Sehenswert: „Liebe am Werk“ über Capa und Taro

ARTE hat heute (17.4.) zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt eine sehenswerte Dokumentation über Robert Capa und Gerda Taro ausgestrahlt.

Zum Glück ist der Beitrag noch eine Zeit auf der ARTE-Mediathek zu sehen. Und noch ein Tipp: Im gleichen Format („Liebe am Werk“) gibt es am 28. April 2019 um 16.25 Uhr eine Doku über Lee Miller und Man Ray!

https://www.arte.tv/de/videos/079434-002-A/liebe-am-werk/

Erich Lessing (1923 – 2018)

Der bedeutende österreichische Fotograf Erich Lessing ist im Alter von 95 Jahren verstorben.

Seine Fotos vom ungarischen Aufstand 1956 sind ebenso weltberühmt wie andere Arbeiten, die er für Magnum fotografiert hat: der historische Besuch Charles de Gaulles in Algerien oder, natürlich, die Fotos von der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags.

In den 60ern Jahren begann Lessing mit einer ganzen Serie von Künstlerporträts und der Dokumentation von bedeutenden Werken der bildenden Kunst und Architektur.

Ein sehr berührende Nachruf auf Erich Lessing findet sich im Wiener KURIER, am Ende des Artikels gibt es eine ganze Reihe von Links zu Leben und Werk des Verstorbenen:

https://kurier.at/kultur/fotograf-erich-lessing-95-jaehrig-gestorben/400103219

16 Magnum-Fotografinnen und Fotografen über „Heimat“

Im März 2018 wurde in Zusammenarbeit zwischen Fujifilm und Magnum Photos in New York das gemeinsame Projekt „Home“ vorgestellt: Insgesamt 16 Fotografinnen unbd Fotografen der legendären Agentur stellten einmal nicht das Leben anderer, sondern ihr eigenes in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten.

Schon 2016 hatte Fujifilm angeregt, dass sich Fotografinnen und Fotografen mit diesem Thema auseinandersetzen sollten. „Home“ – nicht ganz treffen mit „Heimat“ übersetzbar – was ist das für Menschen, die oft jahrelang auf Achse sind, unter teilweise abenteuerlichen Bedingungen das Leben von Menschen auf anderen Kontinenten dokumentieren, komplizierte und oft brüchige Beziehungen leben, zwischen Kulturen pendeln?

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Abbas [Attar], 1944-2018

SOUTH VIETNAM. 1973. Photographer ABBAS wears helmet and flack-jacket while covering the war.
(c) Abbas / Magnum Photos

Am 25. April 2018 starb in Paris der aus dem Iran stammende Magnum-Fotograf Abbas. Als er acht war, verließ er mit seiner Familie sein Geburtsland und siedelte sich in Frankreich an, im Alter von 20 Jahren begann er als Fotojournalist für algerische Zeitungen zu arbeiten, mit 22 erhielt er seinen ersten großen internationalen Auftrag: Für das IOC dokumentierte er die Olympischen Spiele in Mexiko 1968.

Abbas, der unter anderem für Jeune Afrique, die Agentur Gamma und dann ab 1983 ausschließlich für Magnum arbeitete, hatte eine eigene Konzeption von Fotografie. Seiner Meinung nach teilt sich die Welt der Fotografinnen und Fotografen in zwei Lager: Die einen, die mit dem Licht zeichnen, und die anderen, die damit schreiben. Ein Musterbeispiel für die erste Kategorie war für ihn Henri Cartier-Bresson. Die zweite Kategorie ist die seltenere – in sie fiel Abbas selbst hinein.  Als er zwischen 1983 und 1986 Mexiko bereiste tat er es nicht wie ein Fotograf auf der Suche nach Bildern – er ging an das Land und die Menschen so heran, als wollte er einen Roman schreiben. Return to Mexico, journeys beyond the mask war das Ergebnis dieser Reise – ein phantastischers Fotobuch, eine Art Reisetagebuch und ein konzeptionelles Manifest für seine Art, die Welt zu sehen.

Ein Projekt, das Abbas seit den späten 70er Jahren bis zu seinem Tod verfolgte, hängt eng mit seiner eigenen Biographie zusammen. Er dokumentierte die 1979 beginnende Revolution gegen den Schah im Iran und dann die theokratische Konterrevolution des schiitischen Klerus; er fotografierte in Nordirland einen Konflikt, der scheinbar entlang konfessioneller Linien verlief. In Asien um am indischen Subkontinent porträtierte er Buddhismus und Hinduismus, Lehren, die aus Unkenntnis im Westen oft als besonders friedfertig rezipiert werden. Abbas wird wohl als der Fotograf in die Geschichte des Mediums eingehen, der sich am konsequentesten mit der politischen Dimension von Religion(en) beschäftigt hat.

Allah O Akbar, a journey through militant Islam erschien 1994 bei Phaidon in London – mit unerhörter Klarsicht zeigt Abbas in diesem Buch, welche Auswirkungen ein politisierter Islam in Zukunft haben könnte. 2000 folgte Faces of christianity, und dann ein Sidestep  über den Animismus.

Abbas hat Konflikte in aller Welt dokumentiert, und er hat mit ganz wenigen Ausnahmen schwarz-weiß gearbeitet.  Eine gute Wahl für jemanden, der mit dem Licht schreibt – schwarz auf weiß.

Ich danke der Familie Abbas und der Agentur Magnum für die Erlaubnis, das Foto in diesem Beitrag verwenden zu dürfen!

 

 

John G. Morris, Bildredakteur – 7. 12. 1916 – 28. Juli 2017

John Godfrey Morris wurde am 7. Dezember 1916 in Maple Shade, New Jerseym geboren und wuchs in Chicago auf. An der Universität von Chicago entdeckte er in den 30er Jahren seine Liebe zum Journalismus, arbeitete an der Studentenzeitung mit und gründete selbst ein Magazin, PULSE, das nach dem Vorbild von LIFE modelliert war. „John G. Morris, Bildredakteur – 7. 12. 1916 – 28. Juli 2017“ weiterlesen

Videosonntag: Auf den Spuren von Inge Morath

Der Film „Diary of a Journey“ ist eine liebevolle Würdigung von Inge Morath – jener österreichischen Fotografin, die das erste weibliche Vollmitglied von Magnum wurde. Acht internationalen Fotografinnen, Olivia Arthur (GB), Lurdes R. Basolí (E), Kathryn Cook (USA/CH), Jessica Dimmock (USA), Claudia Guadarrama (MEX), Claire Martin (AUS), Emily Schiffer (USA) und Ami Vitale (USA), sämtlich Preisträgerinnen des „Inge Morath Awards“, der jährlich von der Magnum Foundation und der Inge Morath Foundation an herausragende junge Fotojournalistinnen vergeben wird, folgen den Spuren Inge Moraths entlang der Donau.

Achtung: Der Film ist teilweise auf Deutsch, Englisch und Spanisch. Gegebenenfalls kann man sich auf Youtube eine automatisch erzeugte Transkription der englischen Texte einblenden lassen. Allerdings: Die Bilder sprechen für sich.

 

„Magnum manifesto“ – ein Fotobuch der Extraklasse

2017 feiert die legendäre Fotoagentur Magnum ihren 70. Geburtstag.  Die Großausstellung “magnum manifesto” zieht eine außergewöhnliche Bilanz dieser sieben Jahrzehnte, in denen Magnum die zeitgenössische Fotografie wesentlich mitgeprägt hat.

Es ist ein großes Glück, dass sich die Ausstellung und der hervorragende gleichnamige Katalog auf eine ebenso bemerkenswerte Dissertation von Clara Bouveresse über Magnum stützen kann. Die Doktorarbeit der jungen französischen Fotohistorikerin  ist unter dem Titel “Histoire de l’agence Magnum – L’art d’être photographe” beim renommierten Flammarion-Verlag in Paris erschienen.

Bouveresse stützt sich auf lange ignoriertes Archivmaterial und kann dadurch einige Mythen widerlegen, die Magnum von seiner Geburtsstunde an begleitet haben. Sie tut dies auf eine ausgesprochen liebenswürdige Art.  Sie will niemanden entlarven, und indem sie die Fakten korrekt präsentiert, zerstört sie die Mythen nicht, sondern situiert sie in einem breiteren und komplexen Kontext, der ihre Entstehung verstehen lässt.

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David Seyomours Reportage über Omaha-Beach (Normandie) zwei Jahre nach der alliierten Landung

Natürlich hat es Stil, wenn der Legende nach Robert Capa, William Vandivert, Henri Cartier-Bresson, George Rodger und David Seymour im Frühjahr 1947 bei einem Mittagessen in der Cafeteria des  MoMA (Museum of Modern Art) in New York eine Magnumflasche Champagner köpften und dabei eine ganz besondere Fotografen-Kooperative gründeten, um den Fotografen endlich zu ihrem Recht auf ihre Werke zu verhelfen. Und natürlich stand die Magnum-Flasche Champagner bei der Namensgebung der kooperativen Agentur Pate. Nicht in der Anekdote erwähnt werden die beiden weiblichen Gründungsmitglieder Maria Eisner und Rita Vandivert, die immerhin die erste Magnum-Präsidentin war.

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Die erste Seite des Eintrags von Magnum im New Yorker Handelsregister, 22. Mai 1947

Gerade im Zusammenhang mit Robert Capa wäre es aber falsch, jedes seiner Worte über die Gründung der Agentur auf die Waagschale zu legen. So wie die anderen Gründer von Magnum hatte sich Capa seit dem Spanischen Bürgerkrieg einen Namen gemacht. Das sogar wortwörtlich. Aus dem ungarischen Fotografen Endre Friedmann hatte sich der international berühmte Robert Capa gehäutet. Er gilt als einer der großen Neueren des Fotojournalismus. Henri Cartier-Bresson wiederum wird als Fotokünstler und Meister des Goldenen Schnitts verehrt (auch wenn seine Fotoreportagen Maßstäbe gesetzt haben).  Der gebürtige Pole  David Seymour hatte sich ebenfalls auf den Schlachtfeldern Spaniens als Fotoreporter hervorgetan. William Vandivert und George Rodger hatten als Kriegsreporter den Kampf der Alliierten gegen Nazideutschland begleitet und dann die Situation in Nackriegseuropa dokumentiert.

Da wäre es doch wirklich viel zu prosaisch, die Gründung der Agentur an der Hinterlegung einer Satzung beim New Yorker Handelsgericht festzumachen, oder nicht? Genau diese Satzung aber zeigt, wie viel Denkarbeit hinter der Schaffung einer Agentur steckte, die völlig verschiedene Fotografinnen und Fotografen zusammenführen und deren Interessen vertreten wollte, ohne einen Einheitsstil vorzuschreiben.

Vereinfacht ausgedrückt waren die Fotografinnen und Fotografen vor Magnum billige Lohnsklaven der Magazinherausgeber. Einmal veröffentlicht, verloren sie jedes Recht am Negativ. Sie hatten keinen Einfluss, welche Bildunterschriften unter ihren Fotos abgedruckt wurden, sie konnten nicht beeinflussen, in welchem Kontext ihre Fotos erschienen.

Das wurde mit Magnum anders. Als Pool hervorragender und selbstbewusster Fotografen  begann Magnum, die Bedingungen für den Abdruck der Fotos der Mitglieder der Kooperative zu diktieren. Verwertungsrechte und Negative blieben jetzt bei den Fotografen, und damit eröffnete sich ein völlig neuer Weg, um Ausstellungen oder Fotobücher zusammenzustellen. Kein Wunder, das mit Magnum auch die Glanzzeit des Fotobuchs begann.

Zugleich formulierte die Magnum-Charta hohe ethische Ansprüche. Im weitesten Sinn lässt sich die Geschichte Magnums in die Geschichte der Schule der humanistischen Fotografie einreihen.

“Magnum manifesto” beschönigt die Konflikte innerhalb der Magnum-Gesellschafter nicht. Die Agentur war natürlich einem Wachstumsprozess unterworfen. Schon früh wurde etwa die aus Österreich gebürtige Fotografin Inge Morath in die Kooperative aufgenommen. Der Tod Capas 1954 in Vietnam durch eine Landmine und die Erschießung Seymours in Ägypten 1956 änderten natürlich auch das Klima im Kollektiv. Die ausgeklügelte und langwierige Prozedur der Aufnahme neuer Mitglieder barg immer wieder Zündstoff in sich.

Der Aufbau des bei Schirmer Mosel auf Deutsch erschienenen, 416 Seiten starken und daher buchstäblich gewichtigen Katalogs ist elegant, übersichtlich und wohldurchdacht: Die Einleitung von Clément Chéroux umreißt nicht nur kurz die Geschichte der Agentur, sie weist auf Problemfelder hin, die sich aus dem ambitionierten Konzept der “Gründerväter” (und der verschwiegenen Mütter) ergeben haben.

Näher ausgeführt wird das im schönen Beitrag von Clara Bouveresse “Nichts als Champagner” (ein Zitat von Rita Vandivert, die dem Fotografen George Rodger zum ersten Geburtstag Magnums “nichts als Champagner” versprach).

Der I. Teil umspannt die Jahre 1947 – 1968: “Menschenrechte und menschliches Unrecht” (im englischen Katalog gibt es hier das Wortspiel “human rights and wrongs”). Die Fotoauswahl in allen Teilen des Katalogs lässt so gut wie alle Magnum-Fotografinnen und Fotografen zu Wort kommen, aber ohne einen künstlichen Anspruch auf Parität. Es geht darum, den für jede Phase der Magnum-Geschichte typischen Geist wiederzugeben. Der I. Teil zeigt, wie unterschiedlich der humanistische Anspruch der Charta umgesetzt wurde – sei es Erich Hartmanns Essays über das “täglich Brot” oder die Beiträge zur “Generation X”, dem ambitionierten Versuch, die Weltjugend darzustellen. Ein Exkurs “Amerika in der Krise” leitet zu Teil II über – “Ein Inventar der Differenzen”.

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The Train – Magnum-Fotograf Joseph Roddy dokumentierte die Reaktion der Menschen am Weg des Zuges, der den Leichnam des ermordeten Robert Kennedy von New York nach Washington brachte

Randgruppen, Randerscheinungen, von der Gesellschaft versteckte oder weggesperrte stehen hier im Zentrum. Bilder aus psychiatrischen Anstalten ebenso wie die legendäre Studie von Josef Koudelka, “Gypsies”, oder Susan Meiselas “Carnival Strippers”. Der Zeitraum des II Kapitels geht von 1969 – 1989 – hier setzt Teil III ein: “Endzeitgeschichten”.

Natürlich beginnt alles mit dem Fall der Berliner Mauer und der Zersetzung der Sowjetunion.  Hier finden wir Bilder aus dem berühmten Fotoessay von Thomas Dworzak über die Taliban ebenso wie Donovan Wylies Besuch im damals schon stillgelegten nordirischen Hochsicherheitsgefängnis Maze.

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Jérôme Sessini, Der Tod von Hugo Chávez

Der Epilog, “Magnum ist…” enthält nicht, wie es verlockend gewesen wäre, Bonmots und kurze Sentenzen über die Agentur – hier werden Briefe und schriftliche Diskussionsbeiträge von Mitgliedern der Kooperative abgedruckt, die zeigen, wie lebendig, intellektuell und empathisch die Idee Magnum in diesem 70 Jahren diskutiert wurde.

Hoffen wir, dass die Magnum-Ausstellung auch in Österreich zu sehen sein wird. Einstweilen können wir uns aber an diesem wirklich bemerkenswert schönen Buch erfreuen.

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Magnum Manifesto

Herausgegeben von Clément Chéroux. In Zusammenarbeit mit Clara Bouveresse.

Aus dem Englischen von Saskia Bontjes van Beek.

416 Seiten, über 450 Bilder, davon 190 in Farbe.

Format: 24,5 x 29,5 cm, gebunden. Deutsche Ausgabe.

Schirmer/Mosel, EUR 49,80 (Deutschland), 51,20 (Österreich)

Bruce Davidson – ein Meister der humanistischen Fotografie

In der Wiener Galerie WestLicht gibt es bis 13. August 2017 eine große Bruce Davidson-Retrospektive zu sehen.

Bruce Davidson wurde 1933 in Oak Park, Illinois, USA, geboren. Bereits mit zehn Jahren begann er zu fotografieren. Er gewann 1949 den “Kodak National High School Award”, absolvierte anschließend eine Fotografenlehre und arbeitete unter anderem als selbständiger Fotograf für “Life”. 1958 wurde er Mitglied der legendären Bildagentur Magnum, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiert.

Bruce Davidson gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Schule der ”humanistischen Fotografie”. Diese Richtung ist untrennbar mit den Namen Henri Cartier-Bresson, André Kertesz, Brassai oder Sabine Weiss verbunden. Die dem fotografischen Humanismus verpflichteten Künstler versuchten, über das Sozialdokumentarische hinaus das Alltagsleben der Menschen, ihre “condition humaine” , wiederzugeben. Kein Wunder, dass die Entstehung dieser Schule untrennbar mit den sozialen Umwälzungen im Frankreich der 30er Jahre und der Entstehung sozialkritischer, politisch engagierter Fotomagazine wie VU oder REGARDS verbunden ist.

Auf der anderen Seite des Atlantik fand die humanistische Fotografie unter den Fotografinnen und Fotografen der “Farm Security Administration” der Regierung Roosevelt ihr Gegenstück. Auch dort wandten sich großartige Dokumentaristen und Künstler dem Schicksal der deklassierten, Entwurzelten, der unterdrückten Schichten der amerikanischen Bevölkerung, zu.

Letzten Endes bekannten sich die Gründer von Magnum 1947 zu den Prinzipien der humanistischen Fotografie. Heute ist Bruce Davidson einer der letzten lebenden Zeugen dieser bemerkenswerten Tradition. WestLicht stellt 160 Fotos des amerikanischen Fotografen aus. Es ist eine beeindruckende Werkschau, die das Oeuvre Davidsons in seiner gesamten Vielfalt widerspiegelt.

Station 1 der Ausstellung zeigt das erste vollständig verwirklichte Projekt Davidsons. Als er 1955 seinen Militärdienst in Arizona ableistete, lernte er ein altes Ehepaar, die Walls, kennen. Der liebevolle Umgang der beiden alten Menschen miteinander beeindruckte Davidson so sehr, dass er fragte, ob er das Paar fotografieren dürfe. Und so porträtierte der 22-Jährige ein Ehepaar, dessen männliche Hälfte über 90, und die Frau 79 war. Es war ein ärmliches Paar, dass der junge Fotograf abbildete. Obwohl eine tiefe Melancholie über der Fotoserie liegt, konnte Davidson Ausschnitte aus dem Alltag dieser Menschen zeigen, die von einer tiefen menschlichen Verbundenheit mit ihnen Zeugnis ablegt.

Diese Fähigkeit, sozialen Randgruppen oder vom Schicksal Gezeichneten mit Respekt und Menschlichkeit zu begegnen, ist das Geheimnis der beeindruckenden Fotografien Bruce Davidsons. Seine Reportage “The dwarf and the circus” , die Porträts des kleinwüchsigen Clowns Jimmy Armstrong, berühren den zeitgenössischen Betrachter nach wie vor unmittelbar. Nein, das ist kein Spaßmacher, den uns Davidson zeigt. Wir sehen einen Menschen, der trotz aller Schicksalsschläge das Beste aus seinem Leben macht, weil er nur dieses eine hat.

Egal, ob die “Brooklyn Gangs” oder die amerikanische Bürgerrechtsbewegung – Bruce Davidson war überall dabei, wo sich die Widersprüche der amerikanischen Gesellschaft manifestierten. Beschämt muss ich zugeben, dass ich sehr, sehr viele Fotos, die mich seit Jahren beeindruckt haben, nicht Bruce Davidson zugeordnet hatte. Vielleicht ist das ein Nebenprodukt der Bescheidenheit des Fotografen, der hinter seine Bilder zurücktritt.

Eine Ausstellung der Fundación MAPFRE in Zusammenarbeit mit WestLicht. Schauplatz für Fotografie, und Magnum Photos, realisiert mit Unterstützung der TERRA Foundation for American Art.

Die Ausstellung ist bis 13. August 2017 zu sehen.