Ausstellungsbericht: The Polaroid Project in der Galerie Westlicht

Bis vor kurzem war für mich Polaroid eine bloße Erinnerung an meine Jugendzeit in den frühen 70ern. Damals war es irgendwie hipp, bei Partys oder auf Schulausflügen Sofortbilder zu schießen, die in erster Linie peinlich waren. Meist nicht sonderlich scharf, in seltsam verwaschenen Farben, aber auf jeden Fall schräge Erinnerungen an Augenblicke, die uns damals denkwürdig erschienen. Natürlich war Polaroid etwas für Angeber. Die Kameras waren gar nicht so teuer, aber die Filme…

Es war uns damals nicht gewusst, das hinter den Juxkameras ein aufregender Entwicklungsprozess stand, der 1933 begann, als der Physiker Edwin Herbert Land Polarisationsfolien entwickelte, die es ermöglichsten, in unglaublich kurzer Zeit entwickelte Papierbilder vor sich zu haben.

1947 was es soweit, dass er eine “Land camera” präsentieren konnte, eine Balgenkamera, die kurz nach dem Aufnehmen ein fertiges Positivbild liefern konnte. Und das noch dazu in Farbe!

Die wechselvolle Geschichte von Polaroid führte dazu, dass die Produktion der Sofortbildkameras im Jahr 2008 eingestellt wurde.  Eine Reihe von Entwicklungsschritten wie die Produktreihen Captiva oder iZone floppten und das angestrebte junge Publikum wandte sich lieber der beginnenden Digitalfotografie zu.

Heute erlebt die Sofortbildfotografie eine erstaunliche Renaissance und Polaroid ist auf den Markt zurückgekehrt. In der Wiener Galerie WestLicht kann jetzt die Ausstellung “The Polaroid Project” bis 25 Februar besichtigt werden.

Ich habe gestaunt, als ich zum ersten Mal bewusst wahrgenommen habe, dass Große der zeitgenössischen Fotografie wie Nobuyoshi Araki, Marie Cosindas, Richard Hamilton, Robert Mapplethorpe oder Helen Chadwick mit Polaroid arbeiteten.  Es ist erstaunlich zu sehen, wie sich Polaroidfotos verfremden und bearbeiten lassen.  Ebenso war es ein Aha-Erlebnis, das es auch großformatige Polaroidbilder im Format 20 x 26 inches gibt.

Der Besuch dieser Ausstellung ist Fotografieinteressierten allemal zu empfehlen. Ich habe jedenfalls Lust bekommen, selbst ein bisschen mit einer alten Sofortbildkamera zu experimentieren.

Link zur Ausstellung

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