Videosonntag: Ein Fotograf gegen Monsanto

Im Rahmen der Foto Wien ist die beeindruckende und aufrüttelnde Reportage des französischen Fotografen Mathieu Asselin über die (Un)Taten des berüchtigten Monsanto-Konzerns zu sehen. Hingehen, anschauen, reagieren!

Übrigens: Monsanto gehört heute zu BAYER…

Videosonntag: Mit complexityinaframe bei der Foto Wien (1. Teil)

Mit der Foto Wien bietet die Bundeshauptstadt ein Festival, das internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht. Mit einem vergleichsweise geringen Budget von 270.000 Euro haben die Organisatorinnen ein fulminantes Projekt in Szene gesetzt. Natürlich ist die Foto Wien ein „großes Thema“ für complexityinaframe. Hier als Teaser ein erster Blick auf das Festival.

Das wird die Foto Wien – Pressekonferenz

von links nach rechts: Gabriele Rothemann, Verena Kaspar-Eisert, Bettina Leidl, Sophie Tappeiner

Im Rahmen des European Month of Photography (EMOP) steht Wien zwischen dem 20. März und dem 20. April 2019 ganz im Zeichen der Fotografie. Bereits die Auftaktpressekonferenz dokumentierte, dass 30 außergewöhnliche und spannende Tage für alle Fotografie Interessierten angebrochen sind.

Das Podium zeigte deutlich, dass im Rahmen der Foto Wien in vielerlei Hinsicht der Rolle von Frauen in der modernen Fotografie Rechnung getragen wird.  Ich habe auf complexityinaframe darüber berichtet, dass es im vergangenen Jahr zu diesem Thema rund um die international wichtigen “Rencontres de la Photographie” in Arles heftige öffentliche Kontroversen gegeben hat. Zu Recht wurde meiner Meinung nach kritisiert,  dass bei diesem renommierten Festival Fotografinnen unterrepräsentiert sind. Das ist bei der Foto Wien nicht der Fall.

Full house bei der Pressekonferenz

Vier Kuratorinnen, DirektorInnen von Galerien oder Museen, Lehrende an Kunsthochschulen  gaben einen Überblick darüber, was in den nächsten vier Wochen an Ausstellungen, Projekten, Vorträgen, Workshops, Spaziergängen… im Rahmen der Foto Wien stattfinden wird.

Die Festivalzentrale im Postsparkassengebäude, das von Otto Wagner gestaltet wurde, bietet einen fulminanten Rahmen für das bisher größte Fotoevent in Wien. Die Direktorin des KUNST HAUS WIEN, Bettina Leidl, leitete die Pressekonferenz mit einem allgemeinen Überblick über das Programm der Foto Wien ein. Gemeinsam mit 130 Programmpartnerinnen und -partnern werden im architektonischen Kleinod am Georg-Coch-Platz Ausstellungen, Portfolio Reviews, eine Fotobuchausstellung, Vorträge und natürlich Ausstellungen stattfinden.

Blick auf den Zugang zur Fotobuchausstellung

Verena Kaspar-Eisert, Kuratorin im KUNST HAUS WIEN, gehört zu den Mitgestalterinnen der Ausstellung „Bodyfiction“. Das Projekt im Rahmen des European Month of Photography thematisiert die Inszenierung, Darstellung und Instrumentalisierung des menschlichen Körpers in der Gegenwartsfotografie. In Wien werden die Arbeiten der fünf Fotografen und Fotografinnen präsentiert, die für den EMOP Arendt Award 2019 nominiert sind: Carina Brandes, Matthieu Gafsou, Weronika Gesicka, Alix Marie und SMITH.

Blick auf „Bodyfiction“

Gabriele Rothemann, verantwortlich für die Klasse Fotografie an der Universität für angewandte Kunst Wien, führte in die von StudentInnen gestaltete Ausstellung „A Fork in the Road“ ein. Das Schöne an dieser “Leistungsschau” der jungen Fotograf_innengeneration ist die Zusammenarbeit mit der Athens School of Fine Arts. Die bemerkenswerten Arbeiten sind, ebenso wie “Bodyfiction”, im euphemistisch “Tiefparterre” genannten Untergrund des Postsparkassengebäudes zu besichtigen.

Sophie Tappeiner sprach stellvertretend für die  zahlreichen Programmpartner_innen über die Besonderheiten des Festivals.

Beim Rundgang durch die bereits fertig gestalteten Ausstellungsräume und jene Bereiche, in denen noch für die offizielle Eröffnung heute Abend gearbeitet wurde, wurde mir deutlich bewusst, dass sogar 30 Tage Laufzeit der Foto Wien nicht ausreichen werden, um auch nur einen globalen Überblick über alle Veranstaltungen zu bekommen. Alleine die Räumlichkeiten in der ehemaligen Postsparkassenzentrale  sind so opulent, dass man vermutlich stundenlang durch die labyrinthartigen Gänge flanieren könnte.

Ausgesprochen originell wurden Ausstellungsbereiche in die Architektur integriert. So kann man etwa hinter den alten hölzernen Kassenschaltern die beeindruckende Fotobuchausstellung bewundern. Apropos – im Rahmen der Foto Wien wird auch ein Fotobuch-Preis ausgelobt.

Soweit also meine ersten Eindrücke und Informationen zur Foto Wien. Selbstverständlich gibt es eine Vielzahl an dezentralen Ausstellungen und Vorträgen, die am besten im Internet abgefragt werden können. In den nächsten 30 Tagen wird sich complexityinaiframe jedenfalls regelmäßig mit dem Programm der Foto Wien beschäftigen.

Videosonntag: Den Kreis der Erkenntnis erweitern

In diesem bereits neun Jahre alten Video spricht Susan Meiselas darüber, wie engagierte Fotografie verändern kann, indem sie den Horizont der Erkenntnis der Betrachterinnen und Betrachter erweitert. Susan Meiselas Fotoreportagen über den Volksaufstand gegen das Somoza-Regime in Nicaragua 1979/80 haben Fotogeschichte gemacht.

Ein Spiel zum Sehen lernen

Ich gestehe, dass mich Fotobücher sehr leicht begeistern können. Ein Spiel hat es aber geschafft, meine Begeisterung zu neuen Höhen zu treiben. “My Photography Toolbox” von bispublishers ist ein faszinierendes, unterhaltsames und im wahrsten Sinn des Wortes Augen öffnendes Spiel für alle, die gerne fotografieren, ihre fotografischen Fähigkeiten erweitern oder einen neuen Zugang zu Bildbetrachtung und Bildanalyse finden wollen.

Das Spiel besteht aus 72 Karten, die in fünf Kategorien unterteilt sind: Genre, Komposition, Grundlagen, Prinzipien und Haltung (Attitude). Für jedes Genre gibt es Karten mit Beispielfotos. Jede Karte führt in die Geheimnisse der visuellen Sprache ein und hilft damit, die eigen Kreativität steigern. Die Toolbox zeigt 30 visuelle Prinzipien und ermöglicht es, mit Tools zu spielen, die von der “Hardware” (Smartphones oder Digitalkameras) nicht zur Verfügung gestellt werden können, wie z. B. der Psychologie von Formen und Farben.

Zwei Spielvarianten werden von den Entwicklern vorgeschlagen:

1. BE A MASTER: Ein Bild, basierend auf einem Fotografie-Genre und vier vorgegebenen Regeln. erstellen. Bei dieser Variante sollten Kamera oder Fotohandy berei liegen, denn innerhalb von 20 Minuten sollte ein beeindruckendes Foto entstehen.

2. VERFEINERN SIE IHR AUGE: entdecke die Regeln in vorhandenen Fotos. Eine Schule des fotografischen Sehens.

Man kann “My Photo Toolbox” alleine spielen, besser noch jedoch mit anderen Fotografiebegeisterten. Meiner Meinung nach könnte das geniale Spiel auch eine wertvolle Bereicherung für die künstlerische Erziehung im Unterricht sein.


Hier die Musterkarten aus dem Stapel „principles“

Wenn man das Spiel mit mehreren Personen spielt, ist die einfachste Regel, die Karten jeder  Kategorie aufgedeckt auf den Tisch zu legen. Anschließend hat jeder Spieler oder jede Spielerin die Möglichkeit, innerhalb von 20 Sekunden eine Konzeptkarte einem Foto zuzuordnen. Das Schöne dabei: es gibt keine Sieger und keine Verlierer. Denn natürlich kommt es sehr auf die Interpretation der Betrachter an, welches Prinzip sie in den einzelnen Fotos wiedererkennen. Das ist also ein idealer Ausgangspunkt für Diskussionen darüber, wie unterschiedlich Menschen Bilder sehen können.

Wie beim Fotografieren sind bei diesem Spiel der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die Entwickler laden dazu ein, ihnen eigene Spielideen oder Spielvarianten mitzuteilen. Das Spiel ist auch auf Instagram zu finden und sollte meiner Meinung nach eine möglichst große Verbreitung finden.

My Photograpy Toolbox

Bispublishers, EUR 15,–

Eine Kurzversion dieses Artikels erscheint in der BUCHSTABENSUPPE 3/2019 des Literaturbuffets.