Videosonntag: Ein Film von Helen Levitt über das Leben in Harlem Ende der 40er Jahre

Zur Zeit zeigt die Albertina in Wien eine Ausstellung mit Arbeiten von Helen Levitt (1913-2009). Sie war eine der ganz Großen der Streetphotography.  Sie bewegte sich im Umfeld der New York Photo League, arbeitete seit 1938 mit Walker Evans und entdeckte bald den Film als Ausdrucksmittel.

1948 drehte sie mit dem Fotografen James Agee und der Malerin Janice Loeb einen Film über das Leben in East Harlem: „In the street“. Hier die Fassung aus dem Jahr 1952 mit Musik von Arthur Kleiner.

Videosonntag: Vivian Maier – die BBC-Dokumentation

[Achtung: Die Dokumentation ist auf Englisch und leider nicht untergetitelt]

Zur Zeit ist in Wien zum ersten Mal eine Vivian-Maier-Ausstellung zu sehen. Als Hintergrundinformation: Eine der beiden großen Dokumentationen über das Leben der fotografierenden Nanny. „Vivian Maier – who took Nanny’s pictures?“ wurde erstmals im Sommer 2013 in England ausgestrahlt, kurz vor der Premiere des Films „Finding Vivian Maier“ von John Maloof. Ein kurzer Kommentar dazu unter dem folgenden Video:

Ein paar Worte zu obiger Dokumentation: Schon bald nachdem die ersten Fotos (Negative und Anzüge, teilweise nicht ausgearbeitete Filme) von Maier 2007 im Rahmen einer Zwangsversteigerung an hauptsächlich drei Bieter gingen, zeichnete sich eine deutliche Kontroverse um die Bewertung und den Umgang mit den Fotos ab. Die Deutungshoheit errang zweifellos John Maloof, der unter anderem mit Crowdfunding-Mitteln die preisgekrönte Doku „Finding Vivian Maier“ drehte. Kritiker warfen Maloof vor, dass er mit „seiner“ Erzählung des Lebens von Vivian Maier auch seinen Anspruch auf die Vermarktung der Fotos stützen wollte.  „Videosonntag: Vivian Maier – die BBC-Dokumentation“ weiterlesen

Jakob Riis (1849-1914) – ein Fotograf kämpft gegen das Elend

Jakob Riis

Im Amsterdamer Muesum FOAM  ist noch bis Mitte April eine bemerkenswerte Ausstellung über Leben und Werk des aus Dänemark stammenden Pioniers der Sozialfotografie Jakob Riis zu sehen.

1870 kam der 21jährige völlig mittellos in New York an und hielt sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. 1873 fand er eine Anstellung als Reporter bei den South Brooklyn News und später als Polizeireporter bei der New York Tribune. Bereits in seinen frühen journalistischen Arbeiten wird der aktivistische, engagierte Immigrant spürbar: Es sind keine voyeuristischen Geschichten über die Außenseiter und Getretenen – er, der die Armut und die unwürdigen Lebensumstände der Menschen in der Lower East Side am eigenen Leib erfahren hat, will aufrütteln, will zeigen, welches Leid in der glitzernden Großstadt mit dem Luxus der Reichen koexistiert. „Jakob Riis (1849-1914) – ein Fotograf kämpft gegen das Elend“ weiterlesen

Sarah Blesener: „Wie ein Patriot gemacht wird“

Sarah Blesener (c) Sarah Blesener

Die AnastasiaPhoto-Galerie in New York hat sich auf Fotoausstellungen spezialisiert, die sich mit sozialen und Umweltthemen beschäftigen. Zur Zeit ist dort eine Ausstellung von Sarah Blesener mit dem Titel “The Making of a Patriot” zu sehen.

Die in Minnesota geborene Fotografin ist jetzt in New York zu Hause. Schon während ihrer Studienzeit arbeitete sie als Fotografin für die Organisation “Healing Haiti” und fotografierte die Ereignisse rund um das Erdbeben auf der Insel im Jahr 2010. Ab 2012 studierte sie an der Bookvar Russian Academy in Minneapolis und lernte Russisch.

Das erleichterte die Arbeit an zwei komplementären Projekten: die Dokumentation der “patriotischen Erziehung” von Kindern und Jugendlichen in Russland und in den USA.

Mehr als 400.000 Kinder und Jugendliche ab acht Jahren werden jährlich in den USA in sogenannten patriotischen Camps, die häufig paramilitärisch organisiert sind, damit vertraut gemacht, was „echte“ Amerikaner ausmacht. Eine wesentliche Trägerorganisation dieses Programms ist das Junior Reserve Officers‘ Training Corps, eine Institution der amerikanischen Streitkräfte.

Sarah Blesener hat quer durch die Vereinigten Staaten Camps dieser “patriotischen Ertüchtigung” besucht und den Alltag und die Reaktionen der Kinder und Jugendlichen festgehalten. Es sind erstaunliche und erschreckende Einblicke in einer militarisierte Kindheit, die in aller Öffentlichkeit beworben und von Mainstream-Medien beifällig akklamiert wird.

Auf der Homepage der AnastasiaFoto-Galerie finden sich aussagekräftige Beispiele für die sozialdokumentarischen Arbeiten von Sarah Blesener.

Anastasia Photo specializes in Documentary Photography and Photojournalism. The gallery also serves as a center for discussion and portfolio review.

Quelle: Anastasia Photo | NYC Photography Gallery

Heute: Gelati, Gelati! Demnächst: frische Quellen!

Der Sommer schreit nach sommerlichen Fotos. New Yorker haben es gut: sie können in der Galerie Robert Mann eine höchst erfrischende Ausstellung sehen: I scream, you scream. Ja, das ist ein Wortspiel. Icecream wird zu I scream, ich schreie. Und zwar nach Fotos wie denen bei Robert Mann.

Abgesehen von den originellen Bildern, die man auf der Homepage der Galerie in Ruhe betrachten kann, hat man die Möglichkeit eines virtuellen Rundgangs durch die Ausstellungsräume.

Wer also sein digitales Equipment nicht den Händen amerikanischer Einwanderungsbeamter anvertrauen will, sondern lieber von zu Hause aus die Welt erkundet, sollte sich die Homepage der New Yorker Galerie nicht entgehen lassen.

Bei dieser Gelegenheit übrigens gleich eine kleine Ankündigung für einen der nächsten Beiträge: auf diese Ausstellung wurde ich durch die Website L’oeil de la photographie aufmerksam. Ich möchte demnächst einen Artikel veröffentlichen, in dem ich eine Reihe von Websites und Zeitschriften vorstellen werde, die ich als Informatiosquellen benutze. Ich halte wenig davon, wenn man als Blogger den grossen Allwissenden spielt und verbissen die Quellen seiner Weisheit verbirgt. Recherchieren im Netz ist langwierig, man kann es zum Glück optimieren!

Robert-Haas-Ausstellung: Streetphotography, made in Vienna

Noch bis zum 26. Februar kann man im Wien Museum am Karlsplatz die Ausstellung „Robert Haas – der Blick auf zwei Welten“ besichtigen.

Der 1898 in Wien geborene Robert Haas ist über lange Jahre hindurch als Fotograf in Vergessenheit geraten. Von seiner Ausbildung her Techniker, interessierte er sich schon sehr früh für Typographie und Drucktechnik. Aber auch Fotografie reizte ihn und so richtete er sich eine kleine Dunkelkammer ein.

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Gedränge an der Kassa im Wien Museum. Allerdings läuft parallel dazu (in der letzten Woche) mit „Sex in Wien“ die erfolgreichste Ausstellung des Hauses. 😉

In Wien gründete er mit Carry Hauser und Fritz Siegel im 3. Bezirk 1925 die „Officina Vindobonensis“, ein Atelier für künstlerischen Plakat- und Buchdruck.  Durch seine Tätigkeit als Grafiker kam er mit den Künstlerkreisen der 20er und 30er Jahre in engen Kontakt. Bei der bekannten Atelierfotografin Trude Fleischmann absolvierte er eine Ausbildung – es war zugleich der Beginn einer lebenslangen Freundschaft zwischen den beiden, die sich auch in der Emigration fortsetzte.

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Videosonntag: Robert Frank, The Americans

Robert Frank, geboren 1924 in Zürich, absolvierte in der Schweiz eine solide Berufsausbildung zum Fotografen. 1947 reiste er zum ersten Mal nach New York.

1959 erschien sein Fotobuch „The Americans“, das bis heute beeindruckend geblieben ist. Warum, erklärt das folgende Video.