Das Lachen und die Kamera

Rolf H. Krauss hat im Kerber-Verlag eine „andere Geschichte“ der Fotografie herausgegeben: „Das Lachen und die Kamera“. Rolf H. Krauss ist nicht irgendein Lustikus, der uns Karikaturen oder Schnurren vorsetzt – er war unter anderem von 1976 bis 1996 Vorsitzender der Sektion Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Fotografie und hat eine Reihe von historischen Arbeiten zu diesem Thema veröffentlicht.

Und wirklich – wenn man in diesen schön gemachten Band „hineinfällt“, schmunzelt, lächelt oder lacht man nicht nur über die Abbildungen (darunter etliche des großen Honoré Daumier, der ja ein spöttischer Chronist seiner Zeit war) – man lernt aus den Begleittexten wirklich eine ganze Menge über die Entwicklung der „8.“ (oder 9.?) Kunst.

daumier

PHOTOGRAPHIE. Neues Verfahren, um ein lockeres und anmutiges Bild zu schaffen (Daumier, 1856)

Am Anfang standen Staunen und Spott – Staunen über den unglaublichen Realismus der „Lichtmalerei“; Spott über die langen Belichtungszeiten.

Unter einer Karikatur aus dem Jahr 1839 findet sich folgender Text:

Jawohl, Madame, mit dem Daguerrotrappe könnten wirden Teufel einfangen! Die Börse … das Innenministerium – sie sind schon festgehalten worden. Wir machen Kunst und brauchen dazu keinen Künstler! … Mit Porträts – das geht wie geschmiert. Eine Dreiviertelstunde ohne mit der Wimper zu zucken … fertig ist’s: Sie sind perfekt festgehalten.

Schon lange vor Walter Benjamins Aufsatz über das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit oder diversen theoretischen Essays darüber, was Fotografie denn nun eigentlich sei (Kunst oder ???), kommt hier („Kunst ohne Künstler“) einerseits die Faszination des neuen Mediums zum Vorschein wie die Verachtung gegenüber einer „künstlerfreien“ Ablichtungsform.

Übrigens – eine Dreiviertelstunde brauchte ein erfahrener Daguerrotypist nicht für ein Porträt, 20 Minuten reichten aus.

Nicht zustimmen kann ich dem Verfasser des amüsanten und lesens- und betrachtenswerten Buches, was seine Schlussbemerkung betrifft:

Spätestens mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verstummt das Lachen über die Fotografie. Zu diesem Zeitpunkt hat sie endgültig ihr revolutionäres Potenzial verloren und ist Teil des täglichen Lebens geworden. Das ist bis heute so geblieben. Die Fotografie selbst hat es nicht vermocht, mit ihren Mitteln Lachen zu generieren. Es ist schwierig, über sich selbst zu lachen. Alle Versuche in dieser Richtung, die sich unter dem Begriff „Fotohumor“ zusammenfassen lassen, sind der Beachtung nicht wert.

Im engsten Sinne – Fotos, die sich in humorvoller Art mit der Fotografie selbst auseinandersetzen – würden mir doch einige Aufnahmen der „klassischen Moderne“ einfallen, unter anderem das berühmte Porträt von Henri Cartier-Bresson bei der Arbeit, oder etliche Fotos in LIFE, die Fotografen an der Arbeit zeigen.

Aber vielleicht ist die Definition von Humor auch wirklich zu subjektiv. Wertvoll ist „Das Lachen und die Kamera“ auf jeden Fall.

Rolf H. Krauss
Das Lachen und die Kamera
Eine andere Geschichte der Fotografie
Kerber-Verlag 2015
252 Seiten, 35,90 EUR

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