Porträt: Melanie Berger, 97

Melanie Berger, im Juni 2019, Wien

Die freundlich lächelnde 97-jährige Dame auf dem Foto kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. 1921 in Wien geboren, politisiert sich die Jugendliche in den 30er Jahren,sympathisiert mit den illegalen Revolutionären Sozialisten, schließt sich dann aber doch den trotzkistischen Revolutionären Kommunisten (RK) an. Sie nimmt an illegalen Aktionen gegen das austrofaschistische Regime, aber auch die drohende Nazigefahr teil. Im Mai 1938 kann sie mit viel Glück, aber auch Kaltblütigkeit, über Belgien nach Frankreich fliehen.

Nach dem Überfall der Nazis auf Polen hat sie zunächst Glück und kann sich mit verschiedenen Jobs über Wasser halten; der Deportstion in ein Lager entgeht sie ganz knapp, sie sitzt bereits im Zug in Clermont-Ferrand, als sie hört, dass die französischen Polizisten noch nach freiwilligen Hausgehilfinnen suchen. Zwischen 1940 und 1942 schließt sie sich dann in Montauban ihren (ebenfalls) untergetauchten RK-Genossen an. 

1942 fliegt die Gruppe auf, Melanie wird verhaftet und später nach Marseille überstellt. Im Gefängnis La Baumette erkrankt sie an Gelbsucht und wird in des Gefangenentrakt des Hospitals von Marseille gebracht. Am 15. Oktober 1943 wird sie dort von ihren Genossen, die sich als Gestapo-Leute verkleidet haben und in Begleitung eines uniformierten Wehrmachtssoldaten, den sie vom revolutionären Defätismus überzeugen konnten, befreit. Wieder folgt eine Phase der Illegalität.

1946 soll sie in Frankreich von Gendarmen verhaftet werden – sie wird immer noch wegen der Flucht aus dem Nazigefängnis gesucht. So, wie sie um die Anerkennung ihrer Tätigkeit im Widerstand in Frankreich kämpfen muss, muss sie in Österreich um die Anerkennung ihrer Staatsbürgerschaft kämpfen.

In Frankreich heiratet Melanie den hochdekorierten Widerstandskämpfer Lucien Volle – Mitglied der KPF. Ihren Kampf für eine gerechte Welt gibt sie nie auf. Heute spricht sie als Zeitzeugin mit Kindern und Jugendlichen über ihr Leben und warnt vor der Unterschätzung der aktuellen faschistischen Bewegungen. Manchmal kehrt sie nach Wien, an die Stätten ihrer Kindheit und Jugend, zurück.

Sie erzählt aus ihrem Leben – immer bescheiden, immer mit einem Sinn für Situationskomik. Eine nach wie vor aktive und engagierte junge Frau von fast 98 Jahren also.

Ein ausführliches Porträt Melanie Bergers von Nils Klawitter findet sich in: Spiegel Geschichte 2/2019, ab Seite 84)

Ausstellungstipp: Vivian Maier in der Galerie Westlicht, Wien

Vivian Maier (1926-2009) gilt heute als eine der ganz Großen der Street Photography. Ein bisschen erinnert ihr Schicksal an jenes von Vincent van Gogh, der zu Lebzeiten kein einziges Bild verkaufen konnte. Inwieweit diese Assoziation berechtigt oder das Ergebnis einer bewusst gesteuerten Interpretation ihrer Biografie seitens eines der Käufer von Maiers Nachlass ist, sei dahingestellt.

Vivian Maiers fotografischs und filmisches Werk wurde erst nach ihrem Tod bekannt. Und dieses Werk umfasst unter anderem an die 100.000 teilweise nicht einmal entwickelte Negative; Tonbänder; 8mm Schmalfilme. „Ausstellungstipp: Vivian Maier in der Galerie Westlicht, Wien“ weiterlesen

Ausstellungstipp: Robert Vano im Tschechischen Zentrum / Ekspozicia konsilo: Roberto Vano en la ĉeĥa centro

Wie schon einmal erwähnt gibt es zur Zeit im Tschechischen Zentrum in Wien eine Robert-Vano-Retrospektive. Bis zum 1. Juni kann man die liebevoll gestaltete Ausstellung besuchen. Hier ein kleiner „Einblick“:

Kiel jam menciis, nuntempe estas Roberto Vano retrospektivo en la ĉeĥa centro en Vieno. Ĝis la 1-a de junio vi povas viziti la amike desegnitan ekspozicion. Jen iom da „enrigardo“:

Die Portfolio-Seite – gründlich erneuert

Auch bei hochsommerlichen Temperaturen ist gelegentlich ein Frühjahrsputz angesagt. Daher habe ich heute endlich Zeit dafür aufgewendet, meine Portfolioseite (oben anzuklicken!) von etlichen Bugs zu säubern und ein bisschen aufzuräumen. Und neue Fotos sind natürlich auch dazu gekommen.

Auch die Farben habe ich deutlich aufgehellt – weg vom klassischen Schwarz, hin zu einer freundlichen hellen Benutzeroberfläche.

Dahinter steckt die Absicht, in Zukunft wieder auf dem „Hauptblog“ mehr theoretische und inhaltliche Texte und weniger eigene Fotos zu veröffentlichen. Die Fotos, die ich selbst nach kritischer Betrachtung „herzeigbar“ finde, wandern dann ins Portfolio, während mein Instagram-Account für die „schnellen“ Fotos gedacht ist.

Feedback ist natürlich herzlich willkommen!