Eine Art Liebeserklärung an meine Kamera

Heute möchte ich einmal ganz persönlich werden. Das muss auch hin und wieder sein. Geradezu philosophisch. Oder elegisch. Wie immer ihr das nennen wollt.

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Also: Am Montag bringe ich meine wunderbare Kamera zum Ein-paar-tausend-klick-Service. Nein, stimmt natürlich nicht. Mir ist nur im Rahmen des Wiener Fotomarathons, an dem ich am 6. Oktober 2018 aufgefallen, dass mich da irgendwas stört, vielleicht ein Fusel am Spiegel oder sowas. Ungefähr zur gleichen Zeit habe ich meine Kamera und meinen Pixma-Printer bei Canon im Netz registriert. Hätte ich schon früher machen können, hat mich aber nie gefreut. Jetzt aber schon. Und so kam ich zur Adresse einer autorisierten Canon-Werkstätte in Wien. Und die putzen um 45 EUR meine Kamera – vom Sensor zum Spiegel zum Sucher und wieder retour! Und genau dorthin werde ich am Montag früh meine Spiegelreflexkamera bringen. [Achtung. Abmahnanwälte und Klagswütige: Weder werde ich von der Firma Canon noch der Firma Schumann gesponsert oder erhalte irgendwelche Zuwendungen. Die Nennung der Namen erfolgt aus freien Stücken.]

Ich freue mich jetzt schon, wenn ich sie wiederhaben werde. Womit ich zum Punkt dieses Beitrages komme. In einer Welt, die voll von Kameraherstellern, Fachmagazinen, Youtube-Channels, Influencern und was weiß ich nicht noch alles steckt, wird man als glücklicher Fotograf wie in einem Teilchenbeschleuniger andauernd mit tausenden Info-Partikeln beschossen, die alle nur exakt auf die eine Synapse in deinem Gehirn gerichtet sind, die den Impuls ausschickt: „Kauf mich! Bitte bitte bitte biiiiiiiiiiiitte kauf mich“.

Denn irgendwo auf diesem Planeten wird genau jetzt die endgültige, finale und weltbeste Kamera hergestellt – mit Fantastilliarden Megapixel am quantenmechanisch gehärteten Sensor, dem superkleinen Objektiv, das wahlweise als Makro ein Sauerstoffatom oder, als Tele, den Kometen Hotdox im Sternbild des Hundes fotografiert und zwar, ohne, dass du was verwackeln kannst, weil diese Kamera durch ein Magnetfeld zwischen drei triangulierenden Drohnen im Gleichgewicht gehalten wird. Wow!

Ich gestehe: Eine Zeitlang habe ich (zwar ohne jedes Sensorium für technische Details, aber dafür mit blindwütiger Begeisterung) die einschlägigen Besprechungen, Vorschauen, Ankündigungen… verfolgt und mir gedacht: „Nein, das ist doch… also sowas will ich doch… hui. kann die denn wirklich …“. Bis mit geradezu mittäglicher Sonnenstrahlklarheit die Erkenntnis über mich hereinbrach: „Was würde ich denn mit diesem tollen Gerät machen?“. Und von irgendwo ertönte eine sonore Stimme, die begütigend zu mir sprach: „Fotografieren“. Und zack, war ich am Boden der Realität zurück.

Ja, alle diese wundervollen neuen Kameras (die Photokina quillt über davon!) sind eigentlich zum Fotografieren da. Gerade beim Fotomarathon (der zweite, an dem ich teilgenommen habe) habe ich diesmal für mein Gefühl „besser“ fotografiert als beim ersten Mal – und das lag an mir, und nicht an der Kamera. Ich habe meine wunderbare, schöne, gehegte Canon EOS 760d nämlich in diesem Jahr um einiges besser kennen gelernt. Ich verwende öfter den manuellen Focus, fotografiere im M-Modus, komme mit dem Weißabgleich besser zurecht. Wenn ich ehrlich bin: Ich habe vermutlich noch nicht einmal ein Drittel der Möglichkeiten ausgereizt, die diese Kamera bietet.

Warum also sollte ich ernsthaft mit heraushängender Zunge und hechelnd wie ein Bernhardiner vor der neuen spiegellosen von Nikon, Sony oder wem auch immer stehen und Magengeschwüre bekommen, weil ich immer noch mit einer DSLR mit 24,2 Megapixel-Sensor fotografiere?

Nein – ich bin vollauf zufrieden mit dieser Kamera, die für mich noch dadurch einen besonderen Wert hat, weil sie ein wunderbares kollektives Geburtstagsgeschenk war, die also nicht nur herrliche Fotos macht, sondern als Instrument selbst mit Erinnerungen verknüpft ist, die mir wichtig sind. Daher werde ich mit allergrößter Freude in ein kleines „Service“ investieren, um mit noch mehr Freude meine Bekanntschaft mit meiner Kamera vertiefen zu können.

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