Ausstellungsbericht: The Polaroid Project in der Galerie Westlicht

Bis vor kurzem war für mich Polaroid eine bloße Erinnerung an meine Jugendzeit in den frühen 70ern. Damals war es irgendwie hipp, bei Partys oder auf Schulausflügen Sofortbilder zu schießen, die in erster Linie peinlich waren. Meist nicht sonderlich scharf, in seltsam verwaschenen Farben, aber auf jeden Fall schräge Erinnerungen an Augenblicke, die uns damals denkwürdig erschienen. Natürlich war Polaroid etwas für Angeber. Die Kameras waren gar nicht so teuer, aber die Filme…

Es war uns damals nicht gewusst, das hinter den Juxkameras ein aufregender Entwicklungsprozess stand, der 1933 begann, als der Physiker Edwin Herbert Land Polarisationsfolien entwickelte, die es ermöglichsten, in unglaublich kurzer Zeit entwickelte Papierbilder vor sich zu haben. „Ausstellungsbericht: The Polaroid Project in der Galerie Westlicht“ weiterlesen

Rettet das Westlicht!

Liebe Freundinnen und Freunde,

Die Galerie Westlicht ist in akuter Gefahr, wegen mangelnder Förderungen geschlossen zu werden.

Bitte unterzeichnet die folgende Petition zur Rettung dieser wichtigen Einrichtung!

https://www.change.org/p/savewestlicht-rettet-das-fotomuseum-westlicht?recruiter=834298418&utm_source=share_petition&utm_medium=copylink&utm_campaign=psf_combo_share_initial.variation

Ausstellungseröffnung der World Press Photos 2017 im Westlicht

Kommende Ausstellungen: Der entscheidende Moment im WESTLICHT WIEN

DER ENTSCHEIDENDE MOMENT – 70 JAHRE SYNDIKAT FOTO FILM

26.10.–05.11.2017

Mit der Gründung des Syndikats der Pressefotografen, Pressebildagenturen und Filmreporter wurde 1947 der Grundstein für die Wiederbelebung eines unabhängigen Bildjournalismus in Österreich gelegt. Seit siebzig Jahren vertritt der Verein die Interessen seiner Mitglieder und hat die Entwicklung der hiesigen Pressefotografie entscheidend mitgestaltet. Aus Anlass des Jubiläums zeigt die Ausstellung in knapp 120 Abzügen und einer Projektion einen Blick in die Geschichte und die Gegenwart des Syndikats und in die Arbeit seiner Fotografinnen und Fotografen. Die Aufnahmen spannen einen Bogen von der Unterzeichnung des Staatsvertrags über den Einsturz der Reichsbrücke bis zum Präsidentschaftswahlkampf des vergangenen Jahres, von Elfriede Jelinek bis Falco und von Kreisky bis Haider und sind so nicht nur Abbild der Historie des Vereins, sondern auch ein Panorama der Ereignisse und Menschen, die das Bild der Zweiten Republik geprägt haben.

Geöffnet täglich 14 bis 19 Uhr

Podiumsdiskussion Pressefotografie: Leben – Überleben?

Mit Petra Bernhardt, Marion Krammer, Lisi Specht, Margarethe Szeless, Jürg Christandl, Gerhard Hinterleitner und Heinz S. Tesarek

Montag, 30. Oktober, 19 Uhr

Westbahnstraße 40
1070 Wien
+43 (0)1 522 66 36-60
info@westlicht.com

Ausstellungsbericht: World Press Photos 2017, in der Galerie Westlicht, Wien

Die diesjährigen World Press Photo Awards (WPP) standen im Zeichen besonders heftiger Kontroversen. Nicht nur das “Siegerfoto” Burhan Ozbilicis, das den islamistischen Attentäter Mevlüt Mert Altintas in den Augenblicken nach der Ermordung des russischen Botschafters in Ankara, Andrej Karlow,  zeigt, auch das langfristige Projekt des iranischen Fotografen Hossein Fatemi “Eine iranische Reise”  gab Anlass zu substanzieller Kritik. Das äußerte sich unter anderem darin, dass sich eine öffentliche Debatte darüber entwickelte, ob die Preisvergabe an Fatemi mit den Regeln des World Press Photo Bewerbs kompatibel war. Mehr darüber weiter unten. „Ausstellungsbericht: World Press Photos 2017, in der Galerie Westlicht, Wien“ weiterlesen

Videosonntag: World Press Photo 2017 – ab 15. September in Wien

Ab 15. September 2017 ist in der Wiener Galerie Westlicht die schon traditionelle Ausstellung der World Press Photo-Gewinner 2017 zu sehen.  Ich zitiere aus der Ankündigung auf der Westlicht-Seite:

Mit der Wahl der Aufnahme des türkischen Associated Press Fotografen Burhan Ozbilici zum World Press Photo des Jahres traf die Jury heuer eine besonders kontrovers und hitzig diskutierte Entscheidung. Das Bild vom 19. Dezember 2016 zeigt die Ermordung des russischen Botschafters in der Türkei, Andrey Karlov, durch den 22-jährigen Polizeibeamten Mevlüt Mert Altıntaş bei der Eröffnung einer Fotoausstellung in Ankara.
„Es war eine äußerst schwierige Entscheidung, aber schließlich war die Mehrheit der Auswahlkommission von der Explosivität des Bildes überzeugt“, so Jury-Mitglied Mary F. Calvert. „Es bringt den derzeit verbreiteten Hass auf den Punkt und jedes Mal, wenn das Foto auf unseren Bildschirmen auftauchte, wichen wir unwillkürlich ein Stück zurück, weil es eine solche Sprengkraft besitzt. Wir hatten den Eindruck, dass dieses Bild wirklich verkörpert, worum es beim World Press Photo des Jahres geht“.

Hier eine kleine Vorschau – ein Blogbeitrag zur Ausstellung, der sich vor allem mit der Kontroverse um das Siegerbild beschäftigt, folgt nach der Eröffnung.

 

Bruce Davidson – ein Meister der humanistischen Fotografie

In der Wiener Galerie WestLicht gibt es bis 13. August 2017 eine große Bruce Davidson-Retrospektive zu sehen.

Bruce Davidson wurde 1933 in Oak Park, Illinois, USA, geboren. Bereits mit zehn Jahren begann er zu fotografieren. Er gewann 1949 den “Kodak National High School Award”, absolvierte anschließend eine Fotografenlehre und arbeitete unter anderem als selbständiger Fotograf für “Life”. 1958 wurde er Mitglied der legendären Bildagentur Magnum, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiert.

Bruce Davidson gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Schule der ”humanistischen Fotografie”. Diese Richtung ist untrennbar mit den Namen Henri Cartier-Bresson, André Kertesz, Brassai oder Sabine Weiss verbunden. Die dem fotografischen Humanismus verpflichteten Künstler versuchten, über das Sozialdokumentarische hinaus das Alltagsleben der Menschen, ihre “condition humaine” , wiederzugeben. Kein Wunder, dass die Entstehung dieser Schule untrennbar mit den sozialen Umwälzungen im Frankreich der 30er Jahre und der Entstehung sozialkritischer, politisch engagierter Fotomagazine wie VU oder REGARDS verbunden ist.

Auf der anderen Seite des Atlantik fand die humanistische Fotografie unter den Fotografinnen und Fotografen der “Farm Security Administration” der Regierung Roosevelt ihr Gegenstück. Auch dort wandten sich großartige Dokumentaristen und Künstler dem Schicksal der deklassierten, Entwurzelten, der unterdrückten Schichten der amerikanischen Bevölkerung, zu.

Letzten Endes bekannten sich die Gründer von Magnum 1947 zu den Prinzipien der humanistischen Fotografie. Heute ist Bruce Davidson einer der letzten lebenden Zeugen dieser bemerkenswerten Tradition. WestLicht stellt 160 Fotos des amerikanischen Fotografen aus. Es ist eine beeindruckende Werkschau, die das Oeuvre Davidsons in seiner gesamten Vielfalt widerspiegelt.

Station 1 der Ausstellung zeigt das erste vollständig verwirklichte Projekt Davidsons. Als er 1955 seinen Militärdienst in Arizona ableistete, lernte er ein altes Ehepaar, die Walls, kennen. Der liebevolle Umgang der beiden alten Menschen miteinander beeindruckte Davidson so sehr, dass er fragte, ob er das Paar fotografieren dürfe. Und so porträtierte der 22-Jährige ein Ehepaar, dessen männliche Hälfte über 90, und die Frau 79 war. Es war ein ärmliches Paar, dass der junge Fotograf abbildete. Obwohl eine tiefe Melancholie über der Fotoserie liegt, konnte Davidson Ausschnitte aus dem Alltag dieser Menschen zeigen, die von einer tiefen menschlichen Verbundenheit mit ihnen Zeugnis ablegt.

Diese Fähigkeit, sozialen Randgruppen oder vom Schicksal Gezeichneten mit Respekt und Menschlichkeit zu begegnen, ist das Geheimnis der beeindruckenden Fotografien Bruce Davidsons. Seine Reportage “The dwarf and the circus” , die Porträts des kleinwüchsigen Clowns Jimmy Armstrong, berühren den zeitgenössischen Betrachter nach wie vor unmittelbar. Nein, das ist kein Spaßmacher, den uns Davidson zeigt. Wir sehen einen Menschen, der trotz aller Schicksalsschläge das Beste aus seinem Leben macht, weil er nur dieses eine hat.

Egal, ob die “Brooklyn Gangs” oder die amerikanische Bürgerrechtsbewegung – Bruce Davidson war überall dabei, wo sich die Widersprüche der amerikanischen Gesellschaft manifestierten. Beschämt muss ich zugeben, dass ich sehr, sehr viele Fotos, die mich seit Jahren beeindruckt haben, nicht Bruce Davidson zugeordnet hatte. Vielleicht ist das ein Nebenprodukt der Bescheidenheit des Fotografen, der hinter seine Bilder zurücktritt.

Eine Ausstellung der Fundación MAPFRE in Zusammenarbeit mit WestLicht. Schauplatz für Fotografie, und Magnum Photos, realisiert mit Unterstützung der TERRA Foundation for American Art.

Die Ausstellung ist bis 13. August 2017 zu sehen.

 

Ausstellungsbericht: PREVIEW FOTO-AUKTION, 29. Mai bis 9. Juni 2017 im WestLicht

Es gehört schon fast zu den Traditionen dieses immer noch recht jungen Blogs, dass ich über die Ausstellungen in der WestLicht-Galerie vor den Fotoauktionen berichte.

Immerhin kann man immer unglaublich spannende und vielfältige Werke von Spitzenfotografinnen und -fotografen sehen. Und das gratis, bitte sehr! Auf diesen Aspekt möchte ich ganz besonders hinweisen. WestLicht tut sehr viel, um die Beschäftigung mit Fotografie zu fördern und ein tieferes Verständnis für dieses Medium zu wecken. Vor allem für ein junges Publikum können die zwar verständlich kalkulierten, mitunter aber doch spürbaren Eintrittspreise zu Ausstellungen eine Hemmschwelle bedeuten. Umso mehr freut mich also dieser „demokratische“ Zugang.

Auch wenn es wie namedropping wirkt – aber man sieht bis 9. Juni Werke von Cartier-Bresson, Atget, Morath, Capa, Salas, Burri, Haas, Klein, Halsman, Araki, Evans und vielen anderen. Wie immer gibt es einen ausgezeichneten Katalog, der um 25,– EUR zu haben ist und in keiner Bibliothek mit Fotobüchern fehlen sollte. Neben den Abbildungen der ausgestellten Fotografien finden sich eingestreut kurze essayistische Hintergrundtexte zu einzelnen Bildern oder deren Schöpfern.

Kann man bei so viel geballter Qualität irgend etwas besonders herausgreifen? Natürlich, behaupte ich, man kann und soll, auch wenn das, was einem beim ersten Besuch besonders angesprochen hat, vielleicht bei einem weiteren Besuch durch ein anderes Werk abgelöst wird. Denn Fotografien wirken ja nicht losgelöst von Raum und Zeit auf uns, es sind unsere eigenen Stimmungen, Empfindungen, intellektuellen Zugänge, die uns Bilder von Fall zu Fall anders sehen lassen.

Meine persönlichen Favourites waren diesmal die Fotos von Alfred Eisenstaedt (1898 – 1995), dem großen Fotoreporter und Schöpfer zahlreicher ikonische Aufnahmen (ich denke etwa an den berühmten „Kuss auf dem Times Square„). Sein Bild vom „Drum Major„, dass der LIFE-Bilddirektor Friend  „Ode an die Freude“ nannte, ebenso wie das Foto von den Mädchen des Corps de Ballet der Pariser Oper während einer Probenpause strahlen so viel Humor, Wärme und Empathie aus, dass man die Menschen auf den Fotografen wie freundliche Zeitgenossen sehen und sich ihnen ganz nah fühlen kann.

Galerie Westlicht
Westbahnstraße 40
1070 Wien
Historische, klassische und zeitgenössische Fotografie
Nobuyoshi Araki, Ilse Bing, Bruce Davidson, Walker Evans, William Klein, Irving Penn und viele mehr.
29. Mai bis 9. Juni 2017 im WestLicht
täglich 14 – 18 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung unter +43 (0)1 522 66 36 60
Eintritt frei

Ausstellungsbericht: Alfons Schilling, Beyond photography, in der Galerie Westlicht / Wien

Die Alfons-Schilling-Ausstellung „Beyond photography“ hat mich bei meinem ersten Besuch kurz nach der Eröffnung nicht sonderlich beeindruckt. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich mit Aktionskunst wenig anzufangen weiß und daher mit einer recht vorgefassten Meinung durch die Räume schlenderte.
Aber nun schön der Reihe nach: der Schweizer Alfons Schilling (1934 – 2013) hat wichtige Jahre seines Lebens in Wien verbracht und hier unter anderem an der Akademie für angewandte Kunst mit dem Aktionisten Günther Brus gearbeitet.
In Wien und Paris entstanden Schüttbilder und experimentelle Formen grafischen Ausdrucks.
Erst im Rahmen einer Mitgliederführung in der Westlicht-Galerie haben sich mir dann zugrunde liegende Fragestellungen im Werk Schillings erschlossen, die mir einen Zugang zu den Exponaten ermöglichten.
Fabian Kniriem und Eva Mühlbacher
Kurator Knierim mit dem Katalog zur Ausstellung
Kurator Knierim mit dem Katalog zur Ausstellung

Ja, ja - man sieht nur, was man weiß ...

Empfehlenswert: Teilnahme an einer Führung / Termine auf der Westlicht-Homepage!
Schilling versuchte, die Zweidimensionalität der Fotografie zu überwinden. Ohne sich selbst als Fotograf zu verstehen, kommunizierte er mit Fotografen ebenso wie mit Wissenschaftlern, vertiefte so sein Wissen um das Sehen. Er experimentierte früh mit Hologrammen. Zuvor beschäftigte er sich mit Linsenrasterbildern. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere Leserin an diese Kippbilder, die bei Kindern auch als Wackelbilder bekannt waren und in den 60er Jahren einigen Kaugummisorten beigepackt waren. Mehrere Schichten geschraffter Folie vermittelten einen Hauch von Dreidimensionalität und Bewegung.
Ausgestellt sind spannende Linsenrasterbilder aus dem Jahr 1968, welche die Proteste beim Kongress der Demokraten in Chicago zeigen. Mit geballter Polizeigewalt wurden damals die Antikriegsproteste der hauptsächlich Studierenden unterdrückt. Die Überblendung verschiedener Perspektiven eröffnet einen differenzierten Blick auf die Ereignisse.
All das hat sich mir erst nach einer Führung mit Westlicht-Kunstvermittlerin Eva Mühlbacher und Kurator Fabian Knieriem erschlossen.
Warum ich das so betone? Weil ich mich manchmal über mich ärgere, wenn ich mich dabei ertappe, schon wieder etwas Bekanntes anzuschauen statt einen Blick auf das Neue oder Unbekannte oder gar Abschreckende zu riskieren. Und da kommen natürlich Hintergrundinformationen und die Vermittlung von Wissen durch Expert_innen in’s Spiel. Das ist bei der Führung durch „Beyond photography“ bestens gelungen.
Ein sehr informativer und aufwändig gestalteter Katalog flankiert die Ausstellung, die noch bis 14. Mai im Westlicht zu sehen ist.