Videosonntag: Harald Hauswald, street photography made in GDR

Der folgende biografische Text ist der Website der Agentur Ostkreuz entnommen. Die Geschichte dieser bemerkenswerten Agentur ist wohl früher oder später einen eigenen Beitrag wert …

Harald Hauswald wurde 1954 in der sächsischen Provinz Radebeul geboren und ist Gründungsmitglied der Agentur OSTKREUZ. Nach einer Lehre als Fotograf zog er 1977 nach Ostberlin und wurde dort in den Verband Bildender Künstler der DDR (VBK) aufgenommen. Das soziale Interesse machte ihn zusammen mit seiner künstlerischen Ambition innerhalb kürzester Zeit zu einem bedeutenden Fotografen des Ostens. Als erster DDR-Fotograf veröffentlichte er unter anonymen Namen Fotoreportagen in westlichen Magazinen wie GEO, dem Zeitmagazin oder der Taz. Mittlerweile ist Harald Hauswald Träger des Bundesverdienstkreuzes und wurde mit mehr als 250 Einzelausstellungen in ganz Deutschland, den USA, Frankreich, Italien und den Niederlanden, sowie unterschiedlichsten Publikationen zum Thema Ost-Berlin, zu einem angesehenen deutschen Fotografen. Seine Bilder aus der Zeit vor der Wende haben das Bild der DDR und die Erinnerungen an Ostberlin deutlich mitgeprägt.

Was wir aus Kriegsfotos lernen können – und was nicht (3. Teil)

So pointiert die Polemik Cockburns gegen James Nachtwey  auch sein mag, können wir sie wirklich für bare Münze nehmen? Tatsächlich hat kaum ein anderer Fotojournalist so viele Krisen- und Kriegsgebiete besucht und gecovert wie James Nachtwey.

Die erste Auslandsreportage des US-amerikanischen Fotografen führte ihn 1981 nach Nordirland, wo es im Zusammenhang mit dem Hungerstreik der politischen Gefangenen der IRA, die von der britischen Besatzungsmacht allerdings nicht als solche anerkannt wurden, zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei, britische Armee und Anhängern der Bürgerrechtsbewegung kam.

Er fotografierte in Bosnien, Serbien, dem Sudan, Ruanda, Südafrika, Tschetschenien, und… und… und… Seine Homepage bietet einen kleinen Einblick in seine Arbeit.

Besonders beeindruckend erscheinen mir seine Fotos aus Ruanda zu sein, mit denen er den Völkermord in diesem Teil Afrikas dokumentiert hat. Ist sein Motto: „Ich war ein Zeuge, und diese Bilder sind mein Zeugnis. Die Ereignisse, die ich aufgezeichnet habe, sollten niemals vergessen werden und dürfen sich nie wiederholen” nur Koketterie?

Cockburns Kritik kommt sehr  moralisch daher. Unausgesprochen schwingt der Vorwurf mit, das Nachtwey aus wie immer gearteten niedrigen Motiven zu Kriegsschauplätzen jettet, ohne ernsthaft Interesse am Schicksal der Betroffenen zu haben.

Diese Interpretation scheint mir, wie gerade das Beispiel der Ruandafotos zeigt, wenig stichhaltig zu sein. Auch die Aufnahmen, die Nachtwey in Gaza gemacht hat, zeigen deutlich die Empathie, die der Fotograf für die leidende palästinensische Bevölkerung empfindet.

Ein unverdächtiger Zeuge für  die Ernsthaftigkeit von Nachtweys Antikriegshaltungung ist der englische Kunsthistoriker, Fotograf und Kurator Julian Stallabrass, der in einem Artikel in der new left review, der sich mit “Ikonen der postmodernen Kriege“ beschäftigt, im Zusammenhang mit den Fotos über den Irakkrieg schreibt (S. 39)1Julian Stallabrass, Memory and Icons – Photography in the war on terror (= new left review 105, London, 2017): “Außerdem gibt es andere Abbildungen des irakischen Leids, die als Ikonen dienen hätten können, wie Chris Hondros Aufnahmen eines mit Blut besudelten Mädchens nach der Tötung ihrer Familie durch US-Truppen oder James Nachtweys berührende Fotos von toten und verwundeten Irakern und ihrer trauernden Angehörigen in Leichenhallen”.

Am Beispiel der Kontroverse rund um die Arbeit von James Nachtwey wollte ich zur Grundthese dieses Essays überleiten:

  • im digitalen Zeitalter besteht zwar theoretisch die demokratische Chance, Bilder über soziale Medien an den kommerziellen Mainstreammedien vorbei zu veröffentlichen;
  • letzten Endes sind es aber die großen Medienkonzerne, die darüber entscheiden, welche “Ansichten” (im doppelten Sinn des Wortes) verbreitet werden
  • Kriegs- und Krisenfotografie kann nur dann etwas bewirken, wenn sie (im Guten wie im Schlechten) Menschen beeinflussen kann, und zwar in relevantem Umfang
  • Bilder können – sogar gegen den Willen der Fotografen – eine Wirkung zeigen, die breite Reaktionen in der Bevölkerung [der kriegsführenden Länder] auslösen
  • heute können auch ”Amateurfotos” zu “Triggern” der öffentlichen Meinung werden.

Was diese These bedeutet, werde ich im nächsten Teil dieses Essays ausführlich erläutern.

[Ende Teil 3]

Was wir aus Kriegsfotos lernen können – und was nicht (2. Teil)

Die Methode des embedding war nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die amerikanische Armee durch die Berichterstattung, auch in den amerikanischen Medien, über den Vietnamkrieg traumatisiert war. Es ist natürlich überzogen, wenn amerikanische Politiker und Militärs behaupten, die USA hätten den Krieg dort durch Fotos und Reportagen verloren. Sicher ist aber, dass der propagandistische Anspruch der Verteidigung der “freien Welt” irgendwo in Südostasien durch Bilder von brennenden Kindern oder Massakern an der Zivilbevölkerung leiden musste.

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Was wir aus Kriegsfotos lernen können – und was nicht (1. Teil)

Im Zusammenhang mit einem Blogbeitrag über Anja Niedringhaus wurde durch einen Leserkommentar die Frage aufgeworfen, wie wir den “embedded journalism” und die Arbeit von “eingebetteten” Fotografen in modernen Kriegen beurteilen können oder sollen oder wollen.

Ich wollte mich ursprünglich ausschließlich auf eine Diskussion dieses Themas beschränken. Je mehr ich mich aber damit beschäftigt habe, umso klarer wurde mir, dass eine wesentlich grundlegendere Herangehensweise notwendig ist. Es geht darum, welches Verständnis wir (also jeder Einzelne von uns) von journalistischer Berichterstattung im Allgemeinen haben. Dieses Verständnis beeinflusst auch unser Herangehen an Pressefotos oder Fotoreportagen.

Da es sich hier um ein größeres Projekt handelt, wird dieser Beitrag in mehreren Fortsetzungen erscheinen müssen. Ich werde nach Abschluss der Serie auch eine überarbeitete PDF-Version dieses Textes auf www.complexityinaframe.com zur Verfügung stellen.

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Videosonntag: Porträt der Pulitzer-Preisträgerin Anja Niedringhaus

Vor ziemlich genau 5 Jahren wurde die weltbekannte Fotografin Anja Niedringhaus in Afghanistan ermordet. Oft wurde sie als „Kriegsfotografin“ bezeichnet, was ich deswegen ungern tue, weil das nur ein Aspekt ihrer fotografischen Arbeit war (man könnte sie genauso als „Sportfotografin“ oder „Menschenfotografin“ charakterisieren).

Ein problematischer beruflicher Aspekt wird in der Doku von Katja Deiß angesprochen: Die Rolle der „embedded journalists“. Dazu wird es demnächst einen eigenen Beitrag hier auf complexityinaframe geben.

Videosonntag: Die Kalotypie – der Beginn der modernen Fotografie

Der folgende Videobeitrag beschäftigt sich kurz, aber hochinformativ, mit der von William Henry Fox Talbot (1800-1877) erfundenen „Kalotypie“ – dem ersten Verfahren, mit dem ein Positivabzug möglich wurde. Unter dem Video findet ihr ein paar „chemische“ Anmerkungen.

Bereits um 1833 entdeckte Fox Talbot, dass man mit Sonnenlicht auf einem mit Kochsalzlösung getränkten und mit Silbernitratlösung bestrichenem Bogen Papier unter Sonneneinwirkung Bilder „festhalten“ konnte. Von diesen „fotogenischen Zeichnungen“ war es ein Prozess von sieben Jahren, bis der englische Universalgelehrte zum ersten Positiv-Negativ-Verfahren fand. Beschichtetes Jodsilber-Fotopapier wurde in einem Rahmen in eine Camera Obscura eingesetzt. Legte man auf dieses Negativ ein weiters Blatt Papier, das mit Gallussäure und Silbernitrat behandelt wurde und setzte den Rahmen, in dem man das ausführte, dem Sonnenlicht aus, konnte man ein Positiv erhalten. Das war die Geburtsstunde der modernen Fotografie. „Kalotypie“ heißt übrigens übersetzt: „schönes Bild“.

Sehenswert: „Liebe am Werk“ über Capa und Taro

ARTE hat heute (17.4.) zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt eine sehenswerte Dokumentation über Robert Capa und Gerda Taro ausgestrahlt.

Zum Glück ist der Beitrag noch eine Zeit auf der ARTE-Mediathek zu sehen. Und noch ein Tipp: Im gleichen Format („Liebe am Werk“) gibt es am 28. April 2019 um 16.25 Uhr eine Doku über Lee Miller und Man Ray!

https://www.arte.tv/de/videos/079434-002-A/liebe-am-werk/

Menschen in Palästina | Soziale Fotografie

Wie Besucherinnen und Besucher meines Blogs wissen bin ich sehr an den Themen Arbeiterfotografie und Soziale Fotografie interessiert.

Das Internet macht’s möglich – Ernst Wilhelm Grüter aus Hamburg fand zufällig complexityinaframe, und jetzt tauschen wir gelegentlich im sozialen Netzwerk MeWe (der Alternative zu Facebook) Meinungen aus.

Ernst Wilhelm Grüter steht in der Tradition der sozial engagierten Fotografie, einige seiner Fotos sind in der „Galerie fortschrittlicher Arbeiterfotografen“ im Internet zu sehen.

Beeindruckend sind seine Impressionen aus Palästina. Einfach auf den Link unten klicken! Ich wünsche Ernst Wilhelm viele Klicks und Likes für diese aussergewöhnliche Reportage.

Quelle: Menschen in Palästina | Soziale Fotografie