Das 2. Photofestival La Gacilly Baden ist eröffnet

Lois Lammerhuber

Vor einem Jahr hat der österreichische Fotograf und Verleger Lois Lammerhuber als spiritus rector das seit 2004 in der Bretagne stattfindende Fotofestival La Gacilly nach Baden bei Wien gebracht. Und die Besucherzahlen sprechen für sich:

189 258 Menschen haben im vergangenen Jahr dieses außergewöhnliche fotografische Ereignis besucht, davon waren 54,34 % weiblich und 45,66 % männlich.

Stand das Festival im vergangenen Jahr unter dem Motto „I love Africa“, heißt das Thema heuer: „Hymne an die Erde“. Unwillkürlich habe ich an Jura Soyfers grandioses „Lied von der Erde“ gedacht, als ich die ersten Vorabinformationen bekommen hatte:

 Denn nahe, viel näher, als ihr es begreift,

Hab ich die Erde gesehn.

Ich sah sie von goldenen Saaten umreift,

Vom Schatten des Bombenflugzeugs gestreift

Und erfüllt von Maschinengedröhn.

 

Ich sah sie von Radiosendern bespickt;

Die warfen Wellen von Lüge und Hass.

Ich sah sie verlaust, verarmt – und beglückt

Mit Reichtum ohne Maß.

 

Voll Hunger und voll Brot ist diese Erde,

Voll Leben und voll Tod ist diese Erde,

In Armut und in Reichtum grenzenlos.

Gesegnet und verdammt ist diese Erde,

Von Schönheit hell umflammt ist diese Erde,

Und ihre Zukunft ist herrlich und groß.

Denn die auf dem Festival vertretenen Fotografinnen und Fotografen haben so unterschiedliche Annäherungen an diesen unseren Planeten zu bieten, dass wir genau dieses Wechselbad aus Schönheit und Zerstörung, Erhabenheit und Vernichtung eindrücklich vor Augen geführt bekommen.

Thomas Pesquet, Philippe Bourseiller, Jean Gaumy, Olaf Otto Becker, Matthieu Ricard, William Albert Allard, Shana & Robert ParkeHarrison, Karen Knorr, Jan C. Schlegel, Michael Nichols, Emil Gataullin, Claudia Andujar, Miguel Dewever-Plana, Brent Stirton, Fausto Podavini, Emanuele Scorcelletti, Frédéric Delangle, Phil Hatcher-Moore, Édouard Elias, Catalina Martin-Chico, Stéphane Couturier, Patrick Tourneboeuf, Chris Jordan, Matjaz Krivic, Laetitia Vancon, Andréa Mantovani, Joséphine Brueder, Gerd Ludwig, Pascal Maitre sowie Cooper & Gorfer zeigen uns ihren Blick auf die Welt wie sie ist.

Die Eröffnung beim Brusattiplatz in Baden. Journalistinnen und Journalisten aus zahlreichen Ländern und aus Österreich waren anwesend. Klarerweise waren die französischen Medien besonders stark vertreten.

In den nächsten Tagen werde ich hier einige Aspekte des Festivals detaillierter beleuchten und auch das eine oder andere Videointerview zu La Gacilly Baden online stellen.

Last but not least sei an dieser Stelle dem gesamten Team von Lois Lammerhuber gedankt, das mit größter Professionalität und persönlicher Leidenschaft ein wirklich bemerkenswertes kulturelles Ereignis ermöglicht haben.

Die Open-Air-Ausstellungen in Baden sind bis 30. September zu sehen!

Das war das Fotobuchfrühstück im WestLicht

Die Wiener Fotogalerie WestLicht war am Samstag, 13. April Schauplatz des Fotobuchfrühstücks von Reflektor und Eyes on. Reflektor, das ist eine in Wien beheimatete Plattform, die Fotografinnen und Fotografen die Möglichkeit bietet, selbst publizierte Fotobücher unter einen gemeinsamen „Schirm“ zu stellen. Es handelt sich also um keinen Verlag und keine Vertriebsplattform, sondern wie es in der Selbstdarstellung der Gruppe heißt: „Reflektor ist eine Plattform, die die gemeinsame Freude am Fotobuch ins Zentrum stellt. Reflektor bürgt mit seinem Namen für Qualität“.

Die Zusammenarbeit mit WestLicht er gab sich unter anderem daraus, dass die derzeit laufende Ausstellung mit Fotos des deutsch-französischen Fotografen Edouard Baldus (1813-1889) enge Beziehungen zum Fotobuch aufweist. Der Fotopionier Baldus hat mit einer in einem Album veröffentlichten Sammlung von Arbeiten “Chemin de fer de Paris à Lyon et à la Mediterranée” („Die Eisenbahn[strecke] von Paris nach Lyon und ans Mittelmeer„) im Jahr 1863  eine unerhört modern wirkende Bestandsaufnahme der architektonischen Highlights in Frankreich entlang der neuen Eisenbahnstrecke geschaffen.

WestLicht fungierte als  perfekter Gastgeber: Kurator Fabian Knierim  leitete den „offiziellen Teil“ mit einer Präsentation der Bilder von Baldus und der gleichzeitig stattfindenden Werkschau von Katharina Gaenssler ein.

Die 1974 geborene Fotografin hat sich darauf spezialisiert, Räume fotografisch zu dokumentieren. Mit tausenden Aufnahmen “scannt” sie gleichermaßen Interieurs und baut diese bei Ausstellungen als Installation nach.  Auch bei Gaenssler gibt es eine starke Affinität zum Fotobuch. In oft mehreren tausend Seiten starken Büchern dokumentiert sie ihre Arbeit.

Vreni Hockenjos und Rainer Riedler präsentierten anschließend REFLEKTOR.

Elodie Grethen stellte dann ihr Buch “Tokyo Stories” vor, das 2017 zu den “schönsten Büchern Österreichs” gehörte. Die Fotografin war während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Japan mit einem völlig neuen Set von Regeln und Moralvorstellungen konfrontiert. Das wurde Ausgangspunkt eines Projektes, das sich mit der Frage Intimität und Möglichkeiten der Begegnung in Tokio auseinandersetzte.

Allesandra d’Intino präsentierte anschließend ihr Buch “Der Marsspion”, die ironische fotografische Umsetzung einer klassischen deutschen Zukunftsnovelle von Carl Grunert (1865-1918). Sie parodiert damit die gängige Reiseführerliteratur, indem sie einen Guide zum Roten Planeten vorlegt.

Mit etwas mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war das Fotobuchfrühstück eine wirklich gelungene Initiative, die sich hervorragend ins Programm der Foto Wien einfügte.

Die folgende kleine Fotogalerie  soll einen kleinen Einblick in die Atmosphäre vermitteln.

Videosonntag: Fotografie – Klassenwaffe

Bis 2. Februar 2019 läuft im Pariser Centre Pompidou die Ausstellung „Photographie – arme de classe“.

Der Titel – die „Fotografie als Klassenwaffe“, also wohl für ein deutschsprachiges Publikum besser als „Die Fotografie als Waffe im Klassenkampf“ zu übersetzen – ist einem programmatischen Text des Journalisten Henri Tracol (1909-1997) entnommen, in dem dieser 1932 die Grundlagen der Fotosektion der „Association des écrivains et artistes révolutionnaires“ (Vereinigung der revolutionären Schriftsteller und Künstler) entwickelte.

Ich werden mich in einem ausführlichen Beitrag hier im Blog mit dem Thema der Ausstellung und einigen theoretischen Überlegungen dazu auseiandersetzen. Nur so viel vorab: In der Ausstellung kann man sehr schön verfolgen, wie aus einer „Sozialfotografie“, welche die Lebensumstände der ärmsten und armen Schichten abbildet (etwa die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenen Fotos von Atget), eine politisch bewusste Darstellung des Lebens der arbeitenden (und arbeitslosen) Klasse wird, die auch klare politisch-ideologische Zielsetzungen hat.

Mehr davon sieht man auch im folgenden, längeren Video, bei dem die Musik evtl. etwas „ungewöhnlich“ ist – man kann sie aber auch einfach wegklicken ;-)!

Statt eines Videosonntags: Rückblick auf die Photo + Adventure 2019

Am 24. und 25. November fand auf dem Gelände der Wiener Messe, genauer: im Messebereich Halle B, die 12. Photo + Adventure Messe statt.

Zunächst – die Organisation war für mich aus Besuchersicht großartig. Obwohl es teilweise großen Andrang an den Kassen und bei den Informationsständen im Eingangsbereich gab, waren die Wartezeiten kurz und das eingesetzte Personal freundlich und kompetent. „Statt eines Videosonntags: Rückblick auf die Photo + Adventure 2019“ weiterlesen

Vernissage „contemporary“ im Fotoquartier, 2. November 2018

Zur Eröffnung des off-festivals vienna 2018 rief das Haus der Fotografie einen Open Call aus. Eingereicht wurden Fotos, die sich inhaltlich mit dem Thema CONTEMPORARY auseinander setzen.

Eine Auswahl der interessantesten Einreichungen wird bei der Eröffnung des off-festivals vienna am Freitag, den 02.11.2018, um 20 Uhr in der Fotoausstellung „CONTEMPORARY“ im FotoQuartier Wien zu sehen sein.

Nun – gestern fand die Vernissage statt und sie war ein meiner Meinung nach ein rundum gelungenes Event.

Markus Hippmann, Leiter des „Hauses der Fotografie“ Wien, führte durch den Abend: Nach einer kurzen Begrüßung zirkulierten die zahlreichen Gäste durch die Räume und begutachteten die ausgestellten Fotografien (nicht, ohne sich zwischendurch mit Säften, Wein und Knabbergebäck zu laben).

Gegen 20.30 wurden der Reihe nach die Fotografinnen und Fotografen auf die Bühne gebeten und konnten kurz ihre jeweiligen Projekte  vorstellen.  Markus Hippmann überreichte jeder Teilnehmerin und  jedem Teilnehmern einen Ausstellungskatalog, der regulär im Haus der Fotografie und im Fotoquartier für nur unglaubliche 15,– EUR erworben werden kann.

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Die geglückte Visualisierung der österreichischen Geschichte im Mumok

Die Ausstellung Photo/Politics/Austria im Wiener MUMOK ist ein bemerkenswerter pointierter Beitrag zum oft strapazierten „Gedenkjahr“ 2018.

100 Jahre Republik – das kann gefährlich werden. Dann beispielsweise, wenn man eine Art republikanischen Urknall erfindet, der die Geschichte des neuen Staates von der imperialen Vergangenheit des Vielvölkerstates der Habsburger loslöst. Oder wenn man ignoriert, dass sich bis weit in die Gegenwart hinauf relevante Fraktionen der herrschenden Klasse niemals mit der republikanischen Idee anfreunden konnten.

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Ausstellungstipp: Bretagne in Baden – La Gacilly

Es gibt schon ein paar Blogbeiträge auf complexityinaframe, die sich mit dem Festival La Gacilly beschäftigen. Das waren “Aufwärmrunden”, weil ich bis dahin noch keine Gelegenheit hatte, die “Ausstellung” La Gacilly/Baden I love Africa zu besuchen.

Warum die Anführungszeichen? Weil “Ausstellung” dem, was in Baden geboten wird, einfach nicht gerecht wird. Die kaiserliche Kurstadt in der Nähe Wiens zeichnet sich durch einen ganz bestimmten imperialen Charme aus, der von der Römertherme, dem Strandbad und dem Casino bis heute aufrecht erhalten wird und einen Hauch von Fin-de-siècle-Dekadenz ausstrahlt. Und  mitten drin, an verschiedenen Orten – in Parks, Passagen, Innenhöfen, Hauswänden, dem Becken eines Kanals: Fotos. Nicht irgendwelche Fotos. Nein – durch die Bank brillante Fotos, in einer Größe und Darbietungsform, die einen buchstäblich anspringt. So anspringt wie einige der exotischen Tiere, die wir im Rahmen des Festivals zu sehen bekommen. „Ausstellungstipp: Bretagne in Baden – La Gacilly“ weiterlesen