Bildfälschung: Wie in der „Krone“ ein Europaabgeordneter der Grünen in den „Schwarzen Block“ kommt

Im Rahmen meines Blogs habe ich mich immer wieder mit dem Thema der Bildfälschung beschäftigt. Im Gegensatz zur Fotomontage, bei der für den Betrachter ersichtlich teilweise kontroversielle Bilder zusammenmontiert werden, um einen bestimmten Zweck zu erreichen – Erheiterung, vertiefte Einsicht, Satire – ist die Bildfälschung nicht sofort als solche zu erkennen und soll es in den meisten Fällen auch gar nicht sein.

Die Bildfälschung ist ein Instrument der Manipulation und wird daher beispielsweise von Fotoagenturen schwer geahndet – selbst prominente Pressefotografen können innerhalb kürzester Zeit jeden Kredit verspielen, wenn ihnen Manipulationen an Bildern nachgewiesen werden. Selbst kleine Retuschen können da schon reichen, um eine Karriere ein für allemal zu zerstören „Bildfälschung: Wie in der „Krone“ ein Europaabgeordneter der Grünen in den „Schwarzen Block“ kommt“ weiterlesen

Chemnitz: Hitlergruß mit RAF-Tattoo? Wie Rechte Falschmeldungen verbreiten – watson

Quelle: Chemnitz: Hitlergruß mit RAF-Tattoo? Wie Rechte Falschmeldungen verbreiten – watson

Ich habe mich auf complexityinaframe wiederholt mit der Frage von Bildfälschungen und Bildpropaganda auseinandergesetzt. Hier nun ein aktuelles Beispiel aus der Berichterstattung rund um die Nazimobilisierung in Chemnitz am 28. August 2018.

Obwohl Fotos durch die Medien gingen, in denen man militante Neonazis sieht, die vor den Augen der Polizei den Hitlergruß zeigen, hält sich in etlichen Zeitungen und Fernsehberichten das Narrativ von der Kundgebung „besorgter Bürger“, bei der sich bedauerlicherweise – natürlich gegen den Willen der Organisatoren – einige wenige Zwischenfälle abgespielt hätten.

Nun setzt die rechtsextreme Seite noch eins drauf. AfD-Politiker und profaschistische Internetportale verbreiten Bildfälschungen die beweisen sollen, dass „Linke“ in die friedliche Demonstration von ProChemnitz eingesickert seien und dann als Provokateure Nazi gespielt hätten. Das Nachrichtenportal watson.de bringt Beispiele dafür und widerlegt die Fälschungen.

Dubiose Fotos oder: Ein Bild lügt mehr als 1.000 Worte

Am 24. und 25. Juni 2017 veröffentlichte die KRONEN-ZEITUNG in ihrer Online-Ausgabe und in der Sonntags-Printausgabe einen Artikel, der beweisen sollte, was „in vielen der 150 islamischen Kindergärten“ in Wien falsch laufe: bereits verschleierte Kinder, „vollverschleierte Frauen“ brächten diese bedauernswerter Würmer in einen islamischen Kindergarten in Liesing. Und die Beweislast ist erdrückend: Fotos von verschleierten Kindern, die „ein Leser der ‚Krone‘ (…) aus einem Islam-Kindergarten in Wien-Liesing zugespielt“ habe. Und Fotos lügen nicht. Oder doch?

Tatsächlich halten Fotos Realitäten fest – im Zeitalter von Photoshop, GIMP, oder was auch immer, sind Montagen und Fälschungen allerdings wesentlich leichter als, sagen wir in den 30er Jahren, als man mit Schere und Klebstoff missliebige Personen aus Fotos und damit der Geschichte verschwinden ließ (ja, ich denke konkret an die stalinistischen Bildfälschungen).

Die perfidere Form der Fälschung ist es, Bilder in einen falschen Kontext zu stellen, sie mit falschen Bildunterschriften zu versehen, ihnen eine Botschaft zuzuschreiben, die sie definitiv nicht haben.

In der Kopfleiste dieses Beitrages findet ihr das Faksimile des KRONE-Artikels. Auf folgender Webseite findet ihr die Bilder, die „der Zeitung zugespielt“ worden sind – und die, sagen wir jetzt einmal völlig unmaliziös, vermutlich im guten Glauben für bare Münze genommen und daher ungeprüft veröffentlicht wurden:

https://photos.google.com/share/AF1QipO9bO8ZTy_ANCTxI4UB1rPwooyjJN3EIir7I4CupB1S91CVexSE98uJUZTWyx40GQ?key=bEMxVWFiT3VHb0NlNDBuMHN3VFpCYTMtN1VKbUtn

Unschwer lässt sich erkennen: Die Fotos der „KRONE“ stammen nicht aus einem „islamischen Kindergarten in Liesing“, sondern von einem Sommerfest des Islamischen Zentrums in Wien (Bruckhaufen). Dass im Rahmen eines religiös ausgerichteten Beitrags zum Fest Programm auch Kinder verschleiert auftreten, mag einem gefallen oder nicht – das ist aber vermutlich weniger ein „Dschihadismus-Problem“, sondern mehr Folklore, vermute ich.

Übrigens – wenn man sich die Bildergalerie des Islamischen Zentrums von diesem Fest ansieht, wird man eine sehr große Zahl unverschleierter Frauen erkennen, und zwar nicht in nach Geschlechtern getrennten Bereichen, sondern inmitten des allgemeinen Festbetriebes (ich überlasse die „Kopfzählung“ begeisterten Statistikern, die ausrechnen mögen, wie das Verhältnis verschleiert zu unverschleiert bei diesem Fest aussah).

Aber zurück zur KRONE: hier stellen sich etliche Fragen. Darf ein Massenblatt wirklich so naiv sein, ohne Gegencheck Fotos zu veröffentlichen, bloß weil „ein Leser“ eine bestimmte Interpretation dazu übermittelt? Darf ich der Kronen-Zeitung tatsächlich so viel „guten Glauben“ zugestehen?

Warum hat sich die KRONE nicht deutlich von dieser Manipulation durch Fotos distanziert, sondern eine Volte geschlagen: OK, die Fotos seien vielleicht nicht ganz korrekt zum Artikel passend, die behaupteten Fakten seien aber „wahr“. Nur – warum werden die Fotos einerseits als Beweis für die Behauptungen über die islamischen Kindergärten abgedruckt – und dann sind diese Behauptungen wahr, obwohl die Beweismittel gefälscht sind? Sehr sonderbar.

Mit anderen Worten: Misstrauen gegen „starke Bilder“ zu umstrittenen Themen ist angesagt. Auch wenn es oft wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel ist – man darf derartige Manipulationen nicht hinnehmen. Es ist Teil einer lebendigen Erziehung zum kritischen Umgang mit Medien, solche Machenschaften penibel zu untersuchen und zu widerlegen.