel, die sich mit Komposition und Nachbearbeitung beschäftigen, auch für erfahrene Fotografinnen und Fotografen sicherlich zumindest informativ.

Walmsleys Buch besticht aber vor allem durch die Fotos.

Der  Autor ist ein vor allem in Großbritannien bekannter Fotograf, der eine besondere Liebe zur Porträtgestaltung entwickelt hat. Eine seiner frühen Aufnahmen ist für die britische Studentenbewegung ikonisch geworden – ein Foto von Vanessa Redgrave und Tariq Ali an der Spitze einer Demonstration im März 1968.

Gerade für Schwarzweiß-Porträts finden sich daher wertvolle Tipps. Und, das sei unterstrichen – zu einem wirklich moderaten Preis!

 

John Walmsley

Die hohe Schule der Schwarz-Weiß-Fotografie

White Star-Verlag, 175 Seiten, 17,50 EUR

Videosonntag: Der blauen Stunde auf der Spur

Manchen Besucherinnen und Besuchern sind meine Videos zu „kultur“- oder „theorielastig“. Ich habe jetzt einmal meine Beiträge durchgescrollt und gebe zu: Diese Kritik ist richtig. Andererseits gibt es so viele „technische“ Fotoblogs, mit denen ich ohnehin nicht mithalten kann, daher habe ich mir hier eine eigene Nische geschaffen. Aber: Brauchbare Praxistipps sind trotzdem spannend, und heute, wo draußen der Frühling fast schon in den Hochsommer übergegangen ist, gehen wir einmal (visuell) hinaus – und zwar zur „blauen Stunde“. Viel Spaß!

Der erste Netcast: Die Polizeifotos vom Mai ’68 in Paris

Experimentell: Mein erster Netcast. Es gibt immer wieder Themen, die so umfangreich sind, dass ich einfach nicht die Zeit habe, sie entsprechend ausformuliert niederzuschreiben. Oder bei denen ich lieber drauflos erzählen möchte. Also die naheliegende Lösung: Ein Netcast.

Unter dem Link zum Cast auf Soundcloud findet ihr einen Link zu einigen der Fotos, um die es in dem Beitrag geht.  Feedback würde mich freuen!

https://www.rencontres-arles.com/fr/expositions/view/226/1968-quelle-histoire

Morgen im Literaturbuffet in Wien: Anton Holzer

Mittwoch, 18. April, 19:00 Uhr: Anton Holzer präsentiert: „Der Krieg nach dem Krieg – Revolution und Umbruch 1918/19″

1918 ging ein langer, zerstörerischer und leidvoller Weltkrieg zu Ende. Großreiche zerfielen, Monarchen wurden aus dem Amt gejagt und auf den Trümmern des Krieges junge Republiken gegründet. In Deutschland und Österreich schlug die Ohnmacht in Wut um, in Aufbegehren und Revolution. Der Niederschlagung der blutigen Bürgerkriege folgten düstere Nachkriegsjahre mit Wirtschaftskrise und Inflation. Vor diesem Hintergrund muten die beginnenden Goldenen Zwanzigerjahre an wie ein Tanz auf dem Vulkan.
Dieses Buch erzählt entlang autobiografischer Zeugnisse von Zeitgenossen und eindrucksvoller Bilder eine neue und lebensnahe Geschichte dieser entscheidenden Jahre. Im Fokus steht nicht die große Politik, sondern der Alltag der Menschen, ihre Hoffnungen und Enttäuschungen. Berichtet wird von Kriegsmüdigkeit und Elend, von Erschöpfung und Hunger am Ende des Krieges, aber auch von den Träumen einer besseren Zukunft.

Anton Holzer
Anton Holzer, geb. 1964, Dr. phil., ist Fotohistoriker, Publizist und Ausstellungskurator sowie Herausgeber der Zeitschrift FOTOGESCHICHTE. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Fotografie- und Kulturgeschichte. Zum Ersten Weltkrieg erschienen die Bände: „Die letzten Tage der Menschheit. Der Erste Weltkrieg in Bildern“, „Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914- 1918“, 2. Aufl. 2014 und „Die andere Front. Fotografie und Propaganda im Ersten Weltkrieg“

Holzer, Anton (Hrsg.)
Krieg nach dem Krieg
Revolution und Umbruch 1918/19
Theiss Verlag
192 Seiten mit 160 Fotografien, 
EUR 40,80

Lhotzkys Literaturbuffet

Rotensterngasse 2

1020 Wien

Videosonntag: Der andere Blick – Fotografen und der Krieg

Lieber hätte ich heute, am ersten richtigen Frühlingssonntag der Saison, einen netten und heiteren Videobeitrag online gestellt. Aber die Umstände sind nicht so. In der letzten Woche wurde im jahrelang schwelenden Krieg in Syrien Giftgas eingesetzt (von wem auch immer); für drei mächtige imperialistische Staaten war das ein Anlass, um mit Raketen Ziele in Syrien anzugreifen (soviel ich weiß, befindet sich keiner der Angreiferstaaten im Kriegszustand mit diesem Land).

Der Krieg in Syrien wird nicht nur mit Gewehren, Drohnen und Raketen geführt, sondern auch mit starken Bildern. Daher heute ein Einblick in die Welt der Kriegsfotografen.