Ausstellungsbericht: Alfons Schilling, Beyond photography, in der Galerie Westlicht / Wien

Die Alfons-Schilling-Ausstellung „Beyond photography“ hat mich bei meinem ersten Besuch kurz nach der Eröffnung nicht sonderlich beeindruckt. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich mit Aktionskunst wenig anzufangen weiß und daher mit einer recht vorgefassten Meinung durch die Räume schlenderte.
Aber nun schön der Reihe nach: der Schweizer Alfons Schilling (1934 – 2013) hat wichtige Jahre seines Lebens in Wien verbracht und hier unter anderem an der Akademie für angewandte Kunst mit dem Aktionisten Günther Brus gearbeitet.
In Wien und Paris entstanden Schüttbilder und experimentelle Formen grafischen Ausdrucks.
Erst im Rahmen einer Mitgliederführung in der Westlicht-Galerie haben sich mir dann zugrunde liegende Fragestellungen im Werk Schillings erschlossen, die mir einen Zugang zu den Exponaten ermöglichten.
Fabian Kniriem und Eva Mühlbacher
Kurator Knierim mit dem Katalog zur Ausstellung
Kurator Knierim mit dem Katalog zur Ausstellung

Ja, ja - man sieht nur, was man weiß ...

Empfehlenswert: Teilnahme an einer Führung / Termine auf der Westlicht-Homepage!
Schilling versuchte, die Zweidimensionalität der Fotografie zu überwinden. Ohne sich selbst als Fotograf zu verstehen, kommunizierte er mit Fotografen ebenso wie mit Wissenschaftlern, vertiefte so sein Wissen um das Sehen. Er experimentierte früh mit Hologrammen. Zuvor beschäftigte er sich mit Linsenrasterbildern. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere Leserin an diese Kippbilder, die bei Kindern auch als Wackelbilder bekannt waren und in den 60er Jahren einigen Kaugummisorten beigepackt waren. Mehrere Schichten geschraffter Folie vermittelten einen Hauch von Dreidimensionalität und Bewegung.
Ausgestellt sind spannende Linsenrasterbilder aus dem Jahr 1968, welche die Proteste beim Kongress der Demokraten in Chicago zeigen. Mit geballter Polizeigewalt wurden damals die Antikriegsproteste der hauptsächlich Studierenden unterdrückt. Die Überblendung verschiedener Perspektiven eröffnet einen differenzierten Blick auf die Ereignisse.
All das hat sich mir erst nach einer Führung mit Westlicht-Kunstvermittlerin Eva Mühlbacher und Kurator Fabian Knieriem erschlossen.
Warum ich das so betone? Weil ich mich manchmal über mich ärgere, wenn ich mich dabei ertappe, schon wieder etwas Bekanntes anzuschauen statt einen Blick auf das Neue oder Unbekannte oder gar Abschreckende zu riskieren. Und da kommen natürlich Hintergrundinformationen und die Vermittlung von Wissen durch Expert_innen in’s Spiel. Das ist bei der Führung durch „Beyond photography“ bestens gelungen.
Ein sehr informativer und aufwändig gestalteter Katalog flankiert die Ausstellung, die noch bis 14. Mai im Westlicht zu sehen ist.

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