Ausstellungsbericht: Fotografie Österreich 1970 – 2000 (Albertina, Wien)

Eine interessante Ausstellung ist derzeit in der Fotogalerie der Wiener Albertina zu sehen: Österreich Fotografie 1970 bis 2000.

Vielfältige Arbeiten setzen sich in weitesten Sinn mit dem Heimatbegriff auseinander. Die Schau zeigt bewusst nicht „österreichische“ Fotografie, sondern Österreich in Fotos.

Ich konnte nicht mit allen Fotografien bzw. den Projekten dahinter etwas anfangen. Nicht erschlossen hat sich mir etwa gleich beim Eingang Heinz Cibulkas Auseinandersetzung mit dem ländlichen Raum aus seinem Zyklus „Fühlt-Most“. Vielleicht habe ich einfach keine Ader für die Künstler aus dem Umfeld des Wiener Aktionismus – nicht nur im Fotografischen, sondern in allen Bereichen der Kunst. Die in Vierergruppen angeordneten Bilder aus dem bäuerlichen Leben, kombiniert mit Tafeln aus alten anatomischen Atlanten und Fotos von Brauchtumsgegenständen, ergeben für  mich nicht, wie vom Künstler beabsichtigt, den Eindruck von „Bildgedichten“.

Ganz anders die Bilder des meiner Meinung nach großartigen Leo Kandl, der sich in die Tiefen der Weinhäuser und Beisln Wiens begeben hat und Porträts von Randexistenzen geschaffen hat. Ausweglosigkeit und Hoffnung, schräge Lebensfreude und depressive Versunkenheit werden in Fotografien festgehalten, welche die dargestellten Menschen  mit großem Respekt behandeln und nicht in’s Spöttische oder Karikaturhafte abgleiten.

Robert F. Hammerstiels Serie der „Mittagsporträts“ zeigt, was Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre bei den Österreichern auf den Tisch gekommen ist.  Die Fotos haben mich an Martin Parr erinnert, allerdings mit weniger Farbsättigung.

Geradezu ethnographische Dokumentationen werden leichtfüßig mit den „xenographischen“ Studien Lisl Pongers kontrastiert.

Ein Besuch im ehemaligen KZ Mauthausen fehlt ebensowenig wie der Blick zum Eisernen Vorhang.

Die bemerkenswerte Ausstellung liefert guten Stoff zum Nachdenken darüber, was „Heimat“ ist oder sein könnte.

 

Auf einen bemerkenswerten Künstler werde ich in einem späteren Blogbeitrag eingehen: Gerhard Roth und seine Fotos im Zusammenhang mit seinen Romanen bzw. Essays.