SPÖ – gespannte Situation visualisiert (1. 5. 2016)

Das folgende Foto habe ich am 1. Mai in Wien beim traditionellen Mai-Aufmarsch der SPÖ gemacht, kurz, bevor die ersten Marschkolonnen am Rathausplatz eintrafen.

Eine Woche zuvor hatte der Kandidat der FPÖ  im ersten Wahlgang der Bundespräsidentenwahlen 35,1 % der Stimmen erhalten, der von der SPÖ nominierte Rudolf Hundstorfer (ehemaliger Vorsitzender des ÖGB) nur 11,3 %.

Das Wahlerhgebnis hatte die innerparteilich latent schwelende Kritik an Bundeskanzler Werner Faymann angeheizt. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl geriet zusehends in die Rolle des „Integrators“, der Kraft seines Einflusses die Partei zusammenhalten musste. Der Gesichtsausdruck Häupls mag als „Momentaufnahme“ für die damalige Stimmung in der Spitzengremien der SPÖ stehen.

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Bericht von „Meet&Greet: Manfred Baumann“ im Leica-Store Wien

Während die Mannschaften von Österreich und  Ungarn bei der Fußball-EM aufeinander trafen (nein, wer jetzt auf den kalauernden Witz wartet, wartet vergebens!), füllte sich der kleine Leica-Store in der Wiener Walfischgasse zusehends mit Menschen:

publikumKein Wunder, immerhin war ein „meet&greet“ mit Manfred Baumann angesagt. In erster Linie ist der Wiener Fotograf für seine Porträts von internationalen Spitzenstars – Bruce Willis, John Malkovich, Natalie Portman, um nur einige zu nennen – bekannt. In den USA verhalf ihm das letzte Fotoshooting mit Tony Curtis vor dessem Ableben zum endgültigen Durchbruch.

Stark von Helmut Newton geprägt, ist Aktfotografie ein weiteres Feld von Baumanns Schaffen. Baumann, der Reisende, beeindruckt aber genauso mit Landschaftsaufnahmen.

Es wäre aber ungerecht, Manfred Baumann als „mondänen Gesellschaftsfotografen“ abzutun. Spätestens sein 2013 veröffentlichter Bildband „Live“ zeigt eine ganz andere live coverSeite des „ungelernten“ Fotografen (er begann seine Berufslaufbahn bei Meinl am Graben und könnte noch heute lange Vorträge über verschiedene Käsesorten und alle Arten von Kaffee halten): ein Jahr porträtierte er Obdachlose und von der Gesellschaft an den Rand gestellte – Arme und Alte.

Dazu gab es die internationale Wanderausstellung AliVe. Besonders beeindruckend ist die starke Empathie, die aus den ungeschönten Porträts spricht. Hier wird nicht ein pittoreskes Bild einer selbstgewählten „fröhlichen Armut“ geboten – die zerfurchten Gesichter zeigen Menschen, zu denen die Welt nicht gut war, weil die Welt nicht gut ist.

Seit 2013 arbeitet Baumann mit National Geographic zusammen. Eines der Produkte dieser Zusammenarbeit ist der Fotoband End of Line- The last journey of death row inmates to execution. In Texas warten 300 Strafgefangene auf ihre Hinrichtung. Manfred Baumann hat zwei dieser Gefangenen begleitet, die in der Polunsky Unit, voneinander isoliert, ihrer staatlicher Tötung im 50 Kilometer entfernten Huntsville entgegensehen.  Baumann setzt hier einen seiner Grundsätze konsequent um: „Das Unsichtbare sichtbar machen“. Immerhin finden sich in der Polunsky Unit vermutlich ebensoviele – sagen wir einmal vorsichtig: – Justizopfer wie Schwerkriminelle. Der Fotograf war oft glücklich, dicke Stahltüren zwischen sich und etlichen der Insassen zu wissen. Andererseits werfen seine Bilder Fragen auf – wie weit kann, wie weit darf der Rachegedanke der Gesellschaft gehen?

Die Zellen haben keine Fenster, nur kleine Lichtschlitze. Zu zwei der Todeskandidaten konnte Baumann ein enges Verhältnis aufbauen. Ihre Geschichten erzählt er ausführlich, sie lassen erahnen, was es bedeutet, jahrelang auf den letzten Weg zu warten. Und sie beschreiben auch eine der furchtbarsten Seiten der Isolation in ihren Zellen: Die Verweigerung jeglichen Körperkontakts, sogar mit den engsten Angehörigen.

blick in galerie beitragBeim meet&greet ging es natürlich auch um Fragen wie: Kunstlicht versus natürliches Licht, welche Art von Ausrüstung für welches Setting, wie mit Models und Stars umgehen. Bezüglich der Fotoausrüstung erzählte der Fotograf auch eine seiner Lieblingsanekdoten über Helmut Newton, der nach einem hervorragendem Dinner in einem Spitzenrestaurant vom (selbst fotografierenden) Chef de Cuisine angesprochen wurde: „Sie machen so fantastische Aufnahmen – Sie haben sicher eine sehr teure Ausrüstung.“ Newton erwiderte: „Und Ihre Gerichte waren hervorragend! Sie verwenden sicher sehr teure Töpfe“.

Manfred Baumann präsentierte beim meet&greet sein neues Buch  my world of photography 1991–2016. Ein sehenswerter Band – immerhin sichtete der Fotograf gemeinsam mit seiner Frau, die seine Projekte seit Jahren begleitet, 150.000 Fotos…

signier bvw

 

 

„Finding Vivian Maier“

In den letzten Tagen ist zufällig immer wieder in Gesprächen, die ich geführt habe, Vivian Maier (1926 – 2009) erwähnt worden. Wer war Vivian Maier, worin liegt ihre Faszination. Hier der offizielle Werbetext zur preisgekrönten Filmdoku „Finding Vivian Maier“

‚“Finding Vivian Maier“ berührt das Mysterium einer Frau, die ihr Leben für die Fotografie lebte und dies bis zu ihrem Tod mit Niemandem teilte. Heute gilt Vivian Maier als eine der wichtigsten Street-Photographers des 20. Jahrhunderts. Vivian Maier lebte als Kindermädchen in Chicago und New York. Sie galt als exzentrische Frau, die nie ohne ihre Kamera das Haus verließ. Mit den in ihre Obhut gegebenen Kindern unternahm sie Streifzüge auch in die Teile der Stadt, in der die weniger Privilegierten lebten. Zahlreiche Fotos zeigen Menschen in einem scheinbar alltäglichen, aber dennoch höchst berührenden Moment. Neben der überwältigenden Anzahl von Fotos, die der Regisseur John Maloof zufällig bei einer Versteigerung entdeckte, hinterließ Vivian Maier ihre Filme und eine große Anzahl an Zeitungsausschnitten. Die Person Vivian Maier bleibt ein Geheimnis. John Maloof und Charlie Siskel zeichnen das Porträt dieser Frau, zeigen ihre Fotos und Filme. Dem Mensch Vivian Maier versuchen sie durch Interviews mit ihren ehemaligen Auftraggebern und deren Kindern näher zu kommen.

Hier der Trailer:

Trailer zu „Finding Vivian Maier“

Eigentlich ist Werbung im Blog nicht so ganz meine Sache, aber hier geht’s doch um etwas mehr: Die Doku ist als DVD im Literaturbuffet erhältlich!