In den Fußstapfen der Geflüchteten: Michael Bunel

Seit mehr als sechs Jahren beschäftigt sich der französische Fotograf Michael Bunel mit einem Thema, in das er als Pressefotograf beinahe „hineingestolpert“ ist: Im Frühjahr 2013 wurde er an der türkisch-syrischen Grenze festgesetzt, als er sich zur Front bei Aleppo durchschlagen wollte. Dort begegnete er erstmals syrische Zivilisten, die vor den Kämpfen flüchteten, teilte eine Zeitlang ihr Leben und wurde zum ersten Mal mit der Realität der Flüchtlingslager in Syrien konfrontiert.

Seit Tagen warten die Flüchtlinge unter dem Schnee auf einen Platz im Humanitären Zentrum an der Porte de La Chapelle. Paris, Frankreich. Februar 2018.

Das Thema ließ Bunel nicht los. Er dokumentierte die Fluchtrouten nach Westeuropa und die Geschichten derer, die gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen. Nun ist das Buch „Exil“ erschienen, das den weiten Weg von Syrien auf die Straßen der europäischen Hauptstädte verfolgt. Die Fotos bilden die Zusammenfassung dreier Projekte:

„Au bout de vos rêves“ („Am Ziel eurer Träume“) folgt Geflüchteten auf den europäischen Migrationsrouten;

„Un an dans la Jungle“ („Ein Jahr im Dschungel“) zeigt den Alltag in den Slums von Calais

„Au pays des droits de l’Homme“ („Im Land der Menschenrechte“) gibt einen Überblick über die Aufnahmebedingungen von Geflüchteten in Frankreich.

Michael Bunel hat Konfliktherde in aller Welt gecovert und seine großartigen Schwarz-Weiß-Fotos sollte man jenen Politikern um die Ohren knallen, die kaltschnäuzig erklären, die Menschen müssten sich an schreckliche Bilder gewöhnen. Nein, müssen sie nicht, dürfen sie nicht.

Bilder können die Welt nicht verändern – sie können aber eine starke Triebfeder dafür sein, dass Menschen diese Veränderung in Angriff nehmen.

New York: Preise und Stipendien für humanistische Fotografie vergeben

Am 17. Oktober fand im Theater der New Yorker School of Visual Arts in der 23rd Street West die seit vier Jahren organisierte Feier des W. Eugene Smith Fonds für humanistische Fotografie statt.

W. Eugene Smith (1918-1978)

Der Fonds würdigt das Vermächtnis des großen Foto-Essayisten W. Eugene Smith, indem er talentierte Dokumentarfotografen finanziell unterstützt, die Hilfe bei der Durchführung eines langfristigen Projekts benötigen. www.smithfund.org

Einer der Höhepunkte des Abends war ein Video des mit 40.000 Dollar geförderten mexikanischen Stipendiaten Yael Martinez zu seinem Projekt „Das Haus, das blutet„. Er erzählt seine eigene Geschichte – zwei Mitglieder seiner Familie waren ermordet worden. Bewegend zeigt Martinez, was der tägliche Terror für die Familien der Opfer bedeutet.

Im Rahmen der Gala wurden die 12 Finalisten bekannt gegeben und ihre Arbeiten in Videos präsentiert. Bemerkenswert sind die 5.000 Dollar Stipendien für Matt Eich und Nadia Shira Cohen. aber die Projekte der Finalisten Pierre Faure „France Periferal“, Debi Cornwall „Necessary Fiction“ und Lalo de Almeida „Amazonian Dystopias“ waren besonders stark.

Ein Höhepunkt des Abends war die Weltpremiere des im Jahr 2020 erscheinenden Films „Minamata“ – ein Spielfilm über Eugene Smith und seinen Fotobericht über Quecksilbervergiftungen in Japan in den 1970er Jahren. Johnny Depp als Smith beeindruckte das Publikum. Der Film ist genau und wahrheitsgetreu recherchiert. Die Kernaussage des Films (und des Lebenswerks von Smith) ist eindeutig: In einer Zeit, in der Konzerne, korrupte Politiker und mafiose Strukturen miteinander mehr und mehr verschmelzen, ist es die Pflicht des humanistischen (Foto)Journalismus, die Menschen aufzurütteln und zum Handeln zu bewegen.

Ein weiterer Höhepunkt war die Rede von Susan Zirinsky, Präsidentin und Chief Executive Producer von CBS News. Sie sprach über ihre Karriere und erklärte, wie die Kraft einer Fotografie  die Aufmerksamkeit aller wecken und öffentliche Debatten anstoßen kann. 

Der vor zwei Jahren ins Leben gerufene Preis für Studenten ging an Fawaz Oyedji aus Nigeria für sein Projekt „Yours in Arms“. Er zeigt darin die Auswirkungen einer paramilitärischen Erziehung in den Universitäten des Landes auf Bewusstsein und Leben der Studierenden.

Jan Grarup: And then there was silence

Der dänische Fotograf Jan Grarup dokumentiert seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts Konfliktherde – und er war teilweise jahrelang in Ländern wie Sudan (sechs Jahre) oder Somalia (vier Jahre).  Seine beeindruckenden und oft erschütternden Fotos sind nur deswegen möglich geworden, weil er die humanitären Katastrophen nicht mit den Augen eines vorbeiziehenden Chronisten sieht, sondern mit dem geschärften Blick eines Menschen, der sich  selbst Gefahren und Leid aussetzt und damit das Vertrauen der Personen, die er fotografiert, gewinnt.

Jan Grarups neues Buch

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