Videosonntag: Darktable für Einsteiger

Bekanntlich bin ich seit vielen Jahren privat ausschließlich mit Computern unterwegs, die unter Linux laufen. Die Idee einer quelloffenen Entwicklergemeinde für Software hat eine ganze Reihe von Programmen hervorgebracht, die mir, seit ich mich ernsthaft mit Fotografie beschäftige, sehr geholfen haben.

Eine meiner absoluten Favoriten ist Darktable, ein RAW Konverter, der meiner Meinung nach den teuren Adobe-Programmen in nichts nachsteht und gratis ist. Mittlerweile haben die Entwickler Darktable auch für andere Betriebssystem portiert. Im Folgenden ein kurzes Einsteigertutorial für Darktable unter Windows. Nebenbei: Es gibt laufend aktualisierte und verbesserte Versionen – also nicht wundern, wenn ihr es ausprobiert und einige Dinge anders aussehen!

Buchpräsentation: Mit Harald Jahn zu unbekannten Winkeln der Stadt

Kenos – Altgriechisch: leer, frei
Opsis – Altgriechisch: Ansicht, Aussehen
… Urban Slang für die unheimliche Atmosphäre eines Ortes, der einmal von Menschen bevölkert war, aber jetzt verlassen und völlig still ist – eine leere Fabrikshalle, ein vergessenes Schloss, eine verlassene Stadt. Die Menschen fehlen an diesen Orten, sind nur Erinnerung, ferne Schatten; die verfallenden Gebäude zeigen sich im Untergang noch einmal in ihrer wahren Schönheit: Wie eine alternde Ballerina, die sich von der Bühne zurückgezogen hat, aber ein letztes Mal ihre früheren Pirouetten in ihrer ganzen Grandezza zeigt.

Wie alles anfing

Harald A. Jahn,
Kenopsia. Urban Explorations and Lost Places in Vienna
Zweisprachig Deutsch – Englisch
Phoibos, 244 S., 390 Farbabb. im Text, 34,90 EUR

Mitte der 1980er-Jahre – in den Wiener Musicalhäusern gab man „Das Phantom der Oper“ – hatte ich die Idee, den Originalschauplatz der Story zu fotografieren. Die Direktion der Pariser Oper reagierte verhalten. Mein euphorisch vorgetragener Plan, nicht nur in die Keller vordringen, sondern sie auch noch mit Fackeln beleuchten zu wollen, war dann aber ausreichend absurd, mich zu empfangen und mir den Generalschlüssel zu überlassen. An diesem Tag führte mich mein Weg von den Schnürböden unter dem Dach bis in die tiefsten Keller. Und obwohl der unterirdische See des Phantoms nichts anderes war als ein Löschwasserbecken: Die Herzkammer tief unter einem der berühmtesten Opernhäuser der Welt nach meinen Ideen inszenieren zu dürfen war grandios. Meine flackernden Kerzen haben nicht nur Rußstriche an den Wänden hinterlassen, sondern auch die Leidenschaft entfacht, nach den verborgenen Bildern und Geschichten zu suchen, die in meiner Heimatstadt Wien konserviert sind. Hinter den glänzenden Fassaden lauern die Schatten seltsamer Begebenheiten, wispern tausend Stimmen: Sie warten darauf, entdeckt zu werden.
Nach meiner Rückkehr aus Paris begann ich, die Wiener Behörden mit meinen eigenartigen Wünschen zu belästigen. Auch hier wich die anfängliche Irritation bald freundlichem Entgegenkommen, und das Abenteuer begann.

(Aus: Kenopsia)

Der Autor
Harald A. Jahn (* 1. November 1963 in Wien) ist ein österreichischer Designer, Fotograf und Autor. Als Fachjournalist beschäftigt er sich mit Architektur, Stadtplanung, Wirtschaft, Soziologie und Vernetzung; er betreibt die Website tramway.at, auf der er moderne europäische Stadtverkehrslösungen präsentiert.

Wann und wo?

Mittwoch, 27. November 2019, 19.00 Uhr, in Lhotzkys Literaturbuffet, 1020 Wien, Rotensterngasse 2

Terry O’Neill (1938-2019)

Einer der bedeutendsten Porträtfotografen unserer Zeit ist am Wochenende im 81. Lebensjahr einem Krebsleiden erlegen.

Terry O’Neill, 1938 im Londoner East End geboren, wollte nach der Schule mit 14 keineswegs Fotograf werden – sondern Schlagzeuger. Aber die kleinen Bands, mit denen er im Teenageralter auftrat, konnten seinen Ehrgeiz nicht befriedigen. Er wollte nach New York und dort bei den Meistern lernen. Nur – wie hinkommen ohne Geld?

Terry heuerte bei einer Fluglinie als Stewart an und verwirklichte so seinen Traum. Mit der Karriere in New York wurde es zwar nichts, aber bei BOAC (British Overseas Airways Corporation) war man auf den strebsamen Jungen aufmerksam geworden und bot ihm eine Lehrstelle in der fotografischen Abteilung an. Und so lernte er von der Pike auf, unter anderem bei Kursen an der Londoner Kunstakademie, und fotografierte fleißig am Flughafen der englischen Hauptstadt. 1959 machte ihn ein „Zufallstreffer“ zum Fotoreporter: Ein Porträt des erschöpft am Flughafen eingeschlafenen Innenministers Rab Butler brachte es auf die Titelseite der Tageszeitung Sunday Dispatch.

Damit begann die Karriere jenes Mannes, der gerne als „der Chronist der Swinging Sixties“ bezeichnet wurde. Von den Beatles über die Stones, die Schauspieler Michael Caine und Anthony Quinn bis zur bekannt fotoscheuen Amy Winehouse reicht die Liste der von ihm Porträtierten. O’Neill war kein Paparazzo. Er baute den Kontakt zu den Menschen, die er fotografierte auf. Es sind markante Porträts, keine geschleckten, geschönten Bilder, die O’Neill hinterlassen hat. Seine Arbeiten werden die rinnerung an ihn wachhalten.

Unten ein Link zu einigen seiner besten Aufnahmen.

https://iconicimages.net/photographers/terry-oneill/

Kurt Lhotzky

Videosonntag: Lost Places fotografieren mit Pavel Kaplun

Spätestens seit meinem Bericht von der foto + adventure wisst ihr, dass ich ein ausgesprochener Fan von Pavel Kaplun bin. Nicht unbedingt, was seine Bildbearbeitung betrifft; vielmehr ist es der unvergleichlich humorvolle und pädagogisch gelungene Stil seiner Videos.

Heute ein Video, das zwar schon vier Jahre auf dem elektronischen Buckel hat, aber immer noch gültig ist: Lost Places mit Pavel Kaplun fotografieren!