Das Sonntags-Foto-Rätsel

Liebe Freundinnen und Freunde von complexityinaframe, heute starte ich einmal was Neues: Das Sonntags-Foto-Rätsel.

In Lockdownzeiten ist man ja sehr begrenzt, was die Outdoor-Fotografie betrifft. Also muss man schauen, was sich zu Hause, vor der (maskengeschützten) Nase, abspielt. Und da kann man manchmal schon was entdecken. Die Frage ist: Was?

Wer erkennt/errät, worum es sich handelt? Antworten in die Kommentare, bitte!

Seestadt-Impressionen

Die Seestadt in Wien ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Europa. Vor einigen Tagen habe ich mit einem Freund einen Fotospaziergang durch diese neue „Stadt in der Stadt“ gemacht.

In erster Linie wollte ich mein neuerworbenes Canon EF-S 10-18mm-Objektiv testen. Daher hier in loser Folge einige „Architekturfotos“. Mich würde interessieren, welche Stimmung ihr bei diesen Fotos empfindet.

Eine Gedenktafel in Wien

Am Zugang zum Zwischenkriegsgemeindebau am Friedrich Engels-Platz in Wien Brigittenau findet sich eine etwas vernachlässigte Gedenktafel, in der auch der Namensgeber des Hofs geehrt wird. Vor kurzem feierten wir den zweihundertsten Geburtstag von Friedrich Engels. Da wäre ein bisschen Restaurierung der Tafel wohl auch kein Fehler gewesen…

Fotokunst trotz(t) Corona: HANDMADE V in der Anzenbergergallery

Vorweg: Ich trage meinen Mund-Nasen-Schutz freiwillig, meistens auch im öffentlichen Raum (allein im Wald eher nicht); ich halte Absnatnd zu meinen Mitmenschen. Ich wasche meine Hände und desinfiziere sie, wenn ich in Geschäften bin oder war.

Verantwortung gegenüber den Anderen heißt nicht zwangsläufig, Zwangsmaßnahmen gutzuheißen. Und da sind wir bei der sehenswerten Ausstellung HANDMADE V.

Der erzwungene Lockdown und die damit einhergehenden sozialen Probleme und finanziellen Einbußen wären eine ideale Möglichkeit gewesen, der Bevölkerung Kunst und Kultur nahezubringen. Warum, zum Geier, öffnet man nicht Museen, Galerien etc. für die Öffentlichkeit? Warum übernimmt der Staat nicht die Kosten, um freien Zutritt für alle zu Ausstellungen zu gewährleisten? Warum schafft man nicht (zumindest temporäre) Arbeitsplätze, indem man Menschen, die durch Corona ihre Arbeit verloren haben, als Aufseher*innen in Museen oder bei Ausstellungen einsetzt oder sie gar (bei entsprechendem Interesse) zu Ausstellungsführer*innen umzuschulen?

Vermutlich wäre – unter Einhaltung der hygienischen Sicherheitsmaßnahmen – der Aufenthalt in einer Galerie oder einem Museum auch nicht gefährlicher als der Einkauf im Supermarkt.

That being said, möchte ich euch alle auf die bemerkenswerte Ausstellung HANDMADE V – more than photography in der Anzenbergergallery in der Wiener Absberggasse 27, 1100 Wien, hinweisen. Hier der aussagekräftige Informationstext der Veranstalterin:

Die bereits fünfte Ausgabe der Ausstellung HANDMADE zeigt Arbeiten, die Handwerk, analoge Technik und Inszenierung mit Fotografie verbinden und sich somit über die Grenzen konventioneller, zweidimensionaler oder dokumentarischer Fotografie hinwegsetzen. Durch unterschiedliche Methoden werden greifbare, handgearbeitete und fühlbare Werke geschaffen, die einen Gegensatz zur heutigen, virtuellen und digitalen Fotografie bilden.

Die ausgestellten Arbeiten der Künstler*innen Jessa FairbrotherEllen KorthGabriela MorawetzHeather F. Wetzel, Konrad Stania, Larissa CoxLetitia HuckabyMinyo SzertRegina AnzenbergerRoger Ballen, Simone Casetta, Yelena Zhavoronkova sind erstaunlich / faszinierend / inspirierend – wie auch immer.

Besucher*innen sollten es nicht versäumen, die beeindruckende Auswahl an Fotobüchern im bookshop (der in die Galerie integriert ist, oder vice versa) durchzuschauen.

Noch ein Wort zur Inspiration: Gerade jetzt, wo eventuell mehr Zeit zuhause verbracht werden muss ist es durchaus eine Option, die eine oder andere Technik (Kombination verschiedener handwerklicher Tätigkeiten mit Fotografie) im Rahmen der eigenen Möglichkeiten „nachzustellen“. Vielleicht entstehen so auch interessante und individuelle Weihnachtsgeschenke?

Praxistipp: Wer nach Besuch der Ausstellung Lust aufs selber fotografieren bekommen hat, ist in ein paar Minuten im Laaer Wald oder im Böhmischen Prater.

Beginn: Langer Freitag, 6. November 2020 von 12-19.00 Uhr

Ausstellungsdauer: 7. November 2020 bis 5. Februar 2021

Öffnungszeiten: Mi-Sa 12-18 Uhr oder nach Vereinbarung

Arbeiterfotografie und Naturfotografie – ein Widerspruch?

Vorbemerkung

In der Arbeiterfotografiebewegung hat die Beschäftigung mit der Naturfotografie in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu interessanten Kontroversen geführt. Da in Österreich diese Diskussion meines Wissens nach nicht vergleichbar geführt wurde, greife ich hier vor allem auf die Publikation der Vereinigung deutscher Arbeiterfotografen, “Der Arbeiterfotograf”, zurück. 

Ich möchte mich mit dieser Frage vor dem Hintergrund des bevorstehenden 200. Geburtstages von Friedrich Engels (28.11.1820 bis 5.8.1895) beschäftigen. Es gehört hier zu den verbreiteten Vorurteilen, dass speziell die marxistische Arbeiterbewegung einem Industrialisierungs-und Fabrikschlotmythos gehuldigt habe.

Friedrich Engels

Im Zentrum dieser Artikelserie steht natürlich die Fotografie mit all ihren ästhetischen und sozialen Komponenten. Trotzdem werde ich am Anfang um eine kurze Skizze der Positionen der ArbeiterInnenbewegung zur Natur nicht umhin können, da wir ein theoretisches Fundament für die Diskussionen innerhalb der Arbeiterfotografiebewegung brauchen. 

In den 20er Jahren hat die Spaltung der ArbeiterInnenbewegung in sozialdemokratische und kommunistische Parteien in zahlreiche Lebensbereiche der internationalen Arbeiterinnenklasse massiv eingeschnitten.  Denn beide Strömungen erwachsen aus gemeinsamen Wurzeln und entwickeln sich nach dem Ersten Weltkrieg teilweise unversöhnlich auseinander.

„Arbeiterfotografie und Naturfotografie – ein Widerspruch?“ weiterlesen

Arbeiterinnen, Arbeiter, Arbeitslose sehen ihre Gemeinde: Hackney in den 80er Jahren

2016 im Keller des Rio-Kinos im Arbeiterviertel von Hackney (London) entdeckt, bietet ein Archiv mit 12.000 Bildern, die von einer Initiative für Arbeitslose gemacht wurden, ein Porträt des Alltagslebens während der 80er Jahre. Das Besondere daran: Hier hat sich die community selbst porträtiert, es ist kein „Blick von außen“.

Das Rio in Dalston ist Londons ältestes von der Gemeinde betriebene Kino. Es wurde 1979 als gemeinnütziges Kunstzentrum gegründet, und in den frühen 80er Jahren wurde das Untergeschoss in eine Werkstatt und ein Aufnahmestudio für von der Gemeinde geführte Initiativen wie das feministische Filmkollektiv Women’s Media Resource Project und die Tape/Slide Newsreel Group, ein radikales Fotoprojekt für lokale Arbeitslose, umgewandelt.

1982 wurde das Fotoprojekt gestartet. Mitglieder wurden im Umgang mit der Kamera geschult und losgeschickt, um Hackneys Gemeinden, Märkte, Festivals und gesellschaftliche Ereignisse zu dokumentieren. Sie berichteten über soziale Themen und fingen den Geist des lokalen Aktivismus bei Protesten gegen Rassismus, Polizeibrutalität, AIDS, den Bergarbeiterstreik und Atomwaffen ein. Ihre Bilder wurden dann zu Wochenschauen zusammengestellt und vor den kommerziellen Werbespots einem Publikum von rund 1.000 Menschen pro Woche gezeigt.

1986, als der Greater London Council mitsamt der damit verbundenen Finanzierung abgeschafft wurde, begann sich die Gruppe aufzulösen. Das Untergeschoss des Rio wurde zu einem Lagerraum, und die 12.000 Dias der Tape/Slide Newsreel Group wurden unter Dokumenten und Aktenschränken vergraben.

Mehr zu diesem spannenden Projekt (auf Englisch) findet ihr hier.