Videosonntag: 50 Jahre „Rencontres d’Arles“

Auf complexityinaframe habe ich immer wieder auf die „Rencontres d’Arles“ verwiesen. Es gibt eine Menge interessanter Videos über dieses Großereignis der internationalen Fotografie. Leider ist der Großteil davon nur auf Französisch verfügbar und ich habe derzeit nicht die Kapazität, Untertitel dazu zu liefern.

Hier also ein Beitrag im leichter zugänglichen Englisch – mit einem wirklich informativen Interview mit der griechischen Fotografin und Filmemacherin Evangelia Kranioti.

New York: Preise und Stipendien für humanistische Fotografie vergeben

Am 17. Oktober fand im Theater der New Yorker School of Visual Arts in der 23rd Street West die seit vier Jahren organisierte Feier des W. Eugene Smith Fonds für humanistische Fotografie statt.

W. Eugene Smith (1918-1978)

Der Fonds würdigt das Vermächtnis des großen Foto-Essayisten W. Eugene Smith, indem er talentierte Dokumentarfotografen finanziell unterstützt, die Hilfe bei der Durchführung eines langfristigen Projekts benötigen. www.smithfund.org

Einer der Höhepunkte des Abends war ein Video des mit 40.000 Dollar geförderten mexikanischen Stipendiaten Yael Martinez zu seinem Projekt „Das Haus, das blutet„. Er erzählt seine eigene Geschichte – zwei Mitglieder seiner Familie waren ermordet worden. Bewegend zeigt Martinez, was der tägliche Terror für die Familien der Opfer bedeutet.

Im Rahmen der Gala wurden die 12 Finalisten bekannt gegeben und ihre Arbeiten in Videos präsentiert. Bemerkenswert sind die 5.000 Dollar Stipendien für Matt Eich und Nadia Shira Cohen. aber die Projekte der Finalisten Pierre Faure „France Periferal“, Debi Cornwall „Necessary Fiction“ und Lalo de Almeida „Amazonian Dystopias“ waren besonders stark.

Ein Höhepunkt des Abends war die Weltpremiere des im Jahr 2020 erscheinenden Films „Minamata“ – ein Spielfilm über Eugene Smith und seinen Fotobericht über Quecksilbervergiftungen in Japan in den 1970er Jahren. Johnny Depp als Smith beeindruckte das Publikum. Der Film ist genau und wahrheitsgetreu recherchiert. Die Kernaussage des Films (und des Lebenswerks von Smith) ist eindeutig: In einer Zeit, in der Konzerne, korrupte Politiker und mafiose Strukturen miteinander mehr und mehr verschmelzen, ist es die Pflicht des humanistischen (Foto)Journalismus, die Menschen aufzurütteln und zum Handeln zu bewegen.

Ein weiterer Höhepunkt war die Rede von Susan Zirinsky, Präsidentin und Chief Executive Producer von CBS News. Sie sprach über ihre Karriere und erklärte, wie die Kraft einer Fotografie  die Aufmerksamkeit aller wecken und öffentliche Debatten anstoßen kann. 

Der vor zwei Jahren ins Leben gerufene Preis für Studenten ging an Fawaz Oyedji aus Nigeria für sein Projekt „Yours in Arms“. Er zeigt darin die Auswirkungen einer paramilitärischen Erziehung in den Universitäten des Landes auf Bewusstsein und Leben der Studierenden.

Videosonntag: Margaret Bourke-White

Margaret Bourke-White (1904-1971) war eine der herausragendsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Sie begann als Industriefotografin, wandelte sich zur brillanten Dokumentarfotografin, wurde die erste amerikanische Kriegsreporterin und gehörte zu den ersten vier Fotografen des LIFE Magazine.

Meine erste „Begegnung“ mit Bourke-White war das Buch „Deutschland 1945“, in dem sie ihre Eindrücke von Deutschland unmittelbar nach der Zerschlagung des Nazi-Regimes beschrieb. Wie Lee Miller war sie Augenzeugin der Befreiung von KZs – in ihrem Fall: Buchenwalds. Im Gegensatz zu Lee Miller setzte sie ihre fotografische Laufbahn auch nach diesen traumatisierenden Erlebnissen fort.

Die Doku ist in einem sehr verständlichen Amerikanisch, gegebenenfalls kann man sich die Untertitel einblenden!

Videosonntag: Impressionen vom La Gacilly Baden Festival (2)

Am 16. Juni 2019 gab es im Rahmen des offiziellen Eröffnungstages des La Gacilly Baden Festivals eine Open-Air-Signierstunde mit den anwesenden Fotografinnen und Fotografen. Ich habe die Gelegenheit für ein kleines Interview mit dem Bürgermeister von La Gacilly, Jacques Rocher, nützen können. Und dann war da noch die Na servas-Band, die ich als „Bonustrack“ vorstellen möchte!

Bonustrack: Die Na Servas-Band

Porträt: Melanie Berger, 97

Melanie Berger, im Juni 2019, Wien

Die freundlich lächelnde 97-jährige Dame auf dem Foto kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. 1921 in Wien geboren, politisiert sich die Jugendliche in den 30er Jahren,sympathisiert mit den illegalen Revolutionären Sozialisten, schließt sich dann aber doch den trotzkistischen Revolutionären Kommunisten (RK) an. Sie nimmt an illegalen Aktionen gegen das austrofaschistische Regime, aber auch die drohende Nazigefahr teil. Im Mai 1938 kann sie mit viel Glück, aber auch Kaltblütigkeit, über Belgien nach Frankreich fliehen.

Nach dem Überfall der Nazis auf Polen hat sie zunächst Glück und kann sich mit verschiedenen Jobs über Wasser halten; der Deportstion in ein Lager entgeht sie ganz knapp, sie sitzt bereits im Zug in Clermont-Ferrand, als sie hört, dass die französischen Polizisten noch nach freiwilligen Hausgehilfinnen suchen. Zwischen 1940 und 1942 schließt sie sich dann in Montauban ihren (ebenfalls) untergetauchten RK-Genossen an. 

1942 fliegt die Gruppe auf, Melanie wird verhaftet und später nach Marseille überstellt. Im Gefängnis La Baumette erkrankt sie an Gelbsucht und wird in des Gefangenentrakt des Hospitals von Marseille gebracht. Am 15. Oktober 1943 wird sie dort von ihren Genossen, die sich als Gestapo-Leute verkleidet haben und in Begleitung eines uniformierten Wehrmachtssoldaten, den sie vom revolutionären Defätismus überzeugen konnten, befreit. Wieder folgt eine Phase der Illegalität.

1946 soll sie in Frankreich von Gendarmen verhaftet werden – sie wird immer noch wegen der Flucht aus dem Nazigefängnis gesucht. So, wie sie um die Anerkennung ihrer Tätigkeit im Widerstand in Frankreich kämpfen muss, muss sie in Österreich um die Anerkennung ihrer Staatsbürgerschaft kämpfen.

In Frankreich heiratet Melanie den hochdekorierten Widerstandskämpfer Lucien Volle – Mitglied der KPF. Ihren Kampf für eine gerechte Welt gibt sie nie auf. Heute spricht sie als Zeitzeugin mit Kindern und Jugendlichen über ihr Leben und warnt vor der Unterschätzung der aktuellen faschistischen Bewegungen. Manchmal kehrt sie nach Wien, an die Stätten ihrer Kindheit und Jugend, zurück.

Sie erzählt aus ihrem Leben – immer bescheiden, immer mit einem Sinn für Situationskomik. Eine nach wie vor aktive und engagierte junge Frau von fast 98 Jahren also.

Ein ausführliches Porträt Melanie Bergers von Nils Klawitter findet sich in: Spiegel Geschichte 2/2019, ab Seite 84)