Da fällt ein Haus, da steht ein Kran, und ewig droht der Baggerzahn

Seit 1. Juli 2018 ist es in Wien schwieriger geworden, Häuser, die vor dem 1. Jänner 1945 errichtet wurden, abzureissen. Außer in den wenigen (meist im Stadtzentrum gelegenen) Schutzzonen genügte bis dahin eine rechtzeitige Meldung der geplanten “Bauvorhaben” (besser: “Zerstörungsvorhaben”) beim Magistrat, und schon trat die Abrissbirne in Aktion.

Abrisshaus: Radetzkystraße 6, in dem Haus wohnen noch 25 Mieter

Nun hat die MA 19 (Stadtbildpflege) durch eine Änderung der Wiener Bauordnung für zahlreiche Abrissprojekte den Stecker gezogen. Sind von einem vor 1945 errichteten Gebäude mehr als 50 % erhalten, will die MA 19 in der Regel keine Lizenz zum Demolieren erteilen. „Da fällt ein Haus, da steht ein Kran, und ewig droht der Baggerzahn“ weiterlesen

Videosonntag: Archiflop – größenwahnsinniges Scheitern

Alessandro Biamonti ist Architekt, Architekturkritiker und Dozent für Design am Politecnico von Mailand.

Dem deutschsprachigen Publikum hat er ein höchst amüsantes, mitunter erschreckendes, immer aber überraschendes Buch beschert: „ArchiFlop – gescheiterte Visionen. Die spektakulärsten Ruinen der modernen Architektur„. So manche großartige architektonische Vision ist im 20. Jahrhundert in ihr genaues Gegenteil umgeschlagen – in Verfall, Auflösung, schaurige 3D-Deko wie aus einem Horrorfilm.

Das bemerkenswerte Fotobuch wird sowohl an Fotografie wie an Architektur Interessierte begeistern, aber auch alle, die über Sinn und Wahnsinn moderner Städte- und Landschaftsplanung nachdenken.

Bereits die Kapitelüberschriften sind vielsagend. „Die Überlegung lautete: Es werden viele Tausende kommen“. Oder: „Die Überlegung lautete:  Sie werden sich bestens amüsieren“.

Allesandro Biamonti
ArchiFlop
195 Seiten, DVA, EUR 30,80

Davide Monteleone auf den Spuren von Lenins „Aptilthesen“

Die Zeitung der Bolschewiki, PRAWDA, mit den Aprilthesen

Im März 1917 verließ der russische Revolutionär Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt unter seinem nom de guerre Lenin, mit einer handvoll Gesinnungsgenossen und -genossinnen sein Schweizer Exil und kehrte im legendären plombierten Waggon nach Russland zurück. Dort hatte im Februar eine Revolution den Zaren gestürzt und eine provisorische Regierung an die Macht gebracht, in der sich Sozialrevolutionäre und gemäßigte Sozialdemokraten gemeinsam mit konstitutionellen Demokraten zusammenfanden, um den Krieg des alten Regimes fortzusetzen, freilich unter „demokratischen“ Losungen.

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Video: Ein paar Überlegungen zur Arbeiterfotografie (1)

Wieder einmal ein Vlog-Beitrag von mir, der sich mit meinem derzeitigen fototheoretischem Hauptthema, der Arbeiterfotografie, beschäftigt. Allerdings möchte ich das Thema aus dem „musealen“ Bereich herausholen und überlegen, wie man bestimmte Konzepte –  der „Eroberung der beobachtenden Maschinen“ etwa – in die Gegenwart übertragen könnte.

Videosonntag: Das Auge des Arbeiters

Das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde ist eine der wichtigsten Einrichtungen, die sich in Deutschland mit der Geschichte der Arbeiterfotografie beschäftigt. Hier ein sehr erhellender Mitschnitt eines Vortrags von Wolfgang Hesse im Rahmen der Ausstellung „Das Auge des Arbeiters“.

 

Videosonntag: World Press Photo 2017 – ab 15. September in Wien

Ab 15. September 2017 ist in der Wiener Galerie Westlicht die schon traditionelle Ausstellung der World Press Photo-Gewinner 2017 zu sehen.  Ich zitiere aus der Ankündigung auf der Westlicht-Seite:

Mit der Wahl der Aufnahme des türkischen Associated Press Fotografen Burhan Ozbilici zum World Press Photo des Jahres traf die Jury heuer eine besonders kontrovers und hitzig diskutierte Entscheidung. Das Bild vom 19. Dezember 2016 zeigt die Ermordung des russischen Botschafters in der Türkei, Andrey Karlov, durch den 22-jährigen Polizeibeamten Mevlüt Mert Altıntaş bei der Eröffnung einer Fotoausstellung in Ankara.
„Es war eine äußerst schwierige Entscheidung, aber schließlich war die Mehrheit der Auswahlkommission von der Explosivität des Bildes überzeugt“, so Jury-Mitglied Mary F. Calvert. „Es bringt den derzeit verbreiteten Hass auf den Punkt und jedes Mal, wenn das Foto auf unseren Bildschirmen auftauchte, wichen wir unwillkürlich ein Stück zurück, weil es eine solche Sprengkraft besitzt. Wir hatten den Eindruck, dass dieses Bild wirklich verkörpert, worum es beim World Press Photo des Jahres geht“.

Hier eine kleine Vorschau – ein Blogbeitrag zur Ausstellung, der sich vor allem mit der Kontroverse um das Siegerbild beschäftigt, folgt nach der Eröffnung.

 

Videosonntag: John Heartfield (1891 – 1968)

John Heartfield, eigentlich Helmut Herzfeld, war Grafiker, Maler, Bühnenbildner – und einer der Begründer der modernen Fotomontage. Viele seiner Fotomontagen erschienen auf der Titelseite der „Arbeiter Illustrierten Zeitung“ A-I-Z und „packen“ uns noch heute.