Meine Kameras und das “Will-Haben”-Syndrom

Wie bereits erwähnt, ist für mich die Fotografie als ernsthafteres “Hobby” neueren Datums. Mittlerweile bin ich glücklicher Besitzer dreier Kameras: Einer Olympus E-PM1 mit dem dazupassenden Kit-Objektiv. Das war, nach einigen billigeren Kompaktkameras, meine erste Kamera mit einem Wechselobjektiv. Allerdings habe ich mir nie ein Objektiv zum Wechseln gekauft.

KamerasDann schlug sich im Herbst 2015 eine Canon EOS 400D dazu – ein “abgelegtes” älteres Modell, das ich von meinem Sohn “erben” konnte, der auf eine neuere Canon aufrüstete, die Video-tauglich ist.

Für die Olympus hatte ich mir natürlich ein “Profi-Buch” gekauft – vieles davon war mir schlicht und einfach zu mühsam zu lesen, weil ich mich nicht unbedingt mit allen Aspekten der Linsenoptik auseinandersetzen wollte. Ich ging wie an ein Kochbuch an die Lektüre heran: Wenn ich etwas Bestimmtes ausprobieren wollte, suchte ich das passende “Rezept” heraus, griff zur Kamera und brachte das Menü einmal kräftig durcheinander.

Bei der Spiegelreflexkamera (mittlerweile schon so weit, dass ich lässig das Kürzel DLSR in Konversationen einstreuen konnte), begnügte ich mit mit dem Handbuch. Zum Glück gibt’s ja heute schon fast alles als PDF im Internet. Und, sieh an – meine von mir selbst gering geschätzten Gehversuche mit der Systemkamera erwiesen sich als durchaus nützlich, weil ich mit den Menüs der Spiegelreflexkamera  von Anfang an schon etwas  besser vertraut war. Und dazu kamen neue Bücher: Fotoschulen, Bücher über Landschafts- und Portaitfotografie, und vor allem Bücher über große Fotografinnen und Fotografen – und die Bilder, die mir da entgegen sprangen, änderten mehr an meinem Umgang mit den Kameras als alle technischen Anleitungsbücher.  „Meine Kameras und das “Will-Haben”-Syndrom“ weiterlesen

Die beste Kamera und das schlechteste Foto

Schon super, wenn man in ein Alter kommt, in dem man die abgelegten elektronischen Gimmicks der Kinder erbt. So kam ich zu meiner ersten Spiegelreflexkamera, einer Canon EOS 400d.

Kaum hatte ich gelernt, die ersten Grundfunktionen einzustellen, begann ein hektisches Surfen im Internet – was gibt’s Neueres, Besseres, und überhaupt …

Canon_400DDann versenkte ich mich in Handbücher über „meine“ Kamera, studierte Youtube-Videos unterschiedlicher Qualität – und war ziemlich glücklich mit dieser Spiegelreflexkamera. Und dann hörte ich in einem Video eine wirklich gute Antwort auf die Frage: „Was ist die beste Kamera für mich?“. Irgendein schlauer (und ich meine das sehr positiv!) Fotograf, vermutlich mit osteuropäischen Wurzeln, erklärte überzeugend: „Die beste Kamera ist die, welche Du Dir leisten kannst„. Und der Mann hat recht!

Was nützen mir wehmütige Blicke auf Kameras, die ich mir nicht leisten kann? Warum sollte ich mir die Freude an dem, was ich habe, madig machen lassen, statt zu versuchen, mit dem vorhandenen Material das beste zu machen, was ich schaffen kann?

Ebenso überzeugend fand ich die Antwort auf die Frage: „Was ist ein schlechtes Foto?“. Die Antwort war sogar noch zugespitzter: „Das schlechteste Foto ist jenes, das man nicht gemacht hat.“ Ich denke, das ist selbsterklärend😉.

Und da sind wir schon bei der dritten Weisheit: Das Foto macht der Fotograf, nicht die Kamera. Das ist natürlich  diskutierenswert, stimmt aber nach meiner persönlichen Meinung (ich werde mich irgendwann mit dem „philosophischen“ und semiotischen Widerhaken dieses Satzes beschäftigen, aber nicht heute!).

Streetphotography: Tipps von John Free

John Free ist ein erfahrener Streetphotographer und sozial-dokumentarischer Fotograf in Los Angeles. Er macht meiner Meinung nach hervorragende Videos, in denen er wirklich brauchbare Tipps gibt.

Hier ein Beispiel_

Zu Kurt Tucholskys Betrachtungen über Fotografie (1930)

deutschlandueberallesKurt Tucholsky (1890 – 1935) war nicht nur Satiriker, Lyriker, Verfasser von Literaturkritiken, er war ein scharfer und geistvoller Analytiker gesellschaftlicher und künstlerischen Tendenzen. Dass die Fotografie für ihn einen besonderen Platz einnahm, zeigte nicht zuletzt sein Buch „Deutschland, Deutschland über alles“, eine scharfe Abrechnung mit Militarismus, Klassenjustiz und allen rückwärts gerichteten Kräften in der Weimarer Republik. Das besondere an diesem Buch war seine Zusammenarbeit mit John Heartfield, dessen Fotomontagen die Texte Tuchloskys nicht nur akzentuierten, sondern eigenständige visuelle Beiträge zum Thema lieferten.

1930 wurde Tucholsky eingeladen, das Vorwort zum Jahrbuch „Das deutsche Lichtbild“ zu verfassen. Dem trug er schon in den ersten Absätzen Rechnung:

Deutschland zerfällt in Fachleute und Laien – jene blicken auf diese voller Verachtung herunter, und da jeder einmal Fachmann, neunundneunzigmal hingegen Laie ist, so ergibt sich ein heftig bewegtes Gesellschaftsspiel, dessen Fruchtbarkeit geringer ist, als seine Veranstalter glauben. Es kommt bei diesem Spiel nicht viel heraus.

Daß in diesem fachwütigen Deutschland der Herausgeber eines Fachbuches den Mut hat, einen ††† Laien damit zu betrauen, das Vorwort zu schreiben, darf dankbar angemerkt werden. Um so mehr, als die meisten Fachleute leicht vergessen, dass sie ja alle für den Laien arbeiten, der sich zwar niemals das Recht anmaßen darf, einen Arzt über die Entstehung eines Infektionsherdes zu belehren, der aber ein Recht, ein einziges, besitzt: zu erklären, er sei gesund geworden oder nicht.

 

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Mediterranes Wien

mistral_beDie „Frédéric Mistral“ liegt nicht irgendwo in einem französischen Hafen oder einer Anlegestelle im Mittelmeer – das erstaunliche Wasssergefährt findet sich in Wien, an der Donau, etwa auf Höhe des Restaurants Va Bene im 2. Wiener Gemeindebezirk.

Paris, zwei Arrondissements nach den Attentaten vom 13. 11. 2015

Einer meiner Links führt zum französischen Fotomagazin polka. In Nummer 33 der Zeitschrift findet sich unter anderem eine sehr berührende Fotoreportage darüber, wie die Bewohner des 10. und 11. Arrondissements von Paris mit den Folgen der Attentate vom 13. November vergangenen Jahres umgehen.

Bildschirmfoto_2016-05-27_23-18-14Meiner Meinung nach ist der Artikel ein Musterbeispiel für gelungenen Fotojournalismus. Weder ist der Text eine bloße Beschreibung der Bilder, noch sind die Fotos „Fußnoten“ zum Text.

In der gleichen Ausgabe von polka zeigt eine andere Reportage die Militarisierung der Hauptstadt unter dem Ausnahmezustand und den Alltag der 10.000 Soldaten, die in Paris zusammengezogen wurden.

David King, 1943 – 2016

Am 11. Mai 2016 starb in London David King im Alter von 73 Jahren.

Er war von 1965 – 1975  Art Director der Londoner Sunday Times. Bei einer Reise in die UdSSR im Jahr 1970 wollte King in erster Linie Material für eine Dokumentation zum 100. Geburtstag W.I. Lenins suchen. Politisch sozialistischen Gruppen nahestehend, weitete er seine Sammlertätigkeit auf Fotos und Plakate der frühen Sowjetunion und der Stalinäre aus. 1972 veröffentlichte er gemeinsam mit Francis Wyndham die erste Trotzki-Bildbiographie.

Die von ihm geschaffene David-Kind-Collection ist die bedeutendste einschlägige Sammlung und bildete die Basis für eine Reihe von Buchveröffentlichungen (deutsche Ausgaben erschienen im Mehring-Verlag).

King war nicht nur ein hervorragender Art-Designer (unter anderem entwickelte er Plattencover für Jimi Hendrix), Propagandist (er entwarf eine Reihe von Plakaten für die Anti-Apartheid-Bewegung und die englische Journalistengewerkschaft sowie das Logo der Anti-Ncomissarazi-League) – er war auch ein hervorragender Fotograf. Berühmt wurden seine Fotos von Muhammed Ali, die 1975 in dem Buch „I Am King: A Photographic Biography of Muhammad Ali“ erschienen.

Für das Verständnis dessen, was Fotografie als historische Quelle bedeutet oder nicht bedeutet, kann Kings Buch „The Commissar Vanishes“ (Der Kommissar verschwindet) als Muster dienen – es dokumentiert die Fälschungen der Stalin-Ära, in der immer mehr alte Revolutionäre aus den historischen Fotos herausretuschiert wurden …