Da fällt ein Haus, da steht ein Kran, und ewig droht der Baggerzahn

Seit 1. Juli 2018 ist es in Wien schwieriger geworden, Häuser, die vor dem 1. Jänner 1945 errichtet wurden, abzureissen. Außer in den wenigen (meist im Stadtzentrum gelegenen) Schutzzonen genügte bis dahin eine rechtzeitige Meldung der geplanten “Bauvorhaben” (besser: “Zerstörungsvorhaben”) beim Magistrat, und schon trat die Abrissbirne in Aktion.

Abrisshaus: Radetzkystraße 6, in dem Haus wohnen noch 25 Mieter

Nun hat die MA 19 (Stadtbildpflege) durch eine Änderung der Wiener Bauordnung für zahlreiche Abrissprojekte den Stecker gezogen. Sind von einem vor 1945 errichteten Gebäude mehr als 50 % erhalten, will die MA 19 in der Regel keine Lizenz zum Demolieren erteilen.

Da die Diskussion über die Baurechtsänderung nicht neu und auch nicht geheim war, gab es in den vergangenen Monaten eine hektische Abrisstätigkeit. Betroffen waren davon in erster Linie auch Mieter in betroffenen Obkjekten. Wie im Haus Radetzkystraße 6 im 3. Wiener Gemeindebezirk störte es die Immobilienhaie nicht, dass noch Mieter dort wohnen. Her mit Kranen und Spitzhacken, weg mit Dachstühlen und Außenfenstern – solange die Profite stimmen, ist alles OK.

Für mich war das ein Grund, ein paar der betroffenen Gebäude von Innen und Außen zu besuchen.

Karolinengasse, 1040 Wien

Anknüpfungspunkt war die Tradition der Arbeiterfotografie, die sich in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts immer wieder dieses gerade für die Arbeiterinnen und Arbeiter (und natürlich deren “natürliches” Gegenstück, die Arbeitslosen!) wichtigen Themas angenommen hat.

Es ist lohnend, sich der Wohnungsfrage fotografisch anzunähern. Vielleicht haben ja Besucherinnen und Besucher dieses Blogs ähnliche Beispiele vor der eigenen (hoffentlich noch nicht abrissbedrohten) Haustür und wollen mir Fotos davon schicken? Das könnte ein spannendes gemeinsames Fotoprojekt werden!

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