„Finding Vivian Maier“

In den letzten Tagen ist zufällig immer wieder in Gesprächen, die ich geführt habe, Vivian Maier (1926 – 2009) erwähnt worden. Wer war Vivian Maier, worin liegt ihre Faszination. Hier der offizielle Werbetext zur preisgekrönten Filmdoku „Finding Vivian Maier“

‚“Finding Vivian Maier“ berührt das Mysterium einer Frau, die ihr Leben für die Fotografie lebte und dies bis zu ihrem Tod mit Niemandem teilte. Heute gilt Vivian Maier als eine der wichtigsten Street-Photographers des 20. Jahrhunderts. Vivian Maier lebte als Kindermädchen in Chicago und New York. Sie galt als exzentrische Frau, die nie ohne ihre Kamera das Haus verließ. Mit den in ihre Obhut gegebenen Kindern unternahm sie Streifzüge auch in die Teile der Stadt, in der die weniger Privilegierten lebten. Zahlreiche Fotos zeigen Menschen in einem scheinbar alltäglichen, aber dennoch höchst berührenden Moment. Neben der überwältigenden Anzahl von Fotos, die der Regisseur John Maloof zufällig bei einer Versteigerung entdeckte, hinterließ Vivian Maier ihre Filme und eine große Anzahl an Zeitungsausschnitten. Die Person Vivian Maier bleibt ein Geheimnis. John Maloof und Charlie Siskel zeichnen das Porträt dieser Frau, zeigen ihre Fotos und Filme. Dem Mensch Vivian Maier versuchen sie durch Interviews mit ihren ehemaligen Auftraggebern und deren Kindern näher zu kommen.

Hier der Trailer:

Trailer zu „Finding Vivian Maier“

Eigentlich ist Werbung im Blog nicht so ganz meine Sache, aber hier geht’s doch um etwas mehr: Die Doku ist als DVD im Literaturbuffet erhältlich!

Edith Tudor-Hart und die Arbeiterfotografie

Edith Tudor-Hart, 1908 in Wien als Edith Suschitzky geboren, war eine lange Jahrzehnte vergessene (oder vedrängte) großartige Fotografin. Einen längeren Text über sie und ihr abenteuerliches Leben könnt ihr hier als PDF herunterladen.

In weiterer Folge werden immer wieder ausführliche Texte auf diesem Weg hier auf meinem Blog zu finden sein!

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Ausstellung Nobuyoshi Araki im Leica-Shop Wien

In der Wiener Walfischgasse ist zur Zeit eine Ausstellung von Arbeiten des japanischen Fotografen Nobuyoshi Araki zu sehen.

Araki (1940 in Tokio geboren)  gilt als einer der provokantesten Fotografen Japans. Seine Darstellung nackter Frauenkörper war im höchst konservativen Nachkriegsjapan ein Tabubruch. Im englischen „Guardian“ hat sich Alex Moshakis vor drei Jahren in einem ausführlichen Essay mit der Frage beschäftigt, ob Arakis fotografische Arbeiten Kunst oder Pornographie seien. Er verweist dabei auf die glatte Oberfläche der japanischen Alltagskultur und verweist auf die darunter verborgenen Schichten einer verdrängten und vielfach verstörenden Formen einer aggressiven Sexualität.

Auf jeden Fall – sehenswert, auch wenn die Bilder (zumindest für mich) mehr Fragen aufwerfen als Antworten.

 

Noch bis 10. Juni: Die Ausstellung zur Photoauktion im Juni 2016

Riesig ist sie nicht, die Ausstellung der Fotos für die Auktion am 10. Juni 2016. Umso besser können sich die Besucherinnen und Besucher auf die ausgestellten fotografischen Leckerbissen konzentrieren.

Vertreten sind unter anderem Arbeiten der großen LIFE-Fotografen. Von Alfred Eisenstaedt etwa wird das berühmte Foto von der ersten Begegnung zwischen Hitler und Mussolini (1934) gezeigt. Oder das ebenso berühmte Porträt Churchills mit dem Victory-Zeichen:

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Natürlich darf auch Margaret Bourke-White nicht fehlen. Während des 2. Weltkriegs war sie die einzige Frau in der männlich dominierten LIFE-Redaktion. Vielleicht war das eine Triebfeder für ihre riskanten Einsätze: Unter anderem war sie an vorderster Front dabei, als General Pattons 3. Armee Richtung Berlin vorstieß. Neben Lee Miller war sie eine der Journalistinnen, die in erschütternden Bildern von der Befreiung der Konzentrationslager berichtete.

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Was wären die großen Fotojournalisten und Dokumentaristen ohne Henri Cartier-Bresson? Besonders gefallen hat mir die komplette Fotoserie von Hans Sabens, der „HCB“ bei seiner Deutschlandreise 1953 portätierte. Die Serie zeigt CartierBresson mit seiner Leica III und einem seltenen 5cm-Spiegelsucher. Für mich ist das eine Fußnote zum Beitrag über Humor in der Fotografie. Wenn diese vier Bilder nicht einen warmherzigen Humor ausstrahlen, weiß ich nicht… Damit scheint mir das Axiom, seit 1914 gäbe es keinen Humor über Fotografie in der Fotografie widerlegt zu sein:

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Natürlich sind das jetzt nur ein paar Highlights, die meinem Geschmack entsprechen. Neben fantastischen Porträts von Marilyn Monroe, James Dean, Louis Armstrong, Friedensreich Hundertwasser finden sich Stilleben und frühe Reisefotografen.

Die tschechische Fotografie ist unter anderem durch die anmutigen Aktfotografien Frantisek Drtikols vertreten.

Die Ausstellung kann – bei freiem Eintritt! – noch bis zum 10. Juni besichtigt werden. Es lohnt sich!

 

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Fotojournalismus am Beispiel der Überschwemmung von Paris 1910

Fotografie als historische Quelle: natürlich wissen wir nicht erst seit „Stalins Retuschen“ (als immer mehr Führer der revolutionären Bewegung in Russland aus historischen Fotos „verschwanden“), dass ein Bild mitunter mehr sagt als 1.000 Worte, aber mindestens ebenso trügerisch sein kann. Nicht alles, was ich sehe, ist auch zwangsläufig wahr.

An den Fotojournalismus werden daher zu Recht hohe Ansprüche gestellt.

Hier nun zwei Beispiele, wie spannend dieses Genre mehr als „100 Jahre danach“ sein kann. Die Fotos stammen aus dem Jahr 1910 und zeigen die Überschwemmung in Paris – Bilder, wie wir sie ganz ähnlich heute, 2016, zu sehen bekommen. Mit dem Unterschied, dass damals die Fotografen mit ihren großen Plattenfotoapparaten ausrücken mussten. Interessant auch die Rezeption der Fotos: Viele Aufnahmen wurden später zu Souvenirs – man veröffentlichte sie als Ansichtskartensets, zur Erinnerung an die wässrige Katastrophe.