Ein Spiel zum Sehen lernen

Ich gestehe, dass mich Fotobücher sehr leicht begeistern können. Ein Spiel hat es aber geschafft, meine Begeisterung zu neuen Höhen zu treiben. “My Photography Toolbox” von bispublishers ist ein faszinierendes, unterhaltsames und im wahrsten Sinn des Wortes Augen öffnendes Spiel für alle, die gerne fotografieren, ihre fotografischen Fähigkeiten erweitern oder einen neuen Zugang zu Bildbetrachtung und Bildanalyse finden wollen.

Das Spiel besteht aus 72 Karten, die in fünf Kategorien unterteilt sind: Genre, Komposition, Grundlagen, Prinzipien und Haltung (Attitude). Für jedes Genre gibt es Karten mit Beispielfotos. Jede Karte führt in die Geheimnisse der visuellen Sprache ein und hilft damit, die eigen Kreativität steigern. Die Toolbox zeigt 30 visuelle Prinzipien und ermöglicht es, mit Tools zu spielen, die von der “Hardware” (Smartphones oder Digitalkameras) nicht zur Verfügung gestellt werden können, wie z. B. der Psychologie von Formen und Farben.

Zwei Spielvarianten werden von den Entwicklern vorgeschlagen:

1. BE A MASTER: Ein Bild, basierend auf einem Fotografie-Genre und vier vorgegebenen Regeln. erstellen. Bei dieser Variante sollten Kamera oder Fotohandy berei liegen, denn innerhalb von 20 Minuten sollte ein beeindruckendes Foto entstehen.

2. VERFEINERN SIE IHR AUGE: entdecke die Regeln in vorhandenen Fotos. Eine Schule des fotografischen Sehens.

Man kann “My Photo Toolbox” alleine spielen, besser noch jedoch mit anderen Fotografiebegeisterten. Meiner Meinung nach könnte das geniale Spiel auch eine wertvolle Bereicherung für die künstlerische Erziehung im Unterricht sein.


Hier die Musterkarten aus dem Stapel „principles“

Wenn man das Spiel mit mehreren Personen spielt, ist die einfachste Regel, die Karten jeder  Kategorie aufgedeckt auf den Tisch zu legen. Anschließend hat jeder Spieler oder jede Spielerin die Möglichkeit, innerhalb von 20 Sekunden eine Konzeptkarte einem Foto zuzuordnen. Das Schöne dabei: es gibt keine Sieger und keine Verlierer. Denn natürlich kommt es sehr auf die Interpretation der Betrachter an, welches Prinzip sie in den einzelnen Fotos wiedererkennen. Das ist also ein idealer Ausgangspunkt für Diskussionen darüber, wie unterschiedlich Menschen Bilder sehen können.

Wie beim Fotografieren sind bei diesem Spiel der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die Entwickler laden dazu ein, ihnen eigene Spielideen oder Spielvarianten mitzuteilen. Das Spiel ist auch auf Instagram zu finden und sollte meiner Meinung nach eine möglichst große Verbreitung finden.

My Photograpy Toolbox

Bispublishers, EUR 15,–

Eine Kurzversion dieses Artikels erscheint in der BUCHSTABENSUPPE 3/2019 des Literaturbuffets.

Rückblick: Paris Photo, 8. bis 12. November 2017

Vom 8. bis 11. November fand im Grand Palais Paris zum 21. Mal die internationale Fotomesse Paris Photo statt. 189 Aussteller aus 30 Ländern präsentierten Einzel- und Gruppenausstellungen. Vertreterinnen und Vertreter wichtiger internationaler Sammlungen und Institutionen nahmen an der Paris Photo als Fachbesucher teil, darunter Repräsentantinnen des Guggenheim Museums (New York), des MoMA (New York), des  Museum of contemporary Photography (Kolumbien), des YUZ Museums Shanghai, der Londoner Tate Gallery, und und und …

Blick ins Grand Palais

Aus Wien waren die Galerie CRONE und Johannes Faber unter den Ausstellern. „Rückblick: Paris Photo, 8. bis 12. November 2017“ weiterlesen

Video: Ein paar Überlegungen zur Arbeiterfotografie (1)

Wieder einmal ein Vlog-Beitrag von mir, der sich mit meinem derzeitigen fototheoretischem Hauptthema, der Arbeiterfotografie, beschäftigt. Allerdings möchte ich das Thema aus dem „musealen“ Bereich herausholen und überlegen, wie man bestimmte Konzepte –  der „Eroberung der beobachtenden Maschinen“ etwa – in die Gegenwart übertragen könnte.

Videosonntag: Das Auge des Arbeiters

Das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde ist eine der wichtigsten Einrichtungen, die sich in Deutschland mit der Geschichte der Arbeiterfotografie beschäftigt. Hier ein sehr erhellender Mitschnitt eines Vortrags von Wolfgang Hesse im Rahmen der Ausstellung „Das Auge des Arbeiters“.

 

Der stinkende Reichtum – revisited

Das International Center of Photography ICP in New York zeigt derzeit die Ausstellung „Generation Wealth“ mit Fotos von Lauren Greenfield. Die Fotografin wurde in 1966 in Boston, Massachusetts, geboren und wuchs  in Los Angeles auf; 1987 machte sie ihren Bachelor of Arts an der Harvard Universit. International bekannte Zeitungen und Magazine wie  ELLEThe GuardianHarper’s BazaarNational Geographic oder  Vanity Fair veröffentlichten Arbeiten von ihr. Außerdem machte sich Greenfileds als Dokumentarfilmerin einen Namen. Ihre neueste Dokumentation,  Wealth: The Influence of Affluence, soll im Herbst 2017 in die Kinos kommen.

GENERATION WEALTH fasst Arbeiten aus 25 Jahren zu einer Schau über Reichtum, Wohlstand, Luxus – wie auch immer – zusammen und zeigt die Deformationen, die unsere warenproduzierende Gesellschaft hervorbringt.

Eine Schau, die gut zum 150. Geburtstag von Karl Marx‘ „Das Kapital“ passt ;-).

Der diskrete Charme der Bourgeoisie

Zufällig am 7. Juli 2009 in Paris gesehen: Aufmarsch der Reichen und Schönen auf Einladung von Armani.

Ein Fest von und für Armani – man beachte die Herren mit den Knöpfchen im Ohr