Brutalismus – hat das was mit Simmering gegen Kapfenberg zu tun?

Beim Wort „Brutalismus“ denken sicher viele Leserinnen und Leser, die ein bisschen mit dem klassischen Wiener Kabarett vertraut sind, an den berühmten und schon fast sprichwörtlichen Satz: „Simmering gegen Kapfenberg – das ist Brutalität!“.

Der Brutalismus, den wir im Wiener Architekturzentrum im Museumsquartier kennenlernen konnten, hat damit so gut wie nichts zu tun. Auf der verlinkten Seite könnt ihr alles viel besser nachlesen, als ich es laienhaft erklären kann.

Ich möchte mich auf ein paar persönliche Bemerkungen zur Ausstellung beschränken. Zunächst habe ich erst im Zusammenhang mit der (späten) Entdeckung der Fotografie als Hobby fast zwangsläufig ein gewisses Interesse an Architektur entwickelt. Man kann ja schwer Bauwerke oder städtische Szenen fotografieren, ohne sich darüber klar zu werden, was man da eigentlich fotografiert. Oder was einen da gerade so an einem Gebäude fasziniert, dass man den Auslöser drückt. Natürlich – es gibt manchmal auch diesen extrem künstlerischen Zugang, der das „Malen mit Licht“ in den Fokus rückt (den habe ich aber sehr selten). Ich gehöre wohl in den meisten Fällen zu den primitiven „Abbild“-Fotografen und stehe auch dazu.

Wenn man also das Objekt der fotografischen Begierde ins Zentrum rückt, will man mehr darüber wissen – und da sind war dann an dem Punkt, wo neben der wachsenden Ecke mit Fotoliteratur langsam aber sicher eine kleine Handbibliothek an Büchern zur Architektur entsteht. Der nächste Schritt sind dann Ausstellungsbesuche … und genau so war das mit dem Brutalismus und mir.

Diese Ausstellung hat mit tatsächlich neue Einsichten gebracht. Die „Betonklötze“, wie man die teilweise monumentalen Bauwerke aus Rohbeton („beton brut“, daher „Brutalismus“) bezeichnet, haben mich vor Besuch des Architekturzentrums eher abgestoßen. Die an Flaktürme gemahnenden grauen Fassaden, die Spuren der Witterung an den Wänden, die Unnahbarkeit haben meinem bisherigen Gefühl für „Ästhetik“ (über das man natürlich lang und breit diskutieren kann) heftig widerstrebt.

Aber – man sieht nur, was man weiß, und alsiich durch diese Ausstellung gegangen bin und die spannenden und wirklich verständlichen Texte der Infotafeln gelesen habe, hat sich mir dieser Baustil oder besser: diese Bauweise ganz anders erschlossen.  Mir wurde klar, wie viel Witz und Emotion in etlichen dieser Bauten steckt, wie sich Funktionalität mit einer überlegten ästhetischen Herangehensweise paaren kann.

Kindisch, aber wahr: Was mir nicht unwesentlich diesen neuen Blick eröffnet hat, waren die liebevoll gestalteten Kartonmodelle von typischen Bauten des Brutalismus. Was sich aus diesem für mich bisher wenig bemerkenswerten Material so elegant und schön im Modell darstellen lässt, kann auch im Großen nicht ganz hässlich sein, denke ich mir.

Folgt mir also anhand der folgenden Bilder durch diese Ausstellung – vielleicht kann der Funke überspringen, den ich zu beschreiben versucht habe!

 

 

Vorstellungsvorschau: Photo/Politics/Austria

Im Wiener Museum moderner Kunst Mumok gibt es zur Zeit eine Ausstellung an der Schnittstelle zwischen allgemeiner Geschichte und Mediengeschichte: Phiti/Politics/Austria.

Auf der Homepage des mumok findet sich eine kurze Darstellung des Projekts und ein Videointerview mit einer der Kuratorinnen, Einen ausführlichen Bericht wird es geben, nachdem ich die Ausstellung besucht haben werde!

https://www.mumok.at/de/node/30968

 

Ausstellungstipp: Vivian Maier in der Galerie Westlicht, Wien

Vivian Maier (1926-2009) gilt heute als eine der ganz Großen der Street Photography. Ein bisschen erinnert ihr Schicksal an jenes von Vincent van Gogh, der zu Lebzeiten kein einziges Bild verkaufen konnte. Inwieweit diese Assoziation berechtigt oder das Ergebnis einer bewusst gesteuerten Interpretation ihrer Biografie seitens eines der Käufer von Maiers Nachlass ist, sei dahingestellt.

Vivian Maiers fotografischs und filmisches Werk wurde erst nach ihrem Tod bekannt. Und dieses Werk umfasst unter anderem an die 100.000 teilweise nicht einmal entwickelte Negative; Tonbänder; 8mm Schmalfilme. „Ausstellungstipp: Vivian Maier in der Galerie Westlicht, Wien“ weiterlesen

Videosonntag: La Gacilly – ein ganzes Dorf als Galerie

Seit diesem Wochenende findet in Baden bei Wien ein großes Fotofestival statt, für das eine Initiative des kleinen bretonischen Städtchens La Cacilly Pate stand. Wenn ihr mehr wissen wollt – nur zu. Über das Event in Baden werde ich gesondert berichten!

16 Magnum-Fotografinnen und Fotografen über „Heimat“

Im März 2018 wurde in Zusammenarbeit zwischen Fujifilm und Magnum Photos in New York das gemeinsame Projekt „Home“ vorgestellt: Insgesamt 16 Fotografinnen unbd Fotografen der legendären Agentur stellten einmal nicht das Leben anderer, sondern ihr eigenes in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten.

Schon 2016 hatte Fujifilm angeregt, dass sich Fotografinnen und Fotografen mit diesem Thema auseinandersetzen sollten. „Home“ – nicht ganz treffen mit „Heimat“ übersetzbar – was ist das für Menschen, die oft jahrelang auf Achse sind, unter teilweise abenteuerlichen Bedingungen das Leben von Menschen auf anderen Kontinenten dokumentieren, komplizierte und oft brüchige Beziehungen leben, zwischen Kulturen pendeln?

„16 Magnum-Fotografinnen und Fotografen über „Heimat““ weiterlesen

Videosonntag (am Montag): Photo London 2018

Ja, ich weiß, heute ist Montag. Da nun aber der “Videosonntag” fast schon eine Institution ist, ersuche ich um Gnade dafür, dass ich einmal um einen Tag überzogen habe. Pfingsten ist schuld, der Freizeitschock – so viele freie Tage nacheinander ;-)…

Wie schon in einem anderen Blogbeitrag angekündigt, heute mehr über die Photo London. Viel Spaß!

August Sander Stiftung – Köln – Founded in 2015 by Julian Sander

Auf der Homepage der August-Sander-Stiftung kann man die großen Projekte von August Sander – Menschen des 20. Jahrhunderts und Antlitz der Zeit komplett besichtigen. Damit kann man auch die Gliederung dieses gigantischen Werks besser verstehen.

 

The August Sander Foundation August Sander’s oeuvre was both a documentary as well as an intellectual work whose humanistic undertone was considered a guideline by many photographers and artists of other media. The fact that photography uses reality to formulate its mes

Quelle: August Sander Stiftung – Köln – Founded in 2015 by Julian Sander

Çağdaş Erdoğan beim Festival der jungen europäischen Fotografie CIRCULATION(S) in Paris

Der 1992 geborene türkisch-kurdische Fotograf Çağdaş Erdoğan ist ein international gefragter Fotojournalist mit Hauptwohnsitz in Istanbul. Seine Berichte aus der Osttürkei wurden unter anderem von BBC, Der Spiegel, The New York Times oder Libération abgedruckt. Im September 2017 wurde er festgenommen, weil er angeblich im  Yoğurtçu Park in Istanbul das Hauptquartier der  Millî İstihbarat Teşkilatı (MİT) , also des türkischen Geheimdienstes, fotografiert habe. In einem Interview mit dem British Journal of Photography stellt Erdoğan klar, dass der Park ein frei zugängliches Gelände ist und keinerlei Hinweise auf eine Fotoverbotszone vorhanden seien. „Çağdaş Erdoğan beim Festival der jungen europäischen Fotografie CIRCULATION(S) in Paris“ weiterlesen

Eröffnung der August-Sander-Ausstellung, Wien

Am 23. März 2018 wurde in der Wiener Galerie WestLicht die hervorragende Ausstellung „August Sander – Porträt einer Gesellschaft“ eröffnet. Parallel dazu wird die Ausstellung von Hanna Putz „Porträts nach S.“ gezeigt – eine spannende und ironische Transposition der Sander-Porträts in die Gegenwart.

Ein ausführlicher Bericht folgt, hier nur eine kleine Impression, die beweisen soll: Nirgends wird so viel fotografiert wie bei einer Fotoausstellung 🙂

Die WestLicht-Fotografin an der Arbeit