Videosonntag: Die Kalotypie – der Beginn der modernen Fotografie

Der folgende Videobeitrag beschäftigt sich kurz, aber hochinformativ, mit der von William Henry Fox Talbot (1800-1877) erfundenen „Kalotypie“ – dem ersten Verfahren, mit dem ein Positivabzug möglich wurde. Unter dem Video findet ihr ein paar „chemische“ Anmerkungen.

Bereits um 1833 entdeckte Fox Talbot, dass man mit Sonnenlicht auf einem mit Kochsalzlösung getränkten und mit Silbernitratlösung bestrichenem Bogen Papier unter Sonneneinwirkung Bilder „festhalten“ konnte. Von diesen „fotogenischen Zeichnungen“ war es ein Prozess von sieben Jahren, bis der englische Universalgelehrte zum ersten Positiv-Negativ-Verfahren fand. Beschichtetes Jodsilber-Fotopapier wurde in einem Rahmen in eine Camera Obscura eingesetzt. Legte man auf dieses Negativ ein weiters Blatt Papier, das mit Gallussäure und Silbernitrat behandelt wurde und setzte den Rahmen, in dem man das ausführte, dem Sonnenlicht aus, konnte man ein Positiv erhalten. Das war die Geburtsstunde der modernen Fotografie. „Kalotypie“ heißt übrigens übersetzt: „schönes Bild“.

Sehenswert: „Liebe am Werk“ über Capa und Taro

ARTE hat heute (17.4.) zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt eine sehenswerte Dokumentation über Robert Capa und Gerda Taro ausgestrahlt.

Zum Glück ist der Beitrag noch eine Zeit auf der ARTE-Mediathek zu sehen. Und noch ein Tipp: Im gleichen Format („Liebe am Werk“) gibt es am 28. April 2019 um 16.25 Uhr eine Doku über Lee Miller und Man Ray!

https://www.arte.tv/de/videos/079434-002-A/liebe-am-werk/

Menschen in Palästina | Soziale Fotografie

Wie Besucherinnen und Besucher meines Blogs wissen bin ich sehr an den Themen Arbeiterfotografie und Soziale Fotografie interessiert.

Das Internet macht’s möglich – Ernst Wilhelm Grüter aus Hamburg fand zufällig complexityinaframe, und jetzt tauschen wir gelegentlich im sozialen Netzwerk MeWe (der Alternative zu Facebook) Meinungen aus.

Ernst Wilhelm Grüter steht in der Tradition der sozial engagierten Fotografie, einige seiner Fotos sind in der „Galerie fortschrittlicher Arbeiterfotografen“ im Internet zu sehen.

Beeindruckend sind seine Impressionen aus Palästina. Einfach auf den Link unten klicken! Ich wünsche Ernst Wilhelm viele Klicks und Likes für diese aussergewöhnliche Reportage.

Quelle: Menschen in Palästina | Soziale Fotografie

Das war das Fotobuchfrühstück im WestLicht

Die Wiener Fotogalerie WestLicht war am Samstag, 13. April Schauplatz des Fotobuchfrühstücks von Reflektor und Eyes on. Reflektor, das ist eine in Wien beheimatete Plattform, die Fotografinnen und Fotografen die Möglichkeit bietet, selbst publizierte Fotobücher unter einen gemeinsamen „Schirm“ zu stellen. Es handelt sich also um keinen Verlag und keine Vertriebsplattform, sondern wie es in der Selbstdarstellung der Gruppe heißt: „Reflektor ist eine Plattform, die die gemeinsame Freude am Fotobuch ins Zentrum stellt. Reflektor bürgt mit seinem Namen für Qualität“.

Die Zusammenarbeit mit WestLicht er gab sich unter anderem daraus, dass die derzeit laufende Ausstellung mit Fotos des deutsch-französischen Fotografen Edouard Baldus (1813-1889) enge Beziehungen zum Fotobuch aufweist. Der Fotopionier Baldus hat mit einer in einem Album veröffentlichten Sammlung von Arbeiten “Chemin de fer de Paris à Lyon et à la Mediterranée” („Die Eisenbahn[strecke] von Paris nach Lyon und ans Mittelmeer„) im Jahr 1863  eine unerhört modern wirkende Bestandsaufnahme der architektonischen Highlights in Frankreich entlang der neuen Eisenbahnstrecke geschaffen.

WestLicht fungierte als  perfekter Gastgeber: Kurator Fabian Knierim  leitete den „offiziellen Teil“ mit einer Präsentation der Bilder von Baldus und der gleichzeitig stattfindenden Werkschau von Katharina Gaenssler ein.

Die 1974 geborene Fotografin hat sich darauf spezialisiert, Räume fotografisch zu dokumentieren. Mit tausenden Aufnahmen “scannt” sie gleichermaßen Interieurs und baut diese bei Ausstellungen als Installation nach.  Auch bei Gaenssler gibt es eine starke Affinität zum Fotobuch. In oft mehreren tausend Seiten starken Büchern dokumentiert sie ihre Arbeit.

Vreni Hockenjos und Rainer Riedler präsentierten anschließend REFLEKTOR.

Elodie Grethen stellte dann ihr Buch “Tokyo Stories” vor, das 2017 zu den “schönsten Büchern Österreichs” gehörte. Die Fotografin war während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Japan mit einem völlig neuen Set von Regeln und Moralvorstellungen konfrontiert. Das wurde Ausgangspunkt eines Projektes, das sich mit der Frage Intimität und Möglichkeiten der Begegnung in Tokio auseinandersetzte.

Allesandra d’Intino präsentierte anschließend ihr Buch “Der Marsspion”, die ironische fotografische Umsetzung einer klassischen deutschen Zukunftsnovelle von Carl Grunert (1865-1918). Sie parodiert damit die gängige Reiseführerliteratur, indem sie einen Guide zum Roten Planeten vorlegt.

Mit etwas mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war das Fotobuchfrühstück eine wirklich gelungene Initiative, die sich hervorragend ins Programm der Foto Wien einfügte.

Die folgende kleine Fotogalerie  soll einen kleinen Einblick in die Atmosphäre vermitteln.

Videosonntag: Vreni Hockenjos über Fotobücher und Fotomagazine

Vergangene Woche habe ich einen Mitschnitt eines Talks im Rahmen der Foto Wien über Fotobücher und Fotomagazine online gestellt. Leider hat aufgrund der schlechten Akustik der Anfang des Gesprächs gefehlt.

Dr. Vreni Hockenjos war so freundlich, mir ein separates Interview für complexityinaframe zu ermöglichen, damit meine Leserinnen und Leser die Chance haben, ihren konzisen Überblick über die Geschichte des Fotobuchs doch noch zu hören.

Money makes the world go round

Im Rahmen der Foto Wien kann man in der Milaneum Vintage Photography Galerie in der Westbahnstraße 40 Fotos zum Thema “Geld in der Fotografie 1860 bis 1960” sehen.

Das Interessante ist zunächst einmal die Location. Die Galerie ist neu, sie trägt dazu bei, dass die Westbahnstraße ihrem Ruf als die Wiener Fotomeile wieder einmal gerecht wird.

Wie der Name bereits andeutet, steckt Mila Palm hinter dem Konzept der Vintage Galerie. Seit 2010 ist Palm unter anderem als Kuratorin tätig. Die begeisterte Sammlerin hat beispielsweise 2015 die Ausstellung “Gerahmtes Gedächtnis” kuratiert, die gezeigt hat, wie sehr die Rahmung und Präsentation von privaten Erinnerungsfotos den jeweiligen Zeitgeist widerspiegelt, mit all seinen kitschigen Untiefen.

„Geld und Fotografie“ ist ein Forschungsschwerpunkt von Mila Palm. Dementsprechend kann sie beeindruckende Dokumente präsentieren, von Reportagefotos  aus Gelddruckereien, Porträts von Menschen mit und ohne Geld, und Bilder von Einbruchswerkzeugen  diejenigen, die zu Geld kommen wollten. Ausführliche Beschreibungen spare ich mir, folgt einfach dem Link zur Seite des Milaneums.

Leider gab es noch keine Beschriftung der Fotos, als ich die Ausstellung besuchte. Das wurde aber durch die hoch informativen Kommentare des „Wächters der Sammlung“ allemal wettgemacht. Humorvoll  und voller Begeisterung für die Exponate wird man durch die kleine Ausstellung geleitet.

In der Vintage Gallery kann man alle Arten von alten Fotos und Drucken erwerben, zu durchaus moderaten Preisen. Die hellen Räume sind einladend und vielleicht ist es auch ganz gut, wenn man einmal in einem kleineren Rahmen Fotos intensiv betrachten kann, ohne von einer wuchtigen Bilderflut überrollt zu werden.

Ein Hinweis für alle, die in Wien zu Hause sind oder zur Foto Wien kommen: am 17. April stellt Mila Palm im Rahmen der Bildbesprechungen um 18 Uhr ein Foto des Tages vor.