Videosonntag: 7 Tipps für gute Reportagefotos

Damir Sagolj, geboren 1971 in Sarajewo, begann nach seiner Schulzeit Architektur zu studieren, folgte dann aber seinem Vater nach Moskau, wo dieser als Korrespondent für die führende bosnische Zeitung Oslobodjenje arbeitete.

1992 – 95 diente er in der bosnischen Armee und begann zu fotografieren. Ab 1995 arbeitete er für die in Paris beheimatete Agentur Sipa. Er berichtete von Kriegsschauplätzen am Balkan, im Nahen Osten und im Irak. Außerdem ist er als Sportfotograf weltweit gefragt. Hier sieben Tipps für guten Fotojournalismus – auch für Amateure durchaus lehrreich!

 

Videosonntag: Impressionen von der Paris Photo 2016

Im November findet in Paris die diesjährige Messe Paris Photo statt – ein wichtiger Treffpunkt für Fotografinnen und Fotografen, Verlage, Fotozeitschriften, Druckereien (und auch Hersteller von Kamerasystemen). Schwerpunkt ist in Paris aber weniger der technische, sondern mehr der künstlerische Bereich. Zur „Halbzeit“ zwischen den Ausstellungen ein kleiner Rückblick auf Paris Photo 2016.

Soll ich’s wagen? oder: Ich pass‘ auf meine Kamera auf!

Heute werde ich einmal so richtig persönlich. Meine Familie und viele Freunde haben mir im Februar ein kollektives Geburtstagsgeschenk gemacht – eine Canon EOS 760D. Natürlich war die Freude riesengroß, und vielleicht hat der / die eine oder andere Besucher / Besucherin meines Blogs schon gesehen: Die Bildqualität meiner eingestellten Fotos ist auf einmal super!

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Aber zurück in den Februar: plötzlich begann ein seltsamer Prozess des Zauderns. Davor hatte ich keine Bedenken, meine EOS 400 D oder die Lumix (über die habe ich berichtet – das ist die mit dem Leica-Objektiv, die ich nur deshalb, weil Leica draufsteht, erstanden habe – kindisch, aber doch, es musste sein!) zu schnappen und hinaus in die wilde, weite, fotografierwürdige Welt zu ziehen.

Aber mit der neuen Kamera? Der tollen Kamera? Der teuren Kamera? Was könnte nicht alles passieren: schwere Regenfälle (OK, ich habe meine – nein, eigentlich der Kameras – transparente Badehaube mit, um gegebenenfalls das Gehäuse vor Spitzwasser zu schützen); Rempeleien in der U-Bahn; der Gurt könnte sich lösen. von Diebstahl reden wir gar nicht …

Jedenfalls: Gut zwei Monate habe ich gebraucht, bis ich zu einem „normalen“ und unbefangenen Umgang mit meiner wunderschönen, immer noch ziemlich neuen Kamera gekommen bin. Und es ist jedesmal sehr befriedigend, wenn ich das Auslösegeräusch höre. Und endlich darf meine EOS 760 D das machen, wofür sie eigentlich konstruiert wurde: Fotos, und zwar überall!

Rezension: MEISTERKLASSE FOTOGRAFIE / Schauen, verstehen, ausprobieren

Wer das Buch “Meisterklasse Fotografie” erwirbt, ist in der glücklichen Lage, gleich mehrere Bücher zum Preis von einem zu bekommen. Einerseits stellt Autor Paul Lowe, Leiter des Fachbereichs Kommunikation an der University of Arts, London, 100 Bilder führender Fotografinnen und Fotografinnen, quer durch die Geschichte des Mediums, vor; das alleine wäre löblich, würde aber den Markt einschlägiger “best of…”-Bände höchstens um einen weiteren vermehren. Die Interpretation und die Informationen zur Entstehungsgeschichte der einzelnen Aufnahmen sind knapp, gehen aber viel tiefer als traditionelle reine “Bildbeschreibungen”, die wenig Substanzielles zum Verständnis einer Fotografie beitragen. Auch das alleine wäre also schon bemerkenswert.

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Blick ins Buch – das Symbol-Leitsystem

Das wirklich Besondere an diesem Buch sind aber die Symbole bei jedem Eintrag, die technische und kreative Tipps geben, um der Leserin oder dem Leser die Möglichkeit geben, das aus den Bildern “Gelernte” selbst nachzuvollziehen oder nachzustellen. Dieses graphische Leitsystem und die kluge Gliederung des Buches führen direkt dazu, das Gesehene selbst praktisch ausprobieren zu können.

Unter “Kamera” wird erklärt, warum der Fotograf, die Fotografin für eine bestimmte Aufnahme welchen Kameratyp gewählt hat. Nun ist es aber nicht so, dass man, um z. B. ein Bild im Stil Atgets zu machen, unbedingt eine Balgenkamera ausleihen oder gar kaufen wird, um auf 8 mal 10 Zoll Glasplatten zu belichten und dann Albuminabzüge herzustellen. Die Diskussion der Möglichkeiten der im Original verwendeten Kameras und ihren Vor- und Nachteile bietet vielmehr kreative Anregungen, wie man, z. B. mit einer digitalen Spiegelreflexkamera oder sogar mit einer Handycam,  bestimmte Effekte “nachspielen” kann.

Ähnlich fundiert begleiten Symbole für Farbe/Tonwert, Komposition, Digital, Belichtung, Blitzlicht, Objektiv, Beleuchtung, Aufnahmeort, Methode, Entwicklung und Motiv die beispielhaften Fotografien, die Lowe erörtert.

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Der Aufbau des Buches ist übersichtlich: Foto, Erklärung zum Bild, Angaben über Fotograf/Fotografin, Tipps und Detailanalyse

Persönlich sprechen mich besonders die unter “Methode” versammelten Überlegungen und Hintergrundinformationen an. Hier erfährt man eine ganze Menge über die, nennen wir es ruhig philosophischen, Beweggründe, warum Fotografinnen und ihre Fotografen ihre Bilder genauso und nicht anders gestaltet haben, wie wir sie heute vor uns haben. Mit einem Preis von 25,70 EUR bewegt sich das Buch zudem in einem Preissegment, das es auch für Fotobegeisterte mit schmälerer Brieftasche erschwinglich macht – auch als Geschenk ein heißer Tipp!

 

Paul Lowe

Meisterklasse Fotografie

Die Kreativgeheimnisse der großen Fotografen

288 Seiten, 150 farbige, 50 s/w-Abbildungen

Prestel-Verlag

EUR 25,70

Dieser Text erscheint in leicht modifizierter Form im Kundenmagazin von Lhotzkys Literaturbuffet, BUCHSTABENSUPPE

Paris: Ausstellung zum 15. Geburtstag der Agence VII

Natürlich haben es alle Leserinnen und Leser dieses Blogs mitgekriegt – Paris ist irgendwie eine große Liebe von mir. Das war schon so, bevor ich die Fotografie für mich entdeckt habe, die ja auch auf eine gewisse Art in Paris „zu Hause“ ist, trotz der Verlagerung der journalistischen Epizentren in die USA nach dem 2. Weltkrieg.

Wäre ich jetzt in Paris, würde ich mit Sicherheit ins siebente Arrondissement flanieren und in der Cosmos-Galerie (56, Boulevard Latour Maubourg) die Ausstellung „Revenir, rendre, retourner“ besuchen. „Zurückkommen, etwas übergeben, zurückkehren“ ist die etwas schwülstige Übersetzung des Titels der Exposition aus Anlass des 15. Geburtstages der Agence VII.

Am 8. September 2001 gründeten sieben hervorragende Fotografinnen und Fotografen in Perpignan aus Anlass des Festivals „Visa pour l’image“ eine neue Bildagentur – daher: Agence VII. Es waren: Alexandra Boulat, Ron Haviv, Gary Knight, Antonin Kratochvil, Christopher Morris, James Nachtwey, und John Stanmeyer. Wer ein Auge für Chronologien hat, stellt fest: Die Gründung der neuen Agentur erfolgte drei Tage vor dem historischen 9-11-Datum …

Wie die legendäre Agentur Magnum (mit der einige der Gründer von VII zusammengearbeitet hatten) war die Idee, einen gemeinsamen Pool von Fotos zu schaffen, diesen zu vermarkten und die Einkünfte zu gleichen Teilen unter den Partnern aufzuteilen.  Das Innovative an VII war der Versuch, die Mittel des Internetzeitalters zu nutzen – und die Tatsache, dass alle an der Gründung beteiligten Fotoreporterinnen und -reporter mit dem etwas unklaren Etikett „concerned photographers“ versehen werden können. Das kompromisslose Eintreten für den Menschen und seine Würde zeichnet die Arbeiten der VII-Mitarbeiter bis heute aus – auch ẃenn es schon deutlich mehr als sieben sind und einige der Gründer und Gründerinnen (etwa James Nachtwey) ausgestiegen und eigene Wege gegangen sind.

Erwähnt sei das VII Mentor Program: Seit 2008 haben junge Fotojournalisten die Möglichkeit, gemeinsam mit erfahrenen Fotografen der Agentur ihre Fähigkeiten zu entwickeln.

BlogphotoGary Knight / VII.

special thanks to VII for the kind permission to use the photograpg by Gary Knight!