Davide Monteleone auf den Spuren von Lenins „Aptilthesen“

Die Zeitung der Bolschewiki, PRAWDA, mit den Aprilthesen

Im März 1917 verließ der russische Revolutionär Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt unter seinem nom de guerre Lenin, mit einer handvoll Gesinnungsgenossen und -genossinnen sein Schweizer Exil und kehrte im legendären plombierten Waggon nach Russland zurück. Dort hatte im Februar eine Revolution den Zaren gestürzt und eine provisorische Regierung an die Macht gebracht, in der sich Sozialrevolutionäre und gemäßigte Sozialdemokraten gemeinsam mit konstitutionellen Demokraten zusammenfanden, um den Krieg des alten Regimes fortzusetzen, freilich unter „demokratischen“ Losungen.

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Video: Ein paar Überlegungen zur Arbeiterfotografie (1)

Wieder einmal ein Vlog-Beitrag von mir, der sich mit meinem derzeitigen fototheoretischem Hauptthema, der Arbeiterfotografie, beschäftigt. Allerdings möchte ich das Thema aus dem „musealen“ Bereich herausholen und überlegen, wie man bestimmte Konzepte –  der „Eroberung der beobachtenden Maschinen“ etwa – in die Gegenwart übertragen könnte.

Videosonntag: Das Auge des Arbeiters

Das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde ist eine der wichtigsten Einrichtungen, die sich in Deutschland mit der Geschichte der Arbeiterfotografie beschäftigt. Hier ein sehr erhellender Mitschnitt eines Vortrags von Wolfgang Hesse im Rahmen der Ausstellung „Das Auge des Arbeiters“.

 

Videosonntag: World Press Photo 2017 – ab 15. September in Wien

Ab 15. September 2017 ist in der Wiener Galerie Westlicht die schon traditionelle Ausstellung der World Press Photo-Gewinner 2017 zu sehen.  Ich zitiere aus der Ankündigung auf der Westlicht-Seite:

Mit der Wahl der Aufnahme des türkischen Associated Press Fotografen Burhan Ozbilici zum World Press Photo des Jahres traf die Jury heuer eine besonders kontrovers und hitzig diskutierte Entscheidung. Das Bild vom 19. Dezember 2016 zeigt die Ermordung des russischen Botschafters in der Türkei, Andrey Karlov, durch den 22-jährigen Polizeibeamten Mevlüt Mert Altıntaş bei der Eröffnung einer Fotoausstellung in Ankara.
„Es war eine äußerst schwierige Entscheidung, aber schließlich war die Mehrheit der Auswahlkommission von der Explosivität des Bildes überzeugt“, so Jury-Mitglied Mary F. Calvert. „Es bringt den derzeit verbreiteten Hass auf den Punkt und jedes Mal, wenn das Foto auf unseren Bildschirmen auftauchte, wichen wir unwillkürlich ein Stück zurück, weil es eine solche Sprengkraft besitzt. Wir hatten den Eindruck, dass dieses Bild wirklich verkörpert, worum es beim World Press Photo des Jahres geht“.

Hier eine kleine Vorschau – ein Blogbeitrag zur Ausstellung, der sich vor allem mit der Kontroverse um das Siegerbild beschäftigt, folgt nach der Eröffnung.

 

Videosonntag: John Heartfield (1891 – 1968)

John Heartfield, eigentlich Helmut Herzfeld, war Grafiker, Maler, Bühnenbildner – und einer der Begründer der modernen Fotomontage. Viele seiner Fotomontagen erschienen auf der Titelseite der „Arbeiter Illustrierten Zeitung“ A-I-Z und „packen“ uns noch heute.

Papierpresse / paperpremilo

papierpresse
In der Papiermühle Mörzing: Unter hohem Druck werden die handgeschöpften Büttenpapierbogen gepresst, damit sie möglichst trocken werden.

Viroj ĉe laboro: vitroblovistoj / men at work: glassblowers / Glasbläser

Tie ĉi estas malgranda antaŭrigardo ĉe mia fotografa projekto „Homoj ĉe laboro „. Hieraŭ, mi partoprenis al gvidata vizito en vitrofarejo. Mi multe impresigis la virtuozecon de la vitroblovistoj.

Das hier ist eine kleine Vorschau auf mein Fotoprojekt „Menschen bei der Arbeit„. Gestern habe ich an einer Führung durch eine Glashütte teilgenommen. Die Kunstfertigkeit der Glasbläser hat mich sehr beeindruckt.

Dubiose Fotos oder: Ein Bild lügt mehr als 1.000 Worte

Am 24. und 25. Juni 2017 veröffentlichte die KRONEN-ZEITUNG in ihrer Online-Ausgabe und in der Sonntags-Printausgabe einen Artikel, der beweisen sollte, was „in vielen der 150 islamischen Kindergärten“ in Wien falsch laufe: bereits verschleierte Kinder, „vollverschleierte Frauen“ brächten diese bedauernswerter Würmer in einen islamischen Kindergarten in Liesing. Und die Beweislast ist erdrückend: Fotos von verschleierten Kindern, die „ein Leser der ‚Krone‘ (…) aus einem Islam-Kindergarten in Wien-Liesing zugespielt“ habe. Und Fotos lügen nicht. Oder doch?

Tatsächlich halten Fotos Realitäten fest – im Zeitalter von Photoshop, GIMP, oder was auch immer, sind Montagen und Fälschungen allerdings wesentlich leichter als, sagen wir in den 30er Jahren, als man mit Schere und Klebstoff missliebige Personen aus Fotos und damit der Geschichte verschwinden ließ (ja, ich denke konkret an die stalinistischen Bildfälschungen).

Die perfidere Form der Fälschung ist es, Bilder in einen falschen Kontext zu stellen, sie mit falschen Bildunterschriften zu versehen, ihnen eine Botschaft zuzuschreiben, die sie definitiv nicht haben.

In der Kopfleiste dieses Beitrages findet ihr das Faksimile des KRONE-Artikels. Auf folgender Webseite findet ihr die Bilder, die „der Zeitung zugespielt“ worden sind – und die, sagen wir jetzt einmal völlig unmaliziös, vermutlich im guten Glauben für bare Münze genommen und daher ungeprüft veröffentlicht wurden:

https://photos.google.com/share/AF1QipO9bO8ZTy_ANCTxI4UB1rPwooyjJN3EIir7I4CupB1S91CVexSE98uJUZTWyx40GQ?key=bEMxVWFiT3VHb0NlNDBuMHN3VFpCYTMtN1VKbUtn

Unschwer lässt sich erkennen: Die Fotos der „KRONE“ stammen nicht aus einem „islamischen Kindergarten in Liesing“, sondern von einem Sommerfest des Islamischen Zentrums in Wien (Bruckhaufen). Dass im Rahmen eines religiös ausgerichteten Beitrags zum Fest Programm auch Kinder verschleiert auftreten, mag einem gefallen oder nicht – das ist aber vermutlich weniger ein „Dschihadismus-Problem“, sondern mehr Folklore, vermute ich.

Übrigens – wenn man sich die Bildergalerie des Islamischen Zentrums von diesem Fest ansieht, wird man eine sehr große Zahl unverschleierter Frauen erkennen, und zwar nicht in nach Geschlechtern getrennten Bereichen, sondern inmitten des allgemeinen Festbetriebes (ich überlasse die „Kopfzählung“ begeisterten Statistikern, die ausrechnen mögen, wie das Verhältnis verschleiert zu unverschleiert bei diesem Fest aussah).

Aber zurück zur KRONE: hier stellen sich etliche Fragen. Darf ein Massenblatt wirklich so naiv sein, ohne Gegencheck Fotos zu veröffentlichen, bloß weil „ein Leser“ eine bestimmte Interpretation dazu übermittelt? Darf ich der Kronen-Zeitung tatsächlich so viel „guten Glauben“ zugestehen?

Warum hat sich die KRONE nicht deutlich von dieser Manipulation durch Fotos distanziert, sondern eine Volte geschlagen: OK, die Fotos seien vielleicht nicht ganz korrekt zum Artikel passend, die behaupteten Fakten seien aber „wahr“. Nur – warum werden die Fotos einerseits als Beweis für die Behauptungen über die islamischen Kindergärten abgedruckt – und dann sind diese Behauptungen wahr, obwohl die Beweismittel gefälscht sind? Sehr sonderbar.

Mit anderen Worten: Misstrauen gegen „starke Bilder“ zu umstrittenen Themen ist angesagt. Auch wenn es oft wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel ist – man darf derartige Manipulationen nicht hinnehmen. Es ist Teil einer lebendigen Erziehung zum kritischen Umgang mit Medien, solche Machenschaften penibel zu untersuchen und zu widerlegen.