Fotografie in den Zeiten von COVID-19

Plötzlich war es aus mit dem lockeren Herumflanieren; mit den abendlichen Treffen zwecks Ausstellungsbesuch. Auf einmal wurden Versammlungen und Demonstrationen verboten (gerade, als sich innerhalb kurzer Zeit in Wien eine neue Demonstrationskultur entwickelt hatte, nicht zuletzt aufgrund des Streiks in der Sozialwirtschaft).

Dann schlossen die Museen, die Galerien, dann sollte man möglichst nicht mehr auf die Straße, bis auf „infrastrukturwichtige“ Betriebe wurde alles dichtgemacht. Dann saß man zu Hause. Im Homeoffice. Oder versuchte sich als Ersatzlehrer für die Kinder, die nicht mehr in die Schule durften. Oder schreckte sich, wenn man zur „Risikogruppe“ gehört. Oder … oder … oder …

Auf Dauer war es wenig belebend, den online Bodycount des COVID-19-Virus zu verfolgen.

Was macht man als Fotograf (natürlich gilt die Unschuldsvermutung: Ich spreche nicht von den Profis!), wenn einem vor der Nase die Tür zu den Motiven verrammelt wird?

Na ja, man kann ja auch einmal den etwas beengten Alltag ablichten.

Wohl dem, der ein Gärtchen zu bestellen hat – das wusste schon Voltaires Candid. Naturfotografie, bis man alle Pflanzen durch hat?

Na ja, gar keine schlechte Idee, um sich einmal mit allen Kameraeinstellungen auseinanderzusetzen (und ich sagte: „allen“!). Das öffnet Möglichkeiten.

Irgendwann hat man aber (auch oder besonders?) im kleinen Garten die Pflanzen, Bäume, Gräser, Unkräuter, die Nützlinge und die Schädlinge satt. Dann müssen die abstrakten Formen her!

Der Ausnahmezustand ist jetzt noch nicht einmal eine ganze Woche alt. Und schon wird man unruhig. Schlimm. Oder gut. Ich hoffe, dass alle, die immer gesagt haben: „Den Häftlingen gehts heutzutage viel zu gut! Haben Zimmer mit Fernseher!“ nach ein paar Wochen „Hausarrest“ kapieren, dass es nicht lustig ist, einen begrenzten Raum nicht verlassen zu können (obwohl man im Gegensatz zu Strafgefangenen im Panikfall hinausrennen könnte).

Ändert aber nichts daran: Was kann man da fotografieren? Na ja, wie heißt es so schön im Kultfilm „Casablanca“? „Uns bleibt immer noch der Kater„.

Videosonntag: Ach ja. Die Kreativität …

Gestern war wieder Wiener Fotomarathon. Eine tolle Sache für mich, weil es eine ziemliche Herausforderung ist, zu mehr oder minder simplen Begriffen Fotos zu machen, und noch dazu in der vorgegebenen Reihenfolge. Mit meinem schon öfter erwähnten Fotofreund war das jetzt schon der dritte Marathon und wie immer haben wir zwischen der „Lösung“ der Aufgaben über dieses und jenes philosophiert. Irgendwie konvergierten alle Gespräche letzten Endes bei der Frage nach der Kreativität. Was bremst sie, was beflügelt sie, verschwindet sie plötzlich und die Ecke und kehrt nimmer wieder – oder was?

Dazu hier ein kleines Video. Wie ihr den Kommentaren auf youtube entnehmen könnt, ist dieser Beitrag von Robert Mertens nicht unumstritten. Von langweilig bis super geht das Spektrum und ich warne gleich: Viel Action gibt’s nicht. Ich finde aber, dass dieses Video ein guter Einstieg ist, um für sich selbst über Wege zu mehr Kreativität nachzudenken.