Ein Bild, das Geschichte machte, aufgenommen am 1. Februar 1968

Es ist der 1. Februar 1968, Saigon. Seit zwei Tagen wird auch in der Hauptstadt Südvietnams gekämpft. Einheiten der FLN (Nationale Befreiungsfront aka Vietcong) haben mit der Tet-Offensive zum Sturm auf das mit den USA verbündete Regime des Präsidenten Nguyễn Văn Thiệu angesetzt.

Eddie Adams, Fotograf für Associated Press, ist gemeinsam mit dem NBC-Kameramann Vo Su unterwegs in den Stadtteil Cholon, wo heftig gekämpft wurde. Als die beiden Reporter ankommen, haben südvietnamesische Truppen offenbar die Kontrolle über den Stadtteil errungen. Am Ende einer Straße sehen sie eine Gruppe Soldaten die einen Mann eskortieren – er ist barfuß, trägt Shorts und ein kariertes Hemd, die Hände scheinen am Rücken gefesselt zu sein. Eddie Adams sagt später: „Wenn man als Fotograf einen Gefangenen sieht, schaut man, dass man ihn solange begleitet, bis er weggebracht wird. Ein Gefangener ist ein Foto„. 

Eddie Adams, 1969

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Paris: Ausstellung zum 15. Geburtstag der Agence VII

Natürlich haben es alle Leserinnen und Leser dieses Blogs mitgekriegt – Paris ist irgendwie eine große Liebe von mir. Das war schon so, bevor ich die Fotografie für mich entdeckt habe, die ja auch auf eine gewisse Art in Paris „zu Hause“ ist, trotz der Verlagerung der journalistischen Epizentren in die USA nach dem 2. Weltkrieg.

Wäre ich jetzt in Paris, würde ich mit Sicherheit ins siebente Arrondissement flanieren und in der Cosmos-Galerie (56, Boulevard Latour Maubourg) die Ausstellung „Revenir, rendre, retourner“ besuchen. „Zurückkommen, etwas übergeben, zurückkehren“ ist die etwas schwülstige Übersetzung des Titels der Exposition aus Anlass des 15. Geburtstages der Agence VII.

Am 8. September 2001 gründeten sieben hervorragende Fotografinnen und Fotografen in Perpignan aus Anlass des Festivals „Visa pour l’image“ eine neue Bildagentur – daher: Agence VII. Es waren: Alexandra Boulat, Ron Haviv, Gary Knight, Antonin Kratochvil, Christopher Morris, James Nachtwey, und John Stanmeyer. Wer ein Auge für Chronologien hat, stellt fest: Die Gründung der neuen Agentur erfolgte drei Tage vor dem historischen 9-11-Datum …

Wie die legendäre Agentur Magnum (mit der einige der Gründer von VII zusammengearbeitet hatten) war die Idee, einen gemeinsamen Pool von Fotos zu schaffen, diesen zu vermarkten und die Einkünfte zu gleichen Teilen unter den Partnern aufzuteilen.  Das Innovative an VII war der Versuch, die Mittel des Internetzeitalters zu nutzen – und die Tatsache, dass alle an der Gründung beteiligten Fotoreporterinnen und -reporter mit dem etwas unklaren Etikett „concerned photographers“ versehen werden können. Das kompromisslose Eintreten für den Menschen und seine Würde zeichnet die Arbeiten der VII-Mitarbeiter bis heute aus – auch ẃenn es schon deutlich mehr als sieben sind und einige der Gründer und Gründerinnen (etwa James Nachtwey) ausgestiegen und eigene Wege gegangen sind.

Erwähnt sei das VII Mentor Program: Seit 2008 haben junge Fotojournalisten die Möglichkeit, gemeinsam mit erfahrenen Fotografen der Agentur ihre Fähigkeiten zu entwickeln.

BlogphotoGary Knight / VII.

special thanks to VII for the kind permission to use the photograpg by Gary Knight!