Ausstellung: „Winterträume“ – erotische Fotografien des Malers Alfons Walde

Der Tiroler Maler Alfons Walde (1891 bis 1958) ist vor allem durch seine Gemälde von Wintersportmotiven und Schneelandschaften berühmt geworden. Als Vertreter der klassischen Moderne finden sich Gemälde von Walde in zahlreichen Museen, Kitzbühel zehrt bis heute künstlerisch vom Ruf des großen Malers.
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Alle Bildrechte liegen beim Kunstverlag Alfons Walde!
Weniger ins Bild des expressiven Landschaftsmalers, der in seiner Tiroler Heimat tief verwurzelt ist, passt das reichhaltige erotische Werk Waldes. Zu diese Facette des Werks passen die nach seinem Tod entdecken Fotos.
Wie viele seiner malenden Zeitgenossen bediente sich Walde einerseits Fotografien als Vorlage für seine Gemälde, anderseits widmete er der Fotografie als eigenständiger künstlerischer Ausdrucksform großes Augenmerk. In den 20er Jahren widmete er sich der Schwarzweiß-Fotografie – ab 1932 wandte er sich aber dann dem gerade erfundenen Farbfilm zu.
Auch in diesem Bereich finden sich zahlreiche erotische Motive – manche Betrachter sprachen gar von Pornografie.
2014/15 präsentierte die Westlicht-Galerie unter dem Titel Schaulust 120 prints aus dem Nachlass Waldes. Mehr als 9.000 Schwarzweißfotos und rund 2.000 Farbdias haben Peter Coeln und Chefkuratorin Rebekka Reuter damals durchgearbeitet und dann ihre Auswahl getroffen.
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In der Leica-Galerie in Wien sind bis 8. 4. unter dem Titel „Winterträume“ ausgewählte Fotografien aus dem erotischen Oeuvre Waldes zu sehen.
Spannend ist die stilistische Bandbreite des Maler-Fotografen: inszenierte Aktporträts, aufgebaut und dekoriert wie schwülstige Gemälde. Dann wieder völlig ungekünstelte Akte in der Landschaft.
Staunen, Teil 1: wie haben es die meist weiblichen, aber auch die männlichen Modelle geschafft, ohne sichtbare Gänsehaut im Schnee zu posieren?
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Staunen,Teil 2: welche Wechselwirkungen zwischen Modellen und den Fotografen muss es gegeben haben, damit diese Aufnahmen eine derartige Natürlichkeit und Fröhlichkeit ausstrahlen?
Was ebenfalls bei den Bildern, die hauptsächlich in den 20er und 30er Jahren entstanden sind, auffällt: Waldes Modelle entziehen sich auch damals üblichen Schönheitsidealen. Ein paar Kilo mehr da und dort, keine makellos glatte Haut auf Oberschenkeln und Pobacken, keine starken Männer mit Heldenbrust und Bizeps.
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Vielleicht macht aber gerade dieser sympathische Naturalismus die erotischen Fotos Waldes so sehenswert. Und die Verwunderung darüber, was die Menschen früher auf den Gletschern so alles getrieben haben.
Leica-Galerie, bis 8. April 2017
Walfischgasse 1
1010 Wien
Mo – Fr: 10 – 19 Uhr, Sa 10 – 18 Uhr

Der Ausstellungskatalog ist im Haymon-Verlag erschienen:

 

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The Erotic Photography of Alfons Walde

Die erotische Fotografie von Alfons Walde. Deutsch.-Englisch. Zur Ausstelllung im Westlicht, Schauplatz für Fotografie, Wien, 2014/2015

192 Seiten, 130 Abbildungen

Haymon-Verlag, 29,90 EUR

 

Robert-Haas-Ausstellung: Streetphotography, made in Vienna

Noch bis zum 26. Februar kann man im Wien Museum am Karlsplatz die Ausstellung „Robert Haas – der Blick auf zwei Welten“ besichtigen.

Der 1898 in Wien geborene Robert Haas ist über lange Jahre hindurch als Fotograf in Vergessenheit geraten. Von seiner Ausbildung her Techniker, interessierte er sich schon sehr früh für Typographie und Drucktechnik. Aber auch Fotografie reizte ihn und so richtete er sich eine kleine Dunkelkammer ein.

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Gedränge an der Kassa im Wien Museum. Allerdings läuft parallel dazu (in der letzten Woche) mit „Sex in Wien“ die erfolgreichste Ausstellung des Hauses. 😉

In Wien gründete er mit Carry Hauser und Fritz Siegel im 3. Bezirk 1925 die „Officina Vindobonensis“, ein Atelier für künstlerischen Plakat- und Buchdruck.  Durch seine Tätigkeit als Grafiker kam er mit den Künstlerkreisen der 20er und 30er Jahre in engen Kontakt. Bei der bekannten Atelierfotografin Trude Fleischmann absolvierte er eine Ausbildung – es war zugleich der Beginn einer lebenslangen Freundschaft zwischen den beiden, die sich auch in der Emigration fortsetzte.

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