Mein nächstes Fotoprojekt: Porträt einer Generation

Es hat leider eine lange Pause gegeben hier auf complexityinaframe. Dabei hatte ich gehofft, dass nach meinem Schritt raus aus der täglichen Arbeitswelt mehr Zeit für das Fotografieren und diesen Blog übrig bleiben würde. Aber weit gefehlt. Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass eine überfällige Knieoperation verschoben werden musste. Vermutlich wissen einige von euch, was eine OP an Voruntersuchungen bedeutet. Das kostet Zeit und Energie, dann wird geschnipselt und genäht, entfädelt und trainiert… und jetzt stehe ich wieder auf noch immer etwas wackeligen Beinen, bin aber entschlossen, so richtig los zu legen.

Verpasst habe ich ja durch all diese Widrigkeiten unter anderem die Eröffnung von La Gacilly in Baden – die kann ich nicht nachholen, aber zum Glück kann man ja das fotografische Gesamtkunstwerk noch bis Oktober besichtigen. Was ausgiebig erfolgen wird. Ebenfalls verpasst: die eine oder andere Ausstellungseröffnung im Westlicht, inklusive der Mitgliederführungen. Seufz.

Aber dafür konnte ich wenigstens ein bisschen was lesen – zum Beispiel die neueste Ausgabe des exzellenten Streetphotography-Magazins „Soul of Street“ #41, oder das neue Heft des SCHWARZWEISS-Magazins.

Vor allem konnte ich aber an der Konzeption eines Projekts arbeiten, mit dem ich mich geistig schon seit einigen Monaten beschäftigt habe:

Porträt einer Generation

Die Menschen, die in Österreich zwischen 1952 und 1962 zur Welt kamen, sind in eine spannende Zeit hineingeboren worden. 

Wirtschaftswunder, erste „Fernreisen“ (sogar bis nach Caorle!), die Südtirolkrise, der Aufstand in Ungarn 1956, der 1. Platz für Udo Jürgens beim Eurovisions-Songcontest, die Ausläufer der internationalen Student*innenbewegung, der Prager Frühling, die erste Mondlandung, der Vietnamkrieg, das Ende der Großen Koalition und die Ära Kreisky, die Geburt des Austropop, die spektakuläre Geiselnahme in Stein, die Entstehung einer neuen Frauenbewegung, der Sturz der rechten Diktaturen in Portugal und Spanien, die Bewegung gegen das AKW Zwentendorf, das „Wunder von Córdoba“, die Geburt der Solidarnosc in Polen, die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, die erste „Ölkrise“, die Intensivierung des Rüstungswettlaufs zwischen den großen Machtblöcken, der Überfall auf das OPEC-Hauptquartier in Wien, der Sturz der Berliner Mauer, der Zerfall der Sowjetunion, das Ende des Apartheid-Regimes in Südafrika, Aufkommen rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen in Österreich und Europa, die Einführung des Euro als Umlaufwährung, der Zerfall Jugoslawiens und der Krieg im ehemaligen Nachbarstaat, die Angst vor dem „Milleniumsbug“ – und damit sind wir erst an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Und die Liste der „großen“ Ereignisse ist beliebig verlängerbar.

Viele dieser „großen“ Ereignisse sind an den Menschen vorbeigegangen und wurden nicht einmal bewusst wahrgenommen. Sie waren das „Hintergrundrauschen“ der Zeitgeschichte.

Im Rahmen des Projekts möchte ich Menschen, die zwischen 1952 und 1962 zur Welt gekommen sind, porträtieren. Die Fotos werden schwarzweiß sein und sollen im Rahmen einer möglichst entspannten Gesprächssituation entstehen. Ich möchte versuchen, Personen unterschiedlicher Herkunft für dieses Projekt zu gewinnen, um die Bandbreite der Lebenserfahrungen möglichst breit gefächert abbilden zu können.

Jede der porträtierten Personen bitte ich, ein subjektives Statement von wenigen Sätzen als Bildunterschrift abzugehen: „Welches Ereignis außerhalb meines persönlichen Lebensbereichs hat mich am stärksten beeinflusst?“ Super wäre: handschriftlich ;-)!

Das Projekt soll – wenn eine relevante Anzahl von Porträts vorliegt – zunächst auf meiner Homepage veröffentlicht werden. Eine virtuelle Ausstellung. Sollte es Interesse an einer „realen Ausstellung“ geben – klar, das wäre natürlich schön. Eventuell wird auch ein Buch entstehen – aber das sind erst vage Überlegungen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die mich durch Zeit und die Bereitschaft, sich fotografieren zu lassen, unterstützen wollen, erhalten als Dankeschön drei Abzüge des Porträts, das veröffentlicht werden soll, und digital zehn ausgewählte und bearbeitete Fotos vom Porträtshooting. Selbstverständlich wird es auch einen entsprechenden Vertrag geben.

Also, Besucher*innen von complexityinaframe: Wenn ihr in mein fotografisches Beuteschema passt oder jemanden kennt, der sich in dieser Galerie der „Porträts einer Generation“ gut machen würde – rührt euch mittels Mail an

kurt@complexityinaframe.com

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