Graffiti und murales in Valencia (1)

In Valencia finden sich unerhört vielfältige Graffiti und Wandmalereien (murales). Sie sind künstlerisch, agitatorisch, witzig, provokant – so wie die Aktivistinnen und Aktivisten, die sie an die Wände sprühen oder pinseln. Hier als erstes Beispiel einer künstlerisch-politischen Wandmalerei ein Sujet, das im Spanischen Staat einen Nerv trifft: Die starke, kämpferische Frau.

Die Arbeitslosenquote bei erwachsenen Frauen liegt mit 17,1 % (2018) rund 3 % höher als jene der Männer. Die allgemeine Prekarisierung, also Lohnarbeit ohne soziale Absicherung oder Vertrag, trifft die Frauen besonders. Dazu gesellt sich im Alltagsleben der nach wie vor stark ausgeprägte Machismo und der nach wie vor starke reaktionäre Einfluss der katholischen Kirche in Fragen der Empfängnisverhütung und der Stellung der Frau in der Gesellschaft.

Kein Wunder, dass es im vergangenen Jahr in Spanien am Internationalen Frauentag (8. März) Massendemonstrationen und einen Frauenstreik gegeben hat, der von zahlreichen Gewerkschaften und politischen Parteien mit Bezug auf die Arbeiter- und Arbeiterinnenbewegung unterstützt wurde. Gefordert wurden unter anderem gleicher Lohn für gleiche Arbeit und allgemeine sozialpolitische Reformen wie eine deutliche Arbeitszeitverkürzung und Verteilung der Arbeit auf alle.

Videosonntag: JR und wie er die Welt beklebt

Im Eropäischen Haus der Fotografie in Paris (Maison Européenne de la Photographie) wird zur Zeit eine große JR-Ausstellung gezeigt. Der junge Fotokünstler, oder besser: Fotoaktivist  hat seine Laufbahn mit 15 als Graffitimaler begonnen. Kein Dach, keine Wand, keine Metro war vor ihm sicher, sein Tag „JR“ prangte über der Stadt. Bis er auf einem Bahnhof eine Kamera fand und begann, seine Freundinnen und Freunde bei der Arbeit zu fotografieren, Der nächste Schritt war bedeutsam: Er vergrößerte mittels Fotokopiergeräten seine Schwarz-Weißfotos und klebte sie an die Wände. Die Hausmauern wurden seine Galerie. Dann entwickelte sich die Idee weiter, und heute ist JR mit seinen teilweise „gigantischen“ Aktionen einer, der Ungleichheit sichtbar macht – von den Favelas in Brasilien über Dörfer in Afrika bis in die indischen Armenviertel.

Der folgende Vortrag von JR ist auf Englisch – lasst euch nicht abschrecken, wenn ihr euch sprachlich nicht fit genug fühlt! Die Foto- und Videoeinspielungen machen JR und sein Werk verständlich. Seht und staunt!