Videosonntag: Vreni Hockenjos über Fotobücher und Fotomagazine

Vergangene Woche habe ich einen Mitschnitt eines Talks im Rahmen der Foto Wien über Fotobücher und Fotomagazine online gestellt. Leider hat aufgrund der schlechten Akustik der Anfang des Gesprächs gefehlt.

Dr. Vreni Hockenjos war so freundlich, mir ein separates Interview für complexityinaframe zu ermöglichen, damit meine Leserinnen und Leser die Chance haben, ihren konzisen Überblick über die Geschichte des Fotobuchs doch noch zu hören.

Videosonntag: Den Kreis der Erkenntnis erweitern

In diesem bereits neun Jahre alten Video spricht Susan Meiselas darüber, wie engagierte Fotografie verändern kann, indem sie den Horizont der Erkenntnis der Betrachterinnen und Betrachter erweitert. Susan Meiselas Fotoreportagen über den Volksaufstand gegen das Somoza-Regime in Nicaragua 1979/80 haben Fotogeschichte gemacht.

Videosonntag: Landschaftsfotografie in Norwegen

Thematisch an den gestrigen, eher fotohistorischen, Beitrag anschließend möchte ich heute ein Video des dänischen Fotografen Mads Peter Iversen zeigen, der eine Reihe von Filmen über Landschaftsfotografie in Norwegen ins Netz gestellt hat.

Langsam versuche ich, ein eigenes Verständnis für Landschaftsfotografie zu entwickeln. Eine Frage, die mich in diesem Zusammenhang immer wieder beschäftigt hat, wird in dem Video von Iversen angesprochen. Es ist die Frage, warum man eigentlich ein Motiv fotografieren sollte, das bereits tausende oder millionen Male fotografiert worden ist.

Aber folgt ganz einfach mit mir dem dänischen Fotografen auf seiner Reise auf die Lofoten. Das Video ist in jedem Fall sehenswert.


Videosonntag: Wie man über Fotobücher sprechen könnte

Das folgende Video ist zwar vier Jahre alt – von der Idee her ist es aber höchst gegenwärtig und inspirierend.

Im Rahmen der „Internationalen Fotoszene“ Köln sprachen fünf Fotografen, Fotobuchsammler, Verleger, Buchhändler über ein ausgewähltes Fotobuch:

Thema ist David Magnussons „Purity“, ein Buch, das sich mit den „Reinheitsparties“ in bestimmten Teilen der USA auseinandersetzt, bei denen Töchter ihren Vätern sexuelle Enthaltsamkeit bis zur Verehelichung geloben und Väter wiederum schwören, die Keuschheit ihrer Töchter zu beschützen.

Ich finde es ausgesprochen anregend, wie hier eine kontroversielle Debatte auf hohem und trotzdem unterhaltsamen Niveau geführt werden kann. Auch wenn das Buch nicht neu ist – mir geht es hier weniger um das konkrete Buch, sondern eher um die Art, wie hier diskutiert wird. Zur Nachahmung sehr empfohlen!

Videosonntag: „Gelbwesten“ und Sozialfotografie

Seit November vergangenen Jahres wird die französische Politik durch die Bewegung der „Gelbwesten“ geprägt – einer klassenübergreifenden Protestbewegung gegen staatliche Sparpolitik, Steuererhöhungen, Sozialabbau und die Abgehobenheit der regierenden Kaste des Landes.

Vom ersten Tag an hat die Regierung Macron mit unverhältnismäßigem Gewalteinsatz auf die Proteste reagiert. Am 2. Februar hat der „Acte 12“, also der „12. Akt“ der Proteste stattgefunden, der sich thematisch gegen die Gewaltanwendung durch die Polizei und die wachsende Zahl von teilweise schwer verletzten Demonstranten richtete. Dazu ein kurzer Bericht des Fernsehsender ARTE:

Wesentlich schärfer wird die Situation vom „Fotograf_innenkollektiv LaMeute“ dargestellt. Auf der Facebookseite des Kollektivs findet sich ein Manifest für eine soziale Fotografie, das extrem spannend ist.

Im ersten Teil wird der Frage nachgegangen, welche Mechanismen dazu führen, dass sogar Betroffene die angeblich „objektive“ Berichterstattung großer Medienkonzerne für bare Münze nehmen – in Frankreich z. B. bezüglich Streikbewegungen – , die gewerkschaftliche Berichterstattung hingegen als „parteiisch“ ablehnen. Ähnliches gilt für andere soziale Themen. Das Kollektiv bringt Beispiele: „Wenn man von Polizeiknüppeln zertrümmerte Schädel sieht, schreibt die Konzernpresse von gewalttätigen Demonstranten. Wenn man die Gewalttätigkeit bei Betriebsschließungen und Räumungen sieht, spricht die Konzernpresse von gewalttätigen Arbeitern und Angestellten, die überholte Privilegien verteidigen“.

Im zweiten Teil des Textes wird dieses Problem der Verbreitung von Fotos analysiert. Auch das „sozialfotografische Bild“, das für den Sozialfotografen das wiedergibt, was ihm wichtig ist (seine sozialen Anliegen, seine „Ideologie“) kann ins Gegenteil verkehrt werden, je nachdem, in welchem Zusammenhang das Foto präsentiert wird. Wenn es als bloße Illustration dient, kann es durch eine Bildunterschrift gewendet werden. „LaMeute“ bezieht sich dazu auf einige Texte von Alan Sekuala, der in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts dieses Thema behandelt hat.

Wesentlich ist für LaMeute die „kollektive“ Produktion und Verteilung der Fotos – die Gruppe lehnt das Bild des „Fotografen-Helden“ ab. Vereinfacht gesagt: ein „großer Name“ kann es erleichtern, bestimmte Inhalte zu verbreiten, er ist aber keineswegs die Voraussetzung dafür. Die Heroisierung des tapferen Fotoreporters ist für „LaMeute“ in der Regel an die Verwertungsbedingungen der Fotos geknüpft. (Kleiner Exkurs: wenn wir von „Verwertung“ sprechen, ist uns oft nicht bewusst, dass der Begriff nichts anderes aussagt, als dass etwas „in einen Wert“, also ver-wertet, wird. Damit sich der „Wert“ materialisieren kann, muss er „auf dem Markt“ durch Verkauf realisiert werden).

Das Kollektiv LaMeute richtet sein Augenmerk also auch auf die „nicht-verwertbare“ Verbreitung der Fotos – in sozialen Medien, auf Flugblättern, in „Alternativmedien“, Gewerkschaftszeitungen, aber auch in der größten Galerie der Welt: Auf der Straße (plakatierte Fotos, Open-Air-Ausstellungen).

Die sieben Punkte, auf denen das Kollektiv beruht, sind eine gute Diskussionsgrundlage für alle, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen (wollen).

So reicht es „LaMeute“ nicht aus, soziale Bewegungen zu dokumentieren – der Sozialfotograf, die Sozialfotografin berichtet nicht über, sondern für die Bewegung. Finanzielle Überlegungen spielen daher keine vordergründige Rolle. Zugleich sind die engagierten Sozialfotograf_innen diejenigen, die das kollektive Gedächtnis, das Archiv, der Bewegung füllen. Ihnen kommt also eine wichtige dokumentarische Verantwortung zu. Dazu gehört aber auch der Respekt vor dem Schutz des Individuums: Die Sicherheit der Akteure geht vor der Sensation des Bildes (dazu hat es hier auf meinem Blog schon einige Beiträge gegeben).

Diskussionsbeiträge und Kommentare zu diesem Thema sind höchst wilkommen!

Ein gutes, erfolgreiches,gesundes und kreatives Jahr 2019! Und ein Video!

Liebe Freundinnen und Freunde von complexityinaframe – zunächst möchte ich euch anlässlich des heutigen Jahreswechsels ein gutes, erfolgreiches, gesundes und kreatives neues Jahr wünschen.

Wenn ihr jetzt gleich ein tolles Video sehen wollt, scrollt hinunter. Wer Lust hat, sich meine selbstkritischen Kommentare zum vergangenen Jahr zu vergönnen, kann auf eigene Gefahr weiterlesen. „Ein gutes, erfolgreiches,gesundes und kreatives Jahr 2019! Und ein Video!“ weiterlesen

Videosonntag: Diane Arbus

Zur Zeit ist in der Wiener Galerie Westlicht eine Ausstellung von Werker dreier bedeutender Porträtfotografinnen zu sehen: Lisette Model, Nan Goldin und Diane Arbus.

Arbus, eine Schülerin der gebürtigen Wienerin Model, hat vor allem durch ihre Porträts von Menschen, die sie selbst als „freaks“ bezeichnete, immer wieder Kontroversen ausgelöst. Was waren ihre Beweggründe für diese seltsamen und mitunter beunruhigenden Fotos?

Die folgende Dokumentation (in englischer Sprache) entstand kurz nach dem Selbstmord der Fotografin im Jahr 1972. Wie immer können gegebenenfalls englische Utertitel zum besseren Verständnis eingeblendet werden.

Videosonntag: Lewis W. Hine und der Kampf gegen die Kinderarbeit in den USA

Lewis Hine (1874 – 1940) hat bewiesen: Fotografie kann die Welt verändern. Das klingt pathetisch, aber kein Fotograf vor ihm hat mit tausenden Bildern soviel bewegt wie der Lehrer und Soziologe Hine. Nach einer durch den Tod des Vaters überschatteten schweren Jugend war er für die soziale Frage aus eigener Erfahrung sensibilisiert. Das Fotografieren erlernte er autodidakt, seine Liebe galt der Dokumentation. Gemeinsam mit Schülern porträtierte er Einwanderer auf Ellis Island; ab 1906 dokumentierte er für das National Child Labour Committee Kinderarbeit in den USA – ein nationales Übel, wie er es nannte. Seine beeindruckenden Fotos, alle penibel mit Namen, Alter und oft Zitaten der Porträtierten versehene, konnten wesentlich zum ersten Gesetz gegen Kinderarbeit beitragen, das 1916 von Präsident Woodrow Wilson unterzeichnet, aber schon zwei Jahre später vom Höchstgericht aufgehoben wurde. Hine, der ab 1917 verschiedene Fotoprojekte verfolgte, geriet durch die Weltwirtschaftskrise 1929 in finanzielle Nöte. Seine Bewerbung um eine Anstellung als Fotograf für die Farm Security Agency scheiterte.  1940 starb Hine verarmt an den Folgen einer Operation in New York. Seinen fotografischen Nachlass übergab sein Sohn der Photo League.

Zwei Jahre vor Hines Tode wurde mit dem Fair Labor Standards Act theoretisch die Kinderarbeit in den USA verboten. Praktisch wurde die Landarbeit ausgenommen. In einer Petition von Human Rights Watch 2009/2010 wird darauf hingewiesen, dass mehrere hunderttausend Kinder in den USA ab dem Alter von 12 Jahren auch an Schultagen vor und nach dem Unterricht zeitlich unbegrenzt arbeiten dürfen (in anderen Branchen gibt es für Kinder ab 12 ein Zeitlimit von drei Arbeitsstunden).

Hier eine beeindruckende Dokumentation über Lewis W. Hine:

Videosonntag: Die Bronx Junior Photo League

Die Bronx in New York ist nach wie vor eine der ärmsten Gegenden der Stadt – der nördlichste Teil des Big Apple ist ethnisch durchmischt, was ihn historisch nicht gerade zum „Ziel-Eins-Gebiet“ von Förderungen gemacht hat. Mit einem Anteil von über 27 % Armen liegt die Bronx doppelt so schlecht wie der Schnitt der USA. Ein Riesenproblem haben natürlich Kinder und Jugendliche, die unter solchen Bedingungen aufwachsen. Wie ein „linkes“ Kulturprojekt beitragen kann, Emanzipation zu fördern, zeigt die Bronx Junior Photo League.