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Bayeux: „Keine Reportage ist ein Menschenleben wert …“

Seit 1994 findet in der Stadt Bayeux in der Normandie der “Prix Bayeux Calvados-Normandie”statt, das Festival der Kriegsberichterstatter.

Es handelt sich keineswegs um eine rein französische Angelegenheit. Internationale Fotojournalisten und Kamerateams sind ebenso vertreten wie Wissenschaftler, Medienkritiker und all jene, die sich mit der Wirkung von Massenmedien beschäftigen.

Dass ausgerechnet Bayeux der Schauplatz dieser Leistungsschau ist, ist kein Zufall. Bayeux war die erste Stadt, die 1944 in Frankreich befreit wurde. Zum 50 jahrestag der Befreiung wurde in Bayeux ein Denkmal für die seit 1944 bei der Arbeit getöteten Kriegsberichterstatterinnen  und Kriegsberichterstatter errichtet. Gemeinsam mit “Reportern ohne Grenzen” soll hier Jener gedacht werden, die unter Einsatz ihres Lebens von den Krisenbrennpunkten der Welt berichten.

Die Veranstaltungen konzentrieren sich auf Kriegsberichterstatter und Kriegsberichterstatterin en. Eine Woche des Erfahrungsaustauschs, der Diskussion (auch mit dem Publikum), Weiterbildungsveranstaltungen, Ausstellungen für die Öffentlichkeit … machen den “Prix Bayeux Calvados-Normandie” zu einem herausragenden Event für

Journalisten aus den Bereichen Print, Radio, Television und Foto sowie alle am Weltgeschehen interessierten.

Einer der Hauptsponsoren des Festivals ist Nikon. Der Kamerahersteller hat in diesem Jahr einen speziellen Programmpunkt ermöglicht: unabhängige Journalistinnen und Journalisten konnten ein einwöchiges Spezialtraining absolvieren, in dem sie auf Einsätze in Krisen- und Kampfgebieten vorbereitet wurden.

© Dimitri Beck

Nach dem Tod zweier französische Journalisten in Mali, Ghislaine Dupont und Claude Verlon im Jahr 2013, erklärte die Präsidentin von France Médias Monde, Christine Saragosse, “Keine Reportage ist ein Menschenleben wert, aber ein Nullrisiko existiert nicht”.

12 ausgewählte “Unabhängige” konnten dieses Jahr lernen, Gefahrensituationen richtig einzuschätzen, Sprengfallen zu erkennen, richtig Deckung zu suchen, und vor allem richtige medizinische Erstversorgung zu leisten. Die Ausbildner betonten immer wieder, dass in 60% der Fälle, in denen Journalistinnen und Journalisten in Kampfgebieten ums Leben kamen Blutungen die Todesursache waren. Daher wurde diesem Aspekt der Notfallmedizin ein besonderer Platz eingeräumt. Unabhängige Journalisten wurden dieses Jahr bevorzugt, da sie üblicherweise keine finanzstarken Agenturen oder Redaktionen hinter sich haben, die ihnen ein entsprechendes Training finanzieren können. Gerade für sie ist es auch entscheidend, abschätzen zu können, welchen Preis sie für eine gute Geschichte zu zahlen bereit sind.

Die oben verlinkte Seite des “Prix Bayeux Calvados-Normandie” ist übrigens zweisprachig, also Französisch und Englisch.

Ich danke dem Polka Magazine für die Anregung, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Videosonntag: Arbeiter in einer Goldmine in Zentralafrika

Achtung: Die Sprache dieses Videos ist französisch, ohne Übersetzung!

Kurze Hintergrundinfomation: Das französische Fotomagazin POLKA hat eine Rubrik unter dem Titel: „Jedes Foto hat seine Geschichte“. Dazu gibt es auf dem Youtube-Kanal des Magazins auch eine extrem interessante Videoserie.

Ich habe den Beitrag von William Daniels aus dem April vorigen Jahres (2017) sehr beeindruckend gefunden. Die Zusammenfassung des von ihm selbst gesprochenen Textes liefere ich hier nach, wenn jemand mehr oder gar exakt übersetzen will, ist er/sie herzlich dazu eingeladen:

Daniels besuchte diese größte Goldmine Zentralfrikas, die unter der Kontrolle eines Kriegsherren steht und dokumentierte das Leben der Arbeiter, die ohne Lohn Gold abbauen. Finden sie eine Ader, bekommen sie ein bisschen was vom Goldfund davon zugeteilt, kaufen sich dann meistens neue Stiefel, feiern zweitägige Feste mit Prostituierten, essen und trinken – und dann geht es zurück auf den Berg.

Die Arbeit ist extrem gefährlich, immer wieder kommt es zu Bergrutschen, kurz bevor Daniels seine Reportage machte, starben 27 Bergleute bei einem wetterbedingten Unfall.